Tullberg übernimmt U23

BVB-Coach polarisiert: Neuer Schattentrainer oder wegbefördert?

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Mike Tullberg hat als Interimstrainer beim BVB beeindruckt. Er bleibt dem Verein in einer neuen Funktion treu. Die Debatten dürften jedoch bleiben.

Dortmund – In Fußball-Deutschland ist am Freitag von einem Trainer-Beben die Rede: Sandro Wagner, der wohl wichtigste Co-Trainer von Julian Nagelsmann, verlässt den DFB, um selbst die Hauptverantwortung bei einem Klub zu übernehmen.

Wo es den Ex-Profi hinziehen mag, ist Gegenstand vieler Spekulationen. Bayer Leverkusen als Nachfolger von Xabi Alonso? RB Leipzig oder die TSG Hoffenheim, um sozusagen den Weg von Nagelsmann zu beschreiten? Auch bei Borussia Dortmund ist Wagner schon mehrfach gehandelt worden.

Beim BVB ist der Cheftrainer-Posten allerdings qua Vertrag bis 2026 durch Niko Kovač besetzt. Und der Kroate hat zuletzt viele Argumente gesammelt, dass dieses Arbeitspapier auch eingehalten wird.

Auch beim BVB gab es ein (kleines) Trainer-Beben

Ein kleines Trainer-Beben gab es dabei zuletzt auch in Dortmund. Für die zweite Mannschaft der Schwarzgelben wird sich Wagner aber wohl kaum ein Jahr vor der WM in Nordamerika vom DFB-Team verabschiedet haben.

Der BVB verkündete unter der Woche den Abschied von U23-Trainer Jan Zimmermann zum Saisonende. Ein paar Punkte braucht die Zweitvertretung von Dortmund noch, um den Klassenerhalt in der 3. Liga zu sichern. Dann soll Zimmermann nach knapp zweieinhalb Jahren gebührend verabschiedet werden.

Offiziell ist die Nachfolgeregelung noch nicht, ein Geheimnis aber ebenso wenig: Mike Tullberg wird aus der U19 befördert. Wobei man sich darüber streiten könnte, ob die A-Junioren nicht sogar die wichtigere Mannschaft sind als die U23.

Tullberg schärfte als Dortmunder Interimscoach sein Profil

Für Tullberg ist es eine Rückkehr auf einen Posten, den er schon 2019/20 innehatte, seinerzeit allerdings noch in der Regionalliga West und einer wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison. Anschließend wechselte der Däne zur U19, die er seither erfolgreich geführt hat. So erfolgreich, dass immer wieder Profivereine angeklopft haben.

Viel fehlte nicht erst beim Flirt mit dem SK Brann aus Norwegen im Januar, und Tullberg wäre gewechselt. Stattdessen stand der Vulkan ein paar Wochen später bei den BVB-Profis in der Bundesliga und der Champions League an der Seitenlinie, als Nuri Şahin beurlaubt wurde.

Als Interimscoach holte Tullberg gegen Werder Bremen (nach langer Unterzahl) und beim 1. FC Heidenheim insgesamt vier Punkte, zudem gelang ein Sieg gegen Schachtar Donezk in der Königsklasse. Der 39-Jährige wurde durch das Intermezzo einem viel größeren Publikum bekannt – nicht zuletzt wegen der übertriebenen Diskussion seines Jubellaufs nach dem Heidenheim-Spiel seitens der Sky-Experten Erik Meijer und Didi Hamann.

Ist Tullberg jetzt der Schattentrainer beim BVB?

Dem Profil von Tullberg hat das nicht geschadet. Ihm boten sich in den vergangenen Wochen einige spannende Optionen auch aus höheren Ligen als der dritten deutschen Spielklasse. Dass Tullberg beim BVB bleibt, wie der Klub in Kürze vermelden wird – nach einem Aus der U19 im Achtelfinale der DFB-Nachwuchsliga-Endrunde beim VfL Bochum am Samstag würde es wohl schnell gehen –, lässt sich einerseits mit der echten Identifikation erklären, die Tullberg nach fast sechs Jahren in Dortmund verspürt.

Mike Tullberg legte ein starkes Intermezzo als Interimscoach des BVB hin.

Andererseits liegt aber auch die Vermutung sehr nahe, dass der BVB dem Dänen eine gute Perspektive aufgezeigt hat. Ob das so weit geht, dass Tullberg von nun an als „Schattentrainer“ gilt, der Kovač auf die sprichwörtliche Pelle rücken könnte, wie es derzeit viele Medien formulieren, sei dahingestellt.

U19-Erfolgscoach spaltet die Meinungen in Dortmund

Dazu muss man wissen: Innerhalb des Klubs sind die Meinungen zum hochemotionalen Tullberg durchaus unterschiedlich. Als es im Winter stark nach dem Abschied Richtung Norwegen aussah, gab es einige beim BVB, die darin eine Chance sahen, den Nachwuchsbereich neu aufzustellen.

