VonLars Pollmannschließen
Nach dem FIFA-Klub-WM-Aus widmet sich der BVB den Transfer-Plänen. Für Jamie Gittens wird ein Ersatz benötigt. Einen aussichtsreichen Kandidaten gibt es.
Dortmund – Seit Samstag ist die Saison 2024/25 für Borussia Dortmund endgültig vorbei. Mit dem Aus bei der FIFA Klub-WM gegen Real Madrid gehen die Profis spät in den wohlverdienten Sommerurlaub. Einer gehört schon nicht mehr dazu: Ebenfalls seit Samstag steht der Abschied von Jamie Gittens zum FC Chelsea endgültig fest.
Die durch den Abgang entstandene Lücke auf dem Flügel soll schnellstmöglich geschlossen werden. In den Fokus rückt dabei immer stärker ein Name: Johan Bakayoko. Der pfeilschnelle belgische Nationalspieler von der PSV Eindhoven gilt derzeit laut Medienberichten als heißester Anwärter und Wunschkandidat der Dortmunder.
Dabei spielt Bakayoko meistens über rechts, während Gittens vor allem von links gefährlich wurde. Das Profil ähnelt sich davon ab aber deutlich.
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BVB-Transferziel Bakayoko: Was ihn so begehrt macht
Dass der 22-Jährige ein Spieler von internationalem Format ist, zeigt das Interesse eines prominenten Bewunderers. Niemand Geringeres als Bayern-Trainer Vincent Kompany gilt als großer Fan von Bakayoko und wollte ihn dem Vernehmen nach schon zu seiner Zeit als Coach des FC Burnley verpflichten. Auch beim FC Bayern gab es im Vorjahr Gerüchte um den Flügelspieler.
Doch was für einen Spielertyp würde sich der BVB mit dem Belgier ins Haus holen? Die Analyse seiner Fähigkeiten offenbart das Profil eines spektakulären Spielers, dessen Verpflichtung für Dortmund aber Chance und erhebliches Risiko zugleich wäre.
Explosive Dribblings, hohe Torgefahr: Das würde Bakayoko dem BVB bringen
Fans von Borussia Dortmund könnten sich auf einen echten Unterschiedsspieler freuen. Bakayokos größte Stärke ist seine Fähigkeit, mit schierer Geschwindigkeit und technischer Finesse Chaos in gegnerischen Abwehrreihen zu stiften. Er sucht instinktiv das Eins-gegen-Eins und ist dank seiner explosiven Beschleunigung auf den ersten Metern kaum zu halten.
Dabei ist er kein klassischer Vorbereiter, sondern wird vor allem selbst torgefährlich. Sein Markenzeichen: der inverse Lauf vom rechten Flügel ins Zentrum, um mit seinem starken linken Fuß abzuschließen. Die Zahlen sind durchaus beachtlich.
In 131 Profi-Einsätzen für die PSV sammelte er bereits 55 Scorerpunkte (33 Tore, 22 Vorlagen) – eine bemerkenswerte Quote für einen Spieler, der in dieser Zeit vom Talent zum absoluten Leistungsträger reifte. Seine Schusstechnik ist so herausragend, dass er statistisch gesehen mehr Tore erzielt, als es die Qualität seiner Chancen erwarten ließe – ein Wert, den Experten „Expected Goals“ (xG) nennen.
In einem Interview hat Bakayoko als Grund dafür einmal die Zusammenarbeit mit Ex-Weltklasse-Torjäger Ruud van Nistelrooy angegeben, der ihm einen „Killerinstinkt“ mitgegeben habe.
Pressing-Monster: Warum Bakayoko zur BVB-DNA passen würde
Neben seinen Offensivqualitäten passt vor allem sein Spiel gegen den Ball zu den Ambitionen von Borussia Dortmund. Scouting-Berichte beschreiben ihn als aktiven und hartnäckigen Pressingspieler, der ideal für das aggressive und hohe Anlaufen geeignet ist, das den BVB wieder stärker auszeichnen soll.
