Millionen-Fehler: Eintracht Frankfurt verschätzt sich bei Elye Wahi
VonChristopher Michel
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Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison noch alle Möglichkeiten. Auf einer Position hat sich der Klub jedoch verschätzt, kommentiert Christopher Michel.
Frankfurt – Eintracht Frankfurt spielt lange Zeit sehr souverän beim Duell in Köln und führt kurz vor Schluss mit 4:1. Am Ende muss das Team doch noch zittern und um den verdienten Erfolg bangen. Auffällig ist der Bruch nach den Wechseln, die Trainer Dino Toppmöller vornimmt. Bei drei Treffern Vorsprung und dem Champions-League-Duell gegen Bergamo im Blick, müssen Kräfte geschont werden.
Das sich wiederholende Problem? Die Spieler, die von der Bank kommen, bleiben ohne jegliche Akzente. Vor allem bei Elye Wahi herrscht auch hinter den Kulissen nur noch Kopfschütteln. Max-Jacob Ost vom Podcast Rasenfunk ist nicht dafür bekannt, einzelne Spieler zu vernichten. Beim Auftritt des Franzosen wird der Experte aber mehr als deutlich.
Selbst außenstehende Experten werden bei Eintracht-Stürmer Wahi deutlich
„Gegen den Ball war Wahi nicht zu gebrauchen. Es tut mir leid, wenn ich das so deutlich formuliere. Mir ist kein Ballgewinn in Erinnerung geblieben. Mir sind auch selten Passwege aufgefallen, die er sinnvoll zugestellt hat“, so Ost in der Montagsfolge. Auch beim Thema Pressing wird er deutlich und bemängelt die fehlende Intensität. So schwindet auch das Vertrauen der Mitspieler.
Trainingsbesucher überrascht dieses Urteil nicht. Mit Ausnahme weniger Lichtblicke ist das auch unter der Woche oftmals viel zu wenig. Ein kurzer Aufschwung im Sommer-Trainingslager in den USA ist rasch verpufft. Treffer in Testspielen sind nicht genug. Dazu vergibt er in Hoffenheim (3:1) und Heidenheim (1:1) leichtfertig Möglichkeiten, um Selbstvertrauen zu tanken. Irgendwie passt es nicht zusammen.
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Es ist freilich zu einfach, die wackeligen Endphasen in Köln oder Gladbach nur an Wahi festzumachen. Die Eintracht verfällt phasenweise in eine schwer zu erklärende Passivität. Neunmal (!) schon hat das Leder ab Minute 76 im Netz gezappelt – das bedeutet einen zweifelhaften ersten Platz in diesem Ranking. Die Gründe sind vielfältig und verdienen eine kollektive Betrachtung.
Wahi allerdings trägt sehr wenig dazu bei, in vorderster Linie für Entlastung zu sorgen. Der 22-Jährige wirkt nach fast einem Jahr bei der Eintracht noch immer wie ein Fremdkörper. Liegt es an fehlender Qualität? Schwer zu sagen! Möglicherweise aber hat Wahi Fähigkeiten, die aktuell in Frankfurt nicht zum Vorschein kommen. Toppmöller wird, ohne Namen zu nennen, deutlich: „Die Einwechselspieler haben keine Eigenwerbung betrieben.“
Bei Wahi geht es bis Jahresende kommunikativ darum, den Schaden kleinzuhalten. Der Angreifer kostet im Gesamtpaket rund 26 Millionen Euro, der Marktwert ist bereits auf 18 Millionen Euro gepurzelt – und ein Ende ist in der jetzigen Verfassung nicht in Sicht. Selbst Teile der Anhänger, die jegliche Kritik an Wahi weggebügelt und als zu hart empfunden haben, rudern Stück für Stück zurecht.
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Die Eintracht muss sich intern eingestehen, einen millionenschweren Fehlgriff getätigt zu haben. Diese Erkenntnis ist schmerzhaft, aber alternativlos. Toppmöller muss kurzfristig Lösungen finden. Jessic Ngankam hat zuletzt Michy Batshuayi überholt. Zieht er an Wahi vorbei? Hilft ein Blick in die Jugend? Alexander Staff ist ein großes Talent.
Vielleicht braucht es eine gewisse Fantasie. Lebensversicherung Jonathan Burkardt ist nicht nur in Topform, er ist auch fit und vollständig integriert. Hinter ihm ist es aber dünn, im Grunde gibt es keinen zweiten Angreifer. Die Doppelspitze hat Toppmöller schon vor Wochen mehr oder weniger ausgeschlossen. Das muss vor Beginn der Rückrunde korrigiert werden. Die Lage im Sturm ist nicht optimal. Hier hat sich die Führung wohl verschätzt.
Markus Krösche hat viele Transfers getätigt, die Frankfurt weit nach oben katapultiert haben. Jeder kennt die Namen von Omar Marmoush bis Hugo Ekitiké und Willian Pacho. Bei Wahi hat ihn sein glückliches Händchen einmal verlassen. Wie das passieren konnte? Darauf gilt es im dritten oder vierten Schritt, eine Antwort zu finden. Kurzfristig lautet das Motto: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Die Wege von Wahi und Eintracht, sie müssen sich im Januar trennen. Es ist wohl die letzte Möglichkeit, den finanziellen Schaden noch im Rahmen zu halten. Elye Wahi ist es in 580 Einsatzminuten auch in Ansätzen nicht gelungen, von sich zu überzeugen. Der vom Sockelbetrag her teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte wird keine tiefen Fußspuren hinterlassen.