Tullberg ist ein Siegertyp, der die U19 von Dortmund zu großen Erfolgen geführt hat. Er gilt aber nicht unbedingt als der große Spieler-Entwickler. Die Durchlässigkeit für Nachwuchstalente war beim BVB zuletzt nicht immer gegeben. Das haben manche im Klub stark mit Tullberg verbunden. Diese Gruppierung dürfte es so interpretieren, dass der Trainer nun „wegbefördert“ wird, und auf eine Nachbesetzung hoffen, die den Ausbildungscharakter stärker in den Fokus rückt.

Gerade die Zeit als Interimscoach hat aber auch klar die Vorzüge der positiven Fußball-Verrücktheit von Tullberg aufgezeigt. Daher rühren die anderen Stimmen im Klub, von denen Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, im März berichtete: Die sich gut hätten vorstellen können, einen etwaigen Neuanfang ab Sommer mit Tullberg als Chefcoach der Bundesliga-Mannschaft zu wagen.

Auch der neue BVB-Vertrag von Tullberg wird ein Statement

Dieses Szenario war sicherlich nie sonderlich realistisch und erst recht nicht mehr, nachdem Kovač die Wende augenscheinlich geschafft hat. Dennoch ist bemerkenswert, dass es dem BVB ein Bedürfnis war, für Tullberg eine neue Rolle zu finden.

Als der vor einigen Monaten mitteilte, er werde „nicht der Norbert Elgert von Dortmund“ (Norbert Elgert ist als U19-Trainer des FC Schalke 04 eine echte Institution), war das eine klare Ansage an den BVB, aber auch an den Markt. Der Markt hat geantwortet, Tullberg hatte spannende Offerten. Und auch der BVB hat geantwortet, Sportchef Lars Ricken seinen Vertrauensmann gehalten.

Dortmund nimmt den designierten U23-Trainer dem Vernehmen nach gleich für drei Jahre unter den neuen Vertrag. Selbst für eine Zweitvertretung ist diese Laufzeit in der 3. Liga ein Statement.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Manuel Neuer ist schon mehrfach auf Krücken gelaufen. Der Kapitän des FC Bayern erlitt jüngst eine kuriose Verletzung – und ist damit im Profifußball nicht alleine ... © IMAGO / Revierfoto
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Nathan Ngoumou wurde nach dem Schlusspfiff des Auswärtsspiels von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli zum Auslaufen geschickt. Wenige Minuten später musste der Flügelspieler mit einer gerissenen Achillessehne in die Kabine getragen werden. © IMAGO/kolbert-press/Burghard Schreyer
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Für Manuel Neuer hatte das Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 bittere Konsequenzen. Der Torhüter des FC Bayern erlitt beim Torjubel einen Muskelfaserriss. © IMAGO/Philippe Ruiz
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Auf dem Platz konnte man Xabi Alonso wenig anhaben, dafür war die Dusche sein größter Feind. In der Vorbereitung auf das WM-Halbfinale 2010 erlitt Alonso eine tiefe Wunde im Knie, weil die Glasscheibe der Dusche plötzlich brach. Der Cut wurde in der Mannschaftskabine zugenäht, der Mittelfeldspieler stand gegen Deutschland daher auf dem Rasen. © IMAGO / Fotoarena
Charles Akonnor spielte von 1998 bis 2004 für den VfL Wolfsburg
Im Jahr 2001 rammte sich Charles Akonnor, damals für den VfL Wolfsburg tätig, versehentlich seine Auto-Antenne in die Nase. Weil das blutstillende Mittel auf der Dopingliste stand, wurde er für drei Spiele gesperrt.  © IMAGO / Contrast
Kevin Trapp spielt bis heute für Eintracht Frankfurt, war von 2015 bis 2018 aber für Paris St. Germain aktiv
Kevin Trapp galt noch als Talent, da hatte er 2013 beim Werbedreh der deutschen U21-Nationalmannschaft großes Pech. Trapp war ausgerutscht, weil er laut dem damaligen Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Stollenschuhen auf einem glatten Steinboden unterwegs war. Später einigten sich die SGE und der DFB auf eine Entschädigungszahlung. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Santiago Cañizares vom FC Valencia diskutiert mit einem Verantwortlichen
Santiago Cañizares wollte sich im Mai 2002 für ein Abendessen mit der spanischen Nationalmannschaft frisch machen, als ihm das Parfüm im Badezimmer auf den Boden fiel und eine Sehne durchtrennte. Damit war die WM in Japan und Südkorea für den Torhüter gelaufen – und ein gewisser Iker Casillas rückte zwischen die Pfosten. © IMAGO / Claus Bergmann
Darren Barnard in einem Spiel der walisischen Nationalmannschaft
Der ehemalige