Mit seiner Fähigkeit, Ballverluste tief in der gegnerischen Hälfte zu provozieren, würde er das Gegenpressing-System ideal ergänzen. Er könnte im besten Fall direkt gefährliche Gegenangriffe einleiten und für die schnellen Umschaltmomente sorgen, die gerade gegen starke Gegner eine wichtige Waffe sind.
Ein Transfer mit Risiko: Bakayokos eklatante Schwäche
Doch bei aller potenziellen Offensiv-Power gibt es eine andere Seite der Medaille, die den Fans von Dortmund Kopfzerbrechen bereiten könnte. Die größte und am häufigsten genannte Schwäche in Bakayokos Spiel ist seine mangelnde Bereitschaft, in der Defensive mitzuarbeiten.
Die Scouting-Berichte sind hier unmissverständlich: Während Bakayoko im Angriffspressing glänzt, zeigt er eine deutliche Unlust bei der Defensivarbeit in tieferen Zonen. In einem Interview gab er sogar offen zu, diese Aufgabe nicht zu mögen. Für den BVB, dessen System auf die Mitarbeit der Flügelstürmer angewiesen ist, wäre dies ein erhebliches taktisches Risiko.
Wiederholt sich der Fall Malen beim BVB?
Darüber hinaus gibt es weitere Entwicklungsfelder. Bakayoko neigt dazu, seine spektakulären Dribblings zu überziehen und verpasst so oft den besseren Moment für ein einfaches Abspiel. Zudem macht ihn seine extreme Abhängigkeit vom linken Fuß für Verteidiger auf Top-Niveau potenziell berechenbar.
Diese Mischung aus rohem Talent und taktischen Defiziten weckt bei vielen Fans Erinnerungen an eine vorangegangene Wette auf einen Star aus der Eredivisie. Die durchwachsenen Erfahrungen mit Donyell Malen, der ebenfalls als Top-Talent aus den Niederlanden kam, haben die Skepsis gegenüber teuren Transfers aus dieser Liga erhöht und steigern den Erwartungsdruck.
Eine Wette auf die Trainer-Kunst beim BVB
Johan Bakayoko ist zweifellos einer der aufregendsten jungen Flügelspieler in Europa. Sein Profil verspricht Spektakel, Torgefahr und genau die Art von Fähigkeiten, die dem BVB nach dem Abgang von Jamie Gittens fehlen.
Gleichzeitig ist er ein ungeschliffenes Juwel mit klaren Defiziten. Seine eklatante Schwäche in der Defensivarbeit und seine bisweilen ineffiziente Entscheidungsfindung sind signifikante Risikofaktoren, die durchaus für Frust bei den Fans sorgen könnten. Immerhin war schon bei Gittens der Unmut groß, wenn er nach drei gescheiterten Dribblings auch das vierte versuchte.
Der Erfolg eines solchen Transfers hängt letztlich maßgeblich vom Trainerstab ab. Gelingt es Niko Kovač, Bakayokos taktische Disziplin zu verbessern, ohne ihm seine offensive Genialität zu rauben, könnte sich der Mut für den BVB mehr als auszahlen.
Bekommt der BVB seinen Michael Olise?
Eine Verpflichtung von Bakayoko wäre daher eine klassische „High-Risk, High-Reward“-Investition. Borussia Dortmund würde keinen fertigen Star kaufen, sondern eine Wette auf das enorme Potenzial des Spielers und vor allem auf die eigene Entwicklungsarbeit abschließen.
Und wer weiß, vielleicht schließt sich am Ende sogar ein Kreis: Im Idealfall findet der BVB in Johan Bakayoko seinen eigenen Michael Olise – jenen Spieler, der unter dem bekennenden Bakayoko-Fan Kompany beim FC Bayern im ersten Jahr die Bundesliga erobert hat.
Rubriklistenbild: © IMAGO/PSV v Heracles Almelo - Eredivisie

