VonChristopher Michelschließen
Der Ausfall von Jonathan Burkardt trifft Eintracht Frankfurt hart. Die Alternativen sind rar gesät. Was macht Trainer Dino Toppmöller?
Frankfurt – Muss Eintracht Frankfurt nach dem Ausfall von Jonathan Burkardt alle Ambitionen beerdigen? In der aktuellen Phase jedenfalls ist der Schmerz nach dem Verletzungsschock in der Champions League gegen Atalanta Bergamo (0:3) riesengroß. Trainer Dino Toppmöller steht – wie so häufig in seiner Zeit bei den Hessen – vor einer großen Herausforderung. Welche Optionen hat er?
1.) Eintracht-Rekordneuzugang bekommt seine letzte Chance
Die Geschichte von Elye Wahi bei Eintracht Frankfurt? Sie ist bislang eine traurige. Im Winter könnten sich die Wege nach nur zwölf gemeinsamen Monaten wieder trennen. Diesmal allerdings ist der Stürmer nicht schneller als der Klub gewachsen. Im Gegenteil: Wahi, im Gesamtpaket bis zu 26 Millionen Euro teuer, konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen.
Im ersten Halbjahr kam er nicht an Hugo Ekitiké vorbei, jetzt war Burkardt vor ihm. Öffnet sich plötzlich eine Tür, mit der er selbst nicht mehr gerechnet hat? Wahi wird in den Gedankengängen von Toppmöller gewiss eine Rolle spielen. Es wäre die letzte Möglichkeit, den Stift in die Hand zu nehmen und das Eintracht-Kapitel umzuschreiben.
2.) Toppmöller baut auf Erfahrung
Michy Batshuayi flog in der Bundesligapartie in Köln (4:3) aus dem Kader. Gegen Atalanta hingegen wurde der Angreifer dann wieder vor Wahi eingewechselt. Der Belgier ist mit seinen Einsatzzeiten von rund 100 Minuten naturgemäß unzufrieden. Batshuayi verpasste es aber bei seinen wenigen Chancen, Eigenwerbung zu betreiben.
Allerdings hat er Fähigkeiten, die dem Team helfen könnten. Batshuayi ist robust, er kann auch aus wenig viel machen und sich im Strafraum behaupten. 190 Karrieretore in sechs verschiedenen Ländern sind eine Hausnummer. Bekommt er seine durchaus vorhandenen PS in Frankfurt noch einmal auf die Straße?
3.) Langzeitverletzter sollte schon gehen
Eine Rückkehr von Jessic Ngankam war nicht mehr einkalkuliert bei der Eintracht. Dann aber verletzte sich der Stürmer bei seiner Leihe in Hannover schwer und fiel monatelang aus. In Köln stand Ngankam auf einmal im Kader. Er beißt sich rein und gibt im Training alles. Doch seine Torquote (alle 248 Minuten ein Bundesligator) ist ausbaufähig. Der große Turnaround in Frankfurt ist nur schwer vorstellbar.
4.) Zwei Offensivallrounder als Retter in der Not?
Ansgar Knauff und Jean-Matteo Bahoya sind so etwas wie die Allzweckwaffen der Frankfurter. Sie sind auf den Flügeln unterwegs, wurden aber auch schon als Angreifer eingesetzt. Bahoya kam gegen Bergamo als Ersatz für Burkardt. Auch beim Spiel in Freiburg (2:2) war das Duo in der Endphase ganz vorne gemeinsam unterwegs. Realistisch ist diese Variante allemal.
5.) Eine Rückkehr wird herbeigesehnt
Der Ausfall von Can Uzun wiegt ebenfalls schwer. Toppmöller hofft auf dessen Comeback für die Reise nach Leipzig. Uzun hat in seiner Karriere in Nürnberg bereits als Mittelstürmer agiert. Der 20-Jährige bringt die dafür nötigen Fähigkeiten mit: Abschluss, Beidfüßigkeit, Torriecher, Technik, Robustheit. Uzun hat das Potenzial, die Burkardt-Lücke zu schließen. Aber er muss zunächst fit werden.
6.) Richtet sich der Blick ins NLZ?
Alexander Staff hat mit seinen Toren in der Youth League die Blicke auf sich gezogen. Wird der 17-Jährige jetzt von Toppmöller an den Profikader herangeführt? Auch in der Hessenliga stechen zwei Angreifer bei der zweiten Mannschaft mit guter Quote heraus. Daniel Stardodid war in 17 Partien an 24 Treffern beteiligt, Kaan Inanoglu war in der vergangenen Saison mit 13 Regionalliga-Treffern bester Torschütze.
Der Sprung nach ganz oben ist natürlich ein großer. Vielleicht ist aber genau jetzt der Moment gekommen, auf die Spieler im NLZ zu blicken. Die Verantwortlichen rund um Sportvorstand Markus Krösche schauen regelmäßig vorbei, die Talente trainieren in unregelmäßigen Abständen bei den Profis mit. Das Fan-Umfeld jedenfalls würde den Einbau des eigenen Nachwuchses honorieren.
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