Top-Talent vor Wechsel in der Bundesliga

BVB-Boss Ricken wollte alles besser machen – Verkauf eines Juwels wäre fatales Signal

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Lars Ricken wollte die BVB-Talente wieder stärker fördern. Nun steht ein Juwel vor dem Absprung. Das wäre ein Verrat an der eigenen Philosophie.

Dortmund – Mehr als ein Jahr ist Lars Ricken nun als Geschäftsführer Sport bei Borussia Dortmund im Amt. Er ist angetreten mit dem klaren Versprechen, die Talentförderung wieder zur Chefsache zu machen.

Jetzt, im Sommer 2025, steht er vor einer Zerreißprobe für seine Glaubwürdigkeit. Eines der größten Offensiv-Juwele des Vereins, der 19-jährige Cole Campbell, strebt einen Abschied an. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge zeigt vor allem der VfB Stuttgart starkes Interesse, die Ruhr Nachrichten melden sogar ein Treffen mit den Schwaben.

Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund

Gregor Kobel
Stammtorhüter Gregor Kobel hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt bis 2028 gesetzt. © IMAGO/Madeleine Fantini
Patrick Drewes
Patrick Drewes unterschrieb am 26. Juni 2025 seinen Vertrag beim BVB bis 2027 – als neue Nummer 3 hinter Gregor Kobel und Alexander Meyer. © IMAGO/RHR-FOTO
Silas Ostrzinski
Auch Silas Ostrzinski hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist als zukünftige Nummer eins bei der U23 fest eingeplant. Sein Vertrag läuft bis 2027. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Alexander Meyer
Ersatztorwart Alexander Meyer steht seit 2022 beim BVB unter Vertrag. Sein Arbeitspapier läuft am 30.06.2027 aus.  © IMAGO/Jess Stiles
Yan Couto
Der Brasilianer Yan Couto kam zunächst als Leihe vom Manchester City, ehe Dortmund frühzeitig die Kaufpflicht zog – sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Waldemar Anton
Waldemar Anton wechselte im Sommer 2024 von VfB Stuttgart zum BVB – Vertrag bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Marco Bader
Nico Schlotterbeck
Abwehrchef Nico Schlotterbeck ist seit Sommer 2022 gesetzt in Dortmund – sein aktueller Vertrag läuft bis 2027, doch der BVB plant bereits eine vorzeitige Verlängerung bis 2030 inklusive einer Gehaltsverdopplung. © IMAGO/Revierfoto
Ramy Bensebaini
Der algerische Außenverteidiger Ramy Bensebaini kam 2023 ablösefrei und unterschrieb einen Vierjahresvertrag beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Niklas Süle
Niklas Süles Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026. Im März gab der Verein bekannt, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.  © IMAGO/Marco Bader
Julian Ryerson
Der Norweger Julian Ryerson verlängerte ebenfalls vorzeitig seinen Vertrag bis 2028 und hat sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft etabliert. © IMAGO/Marco Bader
Almugera Kabar
Das BVB-Talent Almugera Kabar erhielt im Februar 2025 seinen ersten Profivertrag bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Filippo Mane
Der italienische Innenverteidiger Filippo Mane hat ebenfalls Anfang 2025, seinen ersten Profivertrag bis 2028 unterschrieben. © IMAGO/Katie Stratman
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat einen bis 2027 gültigen Kontrakt.
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat seinen bis 2027 gültigen Kontrakt langfristig verlängert. Über die genaue Laufzeit ist nichts bekannt. © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Daniel Svensson
Der zunächst ausgeliehene Daniel Svensson kam Anfang Februar 2025 vom FC Nordsjælland – Dortmund zog frühzeitig die Kaufoption, sein Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. © IMAGO/Katie Stratman
Salih Özcan
Salih Özcan unterschrieb 2022 seinen Vierjahresvertrag bis 2026. Dieser wird nicht verlängert, sodass der türkische Nationalspieler den BVB im Sommer verlässt. © IMAGO/Hesham Elsherif
Felix Nmecha
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha kam 2023 für knapp 30 Mio.€ vom VfL Wolfsburg. Im März 2026 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2030. ©  IMAGO / Nicolo Campo
Julian Brandt
Julian Brandts Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026 – dann endet nach sieben Jahren seine Zeit beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Carney Chukwuemeka
Der Engländer Carney Chukwuemeka unterschrieb nach seiner Leihe vom FC Chelsea fest beim BVB. Er ist noch bis 2030 gebunden. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Marcel Sabitzer
Marcel Sabitzer wechselte 2023 vom FC Bayern nach Dortmund – sein Vertrag läuft regulär bis 2027, der BVB hat wohl vorerst keine Vertragsverlängerung geplant. © IMAGO/Marco Bader
Emre Can
Der Vertrag des Kapitäns läuft nach der Saison 2025/26 aus. Berichten zufolge verlängert er nach seiner schweren Kreuzbandverletzung allerdings um ein weiteres Jahr.  © IMAGO/Madeleine Fantini
Kjell Wätjen
Das Dortmunder Talent unterschrieb 2024 seinen ersten Profivertrag – für die Saison 2025/2026 wird der 19-Jährige, für die Spielpraxis an den VfL Bochum ausgeliehen. Sein BVB-Kontrakt läuft noch bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Jobe Bellingham
Der 19-jährige Jobe Bellingham unterzeichnete im Juni 2025 einen Fünfjahresvertrag bis 2030 und bereitet sich momentan bei der Klub-WM auf die Bundesliga-Saison 2025/26 vor. © IMAGO / Nicolo Campo
Karim Adeyemi
Karim Adeyemi wechselte im Sommer 2022 von RB Salzburg zum BVB – sein Vertrag läuft noch bis 2027. Immer wieder rankten sich Abgangsgerüchte um den Flügelspieler. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Maximilian Beier
Der 21-jährige Maximilian Beier wechselte im August 2024 von Hoffenheim zum BVB, nachdem er dort mit 16 Bundesligatoren glänzte – sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Marco Bader
Verlässt Serhou Guirassy den BVB?
Torjäger Serhou Guirassy kam im Juli 2024 vom VfB Stuttgart und lieferte seitdem bei den Borussen ab – sein Vertrag läuft noch bis 2028. ©  IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto
Julien Duranville
Julien Duranville ist noch bis 2028 an Dortmund gebunden. In der Rückrunde der Saison 2025/26 spielt er auf Leihbasis beim FC Basel. © IMAGO/Madeleine Fantini
Cole Campbell
Cole Campbell unterschrieb 2024 einen Profivertrag in Dortmund – sein Vertrag läuft noch bis 2028. Auch er ist 2025/26 ausgeliehen und verbringt die Rückrunde bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Katie Stratman
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030.
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030. © IMAGO/Jordi Mergen

