Warum ist der Transfer von Nick Woltemade vom VfB Stuttgart zum FC Bayern geplatzt? Thomas Strunz äußert einen brisanten Verdacht.
München – Der Transferpoker um Nick Woltemade entwickelt sich zum Lehrstück dafür, wie man Millionen-Deals nicht abwickelt. Was als vermeintlicher Coup des FC Bayern begann, endete im Chaos – mit einem frustrierten Spieler, einem verärgerten VfB Stuttgart und einem Rekordmeister, der plötzlich nur noch auf Leihe-Geschäfte hoffen kann. Thomas Strunz, einst selbst im Bayern- und VfB-Trikot aktiv, findet deutliche Worte für das Debakel.
„Die gesamte Herangehensweise war aus meiner Sicht schlecht“, urteilt der Europameister von 1996 im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports. Strunz‘ Analyse trifft den Kern des Problems: Bayern und Woltemades Berater Danny Bachmann scheinen durch ihr respektloses Vorgehen den Deal selbst torpediert zu haben.
Strunz: Aussagen von Woltemade-Berater „auf keinen Fall hilfreich“
Besonders die Art der Kommunikation stößt dem früheren Bayern- und VfB-Profi sauer auf. „Die Reaktion des VfB Stuttgart ist durchaus verständlich, da die Vereinsverantwortlichen Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle offenbar erst durch die Medien von der Einigung zwischen dem Spieler und Bayern München erfahren haben“, erklärt Strunz die Verärgerung der Schwaben.
Während Strunz Verständnis für Woltemades Wechselwunsch zeigt – „Grundsätzlich ist es völlig legitim und nachvollziehbar, wenn ein Spieler die Chance ergreift, zu einem europäischen Spitzenverein zu wechseln“ –, geht er mit dem Berater hart ins Gericht. Bachmanns öffentliche Attacken auf den VfB-Aufsichtsrat bezeichnet er als „nicht förderlich“ und „auf keinen Fall hilfreich“.
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„Man muss bedenken, dass im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart hochrangige Persönlichkeiten sitzen, darunter die CEOs von Porsche und Mercedes sowie weitere Vorstände von Banken und dem Hauptsponsor LBBW“, mahnt Strunz. Bachmanns Kritik an den „obszönen“ Forderungen der Stuttgarter habe die Fronten nur verhärtet.
Die Folgen des diplomatischen Desasters sind verheerend für Bayern. VfB-Boss Wehrle erklärte die „Akte für geschlossen“, Sportchef Wohlgemuth bestätigte die harte Linie. Selbst Bayerns Christoph Freund musste eingestehen: „Bei Woltemade war die Grundlage nicht gegeben, um eine Einigung zu erzielen.“
Max Eberl kann nur noch mit Galgenhumor reagieren
Noch bitterer: Max Eberl kann mittlerweile nur noch mit Galgenhumor reagieren. „Vielleicht leiht Stuttgart ihn noch mal an uns – weil leihen können wir ja“, scherzte der Sportvorstand nach dem von Uli Hoeneß verordneten Einkaufsstopp. „Mit einem diskreteren und respektvolleren Vorgehen wäre der Transfer vermutlich bereits abgewickelt worden“, glaubt Strunz. Statt auf Diplomatie zu setzen, wählten Bayern und Bachmann den Weg über die Öffentlichkeit.
Das Transfer-Theater um Woltemade offenbart ein grundsätzliches Problem in Bayerns Transferstrategie. Wo früher Respekt und diskrete Verhandlungen zum Erfolg führten, herrscht heute öffentlicher Druck und mangelnde Diplomatie. Die Quittung: Ein gescheiterter Transfer, ein verärgerter Konkurrent und ein Spieler, der zwischen den Fronten steht.
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit footitalia.com mit Thomas Strunz gesprochen
Das Interview mit Thomas Strunz fand in Kooperation mit footitalia.com statt.
Thomas Strunz spielte für den MSV Duisburg, den VfB Stuttgart und den FC Bayern. Er gewann fünfmal die Meisterschaft, zweimal den DFB-Pokal und wurde 1996 mit dem DFB-Team Europameister.