„Geschäft über Talente und Sport“

Nach Conference-League-Aus: Held von Sevilla tritt gegen Eintracht nach

  • schließen

Rafael Borré gehört zu Europa-League-Helden der Eintracht von 2022. Das bittere Aus des aktuellen Teams hat für ihn einen bestimmten Grund.

Frankfurt – Die Europa-Träume sind ausgeträumt, es gibt in dieser Saison keine magischen Nächte mehr im Commerzbank-Stadion: Eintracht Frankfurt hat sich sang- und klanglos aus der Conference League verabschiedet und für Ernüchterung bei Fans und Umfeld gesorgt. Auch einer, der mit den Adlern jene magischen Nächte erlebt hat und 2022 den Europa-League-Titel holte, spart nicht mit Kritik.

Rafael Borré
Geboren15. September 1995 in Barranquilla, Kolumbien
PositionStürmer
VereineDeportivo Cali, Atletico Madrid, FC Villarreal, River Plate, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen
ErfolgeEuropa-League-Sieger 2022, 3. Platz bei der Copa America 2021

Rafael Borré: „Wird schwierig sein, die gleichen Ergebnisse zu erzielen“

Ex-Eintracht-Profi Rafael Borré nimmt dabei vor allem das Management ins Fadenkreuz: „Es wird sehr schwierig sein, die gleichen Ergebnisse zu erzielen, wenn die derzeitigen Entscheidungsträger weiterhin das Geschäft über Talente und Sportprojekte stellen“, schrieb der Kolumbianer auf Englisch beim Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter), ohne allerdings konkret Frankfurt beim Namen zu nennen. Borré erzielte in der Finalnacht von Sevilla den Ausgleich und im Elfmeterschießen den entscheidenden Treffer zum Titel.

Gemeint ist mit Borrés Worten auf X wohl vor allem Sportvorstand Markus Krösche. Von der Eintracht-Mannschaft, die 2022 die Europa League gewann, stehen nur die wenigsten Spieler noch immer in Frankfurt unter Vertrag. Borré selbst spielt inzwischen als Leihspieler bei Werder Bremen und wechselt im Sommer nach Brasilien zu Internacional Porto Alegre. Er hatte bereits im November die Eintracht kritisiert.

Krösche spart selbst nicht an Kritik – an der Mannschaft

Auch Krösche selbst hatte nicht mit Kritik gespart, aber seine Worte richteten sich gegen die Mannschaft. „Nicht Europapokal-like“ und keineswegs „Eintracht Frankfurt international“ – so lautete das vernichtende Urteil des Sportvorstands nach dem ernüchternden und viel zu frühen Ende aller Conference-League-Träume. „Das war das schlechteste Spiel, das wir bisher gespielt haben.“

Auch Trainer Dino Toppmöller steht in Frage. Noch jedoch soll es mit dem Coach weitergehen. „Na klar“, antwortete Krösche zwar auf die Frage, ob es mit Dino Toppmöller auch nach dem unerklärlich blutleeren Auftritt beim Zwischenrunden-Aus weitergehe. Er betonte aber auch, dass das bittere 1:2 (0:0) gegen Union Saint-Gilloise „ein Rückschritt“ gewesen sei. Wie in der ersten Halbzeit „können wir nicht Fußball spielen, schon gar nicht international“.

Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT

Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club.
Tor: Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club. © IMAGO / Ulmer
Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.
Abwehr: Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.  © IMAGO / Kicker/Liedel
Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga.
Abwehr: Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga. ©  IMAGO / Ferdi Hartung
Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler.
Abwehr: Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler. © IMAGO / Pressefoto Baumann
Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup.
Mittelfeld: Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup. ©  IMAGO / Werner Otto
Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.
Mittelfeld: Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal.
Mittelfeld: Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal. © IMAGO / Laci Perenyi
Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister.
Mittelfeld: Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister. © IMAGO / Claus Bergmann
Tony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.
Angriff: Anthony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt.
Angriff: Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt. © IMAGO / WEREK
Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger.
Angriff: Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger. ©  IMAGO / Kicker/Eissner, Liedel
Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal.
Trainer: Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal. © IMAGO / Horstmüller

Trapp: „Schwer zu verdauen“

Eigentlich, so lautete jedenfalls der Plan nach mehreren enttäuschenden Liga-Auftritten, sollte der Europacup als Stimmungsaufheller dienen, die Hessen waren gar als Titelkandidat in den Wettbewerb gestartet. Stattdessen schenkte die SGE nach dem Pokal-Aus auch die zweite Titelchance leichtfertig her. Auch für Torhüter Kevin Trapp war dies „schwer zu verdauen“.

Trotz der Schwächephase liegt die Eintracht in der Liga weiter auf Europacup-Kurs. „Wir müssen uns schütteln“, sagte Toppmöller, der im Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag eine Reaktion seiner Mannschaft fordert. „Das sind wir uns und den Zuschauern schuldig.“ Man wolle „unbedingt den sechsten Platz verteidigen. Und dann greifen wir nächste Saison wieder an.“

Rafael Borré wurde im Mai 2022 zum Held in Sevilla.

Krösche stellt sich noch vor Toppmöller

Toppmöller mache „gute Arbeit mit der Mannschaft und versucht, sie weiterzuentwickeln“, versicherte Krösche. Nun müsse man jedoch „gemeinsam sehen, dass wir einen anderen Auftritt hinlegen“. Seine Forderung? „Wir müssen alles dafür tun, dass wir nächstes Jahr wieder international spielen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Shutterstock

Kommentare