Stuttgart und Frankfurt haben BVB-Juwel auf dem Zettel

Auch Eintracht Frankfurt, wo Sportdirektor Timmo Hardung das Werben um englischsprachige Talente gezielt vorantreibt und ihnen den Eintracht-Weg aufzeigt, hat Campbell auf dem Wunschzettel.

Der mögliche Abgang des US-Juniorennationalspielers ist beim BVB mehr als nur eine weitere Transfer-Posse. Er wäre ein fatales Zeichen für die Amtszeit von Lars Ricken.

Der Mann, der selbst als Eigengewächs zum Jungstar wurde und nach der aktiven Karriere als langjähriger Nachwuchschef die DNA des BVB wie kaum ein Zweiter kennt, ist angetreten, um die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis zu stärken. Der Fall Campbell droht nun, dieses zentrale Versprechen als leere Worthülse zu entlarven.

BVB-Talent vom „Unterschiedsspieler“ zum Verkaufskandidaten

Um die Brisanz der Personalie zu verstehen, muss man nur ein Jahr zurückblicken. Im Sommer 2024 feierte der BVB die Vertragsverlängerung mit Campbell bis 2028. Damals lobte Ricken persönlich die Qualitäten des Youngsters: „Cole ist ein Unterschiedsspieler in unserer U19. Sein Tempo, sein Dribbling, sein Abschluss und seine Mentalität sind Qualitäten, die ihn besonders machen.“

Mit der Vertragsverlängerung ging eine Beförderung einher, Campbell durfte die Vorbereitung mit den Profis machen, absolvierte Testspiele und feierte unter Nuri Şahin im Herbst in einer personellen Notsituation sein Debüt in der ersten Mannschaft.

Auch Sportdirektor Sebastian Kehl zeichnete einen klaren Weg vor, sprach davon, Campbells Entwicklung „weiter fördern“ und ihn „an die Profimannschaft heranführen“ zu wollen.

Der Verkauf von Cole Campbell würde BVB-Boss Lars Ricken in ein schlechtes Licht rücken.

