Verkaufskandidat? Tuchel berät mit Bayern-Bossen über Müller-Zukunft
VonChristoph Klaucke
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Beim FC Bayern steht alles auf dem Prüfstand. Auch über die Zukunft von Thomas Müller unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel wird diskutiert.
München – Der FC Bayern München hat mit dem DFB-Pokal und der Champions League bereits zwei Titel in dieser Saison verspielt, auch die Deutsche Meisterschaft ist in akuter Gefahr. Die Krise wird an der Säbener Straße Konsequenzen haben. Neben der Chefetage um die Vorstände Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic müssen auch einige Spieler um ihren Job bangen. Darunter sind prominente Namen wie Sadio Mané und Serge Gnabry – und selbst Vereinsikone Thomas Müller muss sich offenbar Sorgen um seine Zukunft machen.
Thomas Müller
Geboren:
13. September 1989 in Weilheim
Beim FC Bayern seit:
Juli 2000
Pflichtspiele für den FC Bayern:
661 (234 Tore, 255 Vorlagen)
Länderspiele:
121 (44 Tore)
Müller-Verkauf beim FC Bayern? Tuchel entscheidet über „Härtefälle“
Der neue Cheftrainer Thomas Tuchel kündigte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme an, dass er nach dem Mainz-Spiel eine erste Kaderanalyse für die kommende Saison mit den Bossen vornehmen möchte. Denn erstmals seit Wochen hat der FC Bayern keine Englische Woche, sprich nicht alle drei Tage ein Spiel vor der Brust. Trotz der Negativ-Serie gab Tuchel seinen Sieglos-Bayern sogar mehrere Tage frei, erst am Mittwoch traf sich die Mannschaft wieder auf dem Trainingsplatz.
„Es wird Härtefälle geben, vor allem auf der Abgangsseite“, sagte Sky-Transfer-Experte Florian Plettenberg. „Wir reden jetzt schon über einen Sadio Mané, wir werden sprechen über einen Serge Gnabry.“ Die beiden Offensiv-Stars präsentieren sich seit Monaten von der Rolle und lassen vor dem Tor die gewünschte Effizienz vermissen. Neben Mané und Gnabry glaubt Plettenberg jedoch auch, „dass das Thema Thomas Müller ein sehr, sehr heißes wird im Sommer“.
Verkaufskandidat? Tuchel berät mit Bayern-Bossen über Müller-Zukunft
Der Ur-Bayer und zweite Kapitän hinter dem verletzten Manuel Neuer scheint nicht mehr unantastbar zu sein. Die Zeiten, in denen das Credo „Müller spielt immer“ galt, sind ohnehin schon lange vorbei. Tuchel setzte den Anführer in beiden Viertelfinal-Duellen in der Champions League gegen Manchester City auf die Bank.
Seine einfache Erklärung: „Ich hatte das Gefühl, gegen ManCity ist es kein Thomas-Müller-Spiel“. Doch wie viele „Thomas-Müller-Spiele“ wird es in Zukunft noch geben? In Mainz stand der 33-Jährige zwar wieder in der Startelf, erwischte wie seine Mitspieler aber keinen guten Tag. Mehr noch: Müller war das Sinnbild der Bayern-Krise.
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
Thomas Müller beim FC Bayern nicht mehr unantastbar
„Solange Thomas Müller beim FC Bayern unter Vertrag steht, wird es immer das Thema geben: Spielt er, spielt er nicht und warum spielt er nicht? Der einzige Grund, wieso momentan Ruhe herrscht, ist, weil Thomas Müller selbst ruhig ist“, meinte Plettenberg. „Es ist durchaus zu hören, dass Thomas Müller in der nächsten Saison nicht immer gesetzt sein wird. Das zeichnet sich jetzt schon ab.“
Die Bayern denken demnach offenbar über einen Verkauf nach, da das Thema Müller jedes Mal für Diskussionen sorgt, wenn der Offensivspieler nicht berücksichtigt wird. Tuchel äußerte sich öffentlich zwar als Müller-Fan, intern wird beim FC Bayern jedoch befürchtet, dass die Personalie auch weiterhin für Unruhe sorgen könnte.
Bayern-Trainer scheiterten immer wieder wegen Thomas Müller
Auf der anderen Seite ist Müller, der noch einen Vertrag bis 2024 hat, eng mit dem FC Bayern verbunden und gilt als gebürtiger Bayer als Aushängeschild des Klubs. Lothar Matthäus warnte Tuchel eindringlich davor, die Vereinslegende auszusortieren. „An Thomas Müller sind schon andere Trainer in München gescheitert“, erklärte der frühere FCB-Kapitän bei Bild.
„Unter Tuchel wird Thomas Müller kein Bayern-Spieler mehr sein“: Hamann glaubt an Abgang
Dietmar Hamann geht im Vergleich zu seinen Vorrednern sogar noch einen Schritt weiter. „Unter Tuchel wird Thomas Müller nächste Saison kein Bayern-Spieler mehr sein“, schrieb der Ex-Bayern-Profi in seiner Sky-Kolumne. Dass das Urgestein von Tuchel gegen ManCity erst nach Sadio Mané eingewechselt wurde, „war für mich ein Schlag ins Gesicht von Thomas Müller“, erklärte Hamann. „Ein Spieler, der eine Woche zuvor einem anderen ins Gesicht geboxt hat, kommt vor dem Gesicht des FC Bayern ins Spiel.“
Bislang hat Müller seine kürzeren Einsatzzeiten unter Tuchel im Sinne des Mannschaftserfolgs ohne Murren hingenommen. Sein Anspruch ist aber ein anderer, das könnte über kurz oder lang zu Problemen führen. „Wenn er aber heute schon weiß, dass er in einem Jahr in solchen Spielen zuschauen muss, wird ihn das nicht befriedigen. Ohne Einsätze wird auch sein Einfluss in der Kabine kleiner“, glaubt Hamann. Außerhalb des Fußballrasens gab es zuletzt aber auch erfreuliche Nachrichten für den Nationalspieler: Thomas Müller wurde mit der Bayrischen Staatsmedaille ausgezeichnet. (ck)