Ein hausgemachtes Problem beim BVB

Die Realität nach einem Jahr unter der sportlichen Gesamtverantwortung von Ricken unter den Trainern Şahin, Mike Tullberg und Niko Kovač: Homöopathische 19 Minuten in der Bundesliga und keine sofort erkennbare Perspektive.

Dass der Verein nun eine Ablöse von deutlich mehr als fünf Millionen Euro fordern soll, zeigt, dass weiter an das Potenzial von Campbell geglaubt wird. Doch mit einem Verkauf würde der BVB einen Wert monetarisieren, den der Klub sportlich nicht zu heben vermochte.

Campbells Wechselwunsch ist die logische Konsequenz der vergangenen Saison. Der entscheidende Baustein in seiner Entwicklung sollte die U23 in der 3. Liga sein. Mit dem Abstieg der Zweitvertretung in die viertklassige Regionalliga West ist dieser Weg aber kollabiert. Für ein Talent von Campbells Format ist die vierte Liga ein sportlicher Rückschritt – den er Berichten zufolge nicht mitgehen will. Und weil es eben keine Profi-Perspektive gibt, scheint ein Abschied unausweichlich. Die Spielerseite handelt im eigenen besten Interesse.

Ein beunruhigendes Muster: Der BVB und seine Talente

Hier schließt sich der Kreis zu Lars Ricken. In seinen 14 Monaten als Geschäftsführer Sport ist es noch nicht gelungen, die wichtigste Brücke zwischen Jugend und Profis zu stabilisieren. Im Gegenteil: Sie scheint eher einsturzgefährdet. Der Fall Campbell legt ein strukturelles Problem offen, das direkt in Rickens Verantwortungsbereich fällt und weit über eine einzelne Personalie hinausgeht.

Die Causa Campbell weckt zudem unangenehme Erinnerungen an eine ganze Reihe von Talenten, die unter ähnlichen Umständen scheiterten. Kritiker sehen Parallelen zu früheren Fällen, in denen der BVB talentierte Spieler nicht zu eigenen Stars reifen lassen konnte.

Der Abgang von Abwehrtalent Nnamdi Collins zum Konkurrenten Eintracht Frankfurt passt besonders gut in dieses beunruhigende Muster. Collins hat nach dem Durchbruch bei der SGE Chancen, auf den WM-Zug aufzuspringen. In Dortmund muss man sich jeden Tag mehr über die nur 700.000 Euro Ablöse für den vielseitigen Abwehrmann ärgern.

Eigene Dortmunder Talente haben es schwer

Es entsteht der Eindruck, dass der BVB zwar exzellent darin ist, Talente zu identifizieren, im entscheidenden Übergangsbereich zum Profi aber wiederholt Schwächen offenbart. Den Durchbruch haben zuletzt fast nur die Top-Talente geschafft, die spät im Nachwuchsbereich von außen geholt wurden, etwa Jamie Gittens. Genau diesen Übergang wollte Ricken zur Chefsache machen.

Ein Verkauf von Campbell würde das ad absurdum führen und die Frage aufwerfen, ob Dortmund aus den Fehlern der Vergangenheit nicht lernen kann.

Verliert der BVB seinen Ruf als Talentschmiede?

Ein Abgang von Cole Campbell wäre für Borussia Dortmund ein schwerer Schlag, obwohl der Spieler noch Entwicklungsschritte gehen muss, um zur vollwertigen Profi-Alternative zu werden.

Es wäre nicht weniger als ein Verrat an der postulierten Philosophie und würde die Glaubwürdigkeit der sportlichen Führung empfindlich treffen. In einer Zeit, in der das Alleinstellungsmerkmal als „Ausbildungsverein“ auf dem Transfermarkt längst verloren gegangen ist, weil Klubs wie Eintracht und Stuttgart, aber auch RB Leipzig oder gar Branchenriesen wie der FC Bayern und Real Madrid aggressiv um die besten Talente werben, wäre es ein weiteres problematisches Zeichen.

Der BVB hat sich seinen Ruf als Top-Adresse für junge Spieler über Jahrzehnte hart erarbeitet. Wenn nun ein Spieler, den man vor einem Jahr noch als künftigen Star gefeiert hat, aus Mangel an Perspektive die Flucht ergreift, stellt sich eine fundamentale Frage: Verspielt Borussia Dortmund diesen Status ausgerechnet unter der Führung von Lars Ricken?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Maximilian Koch

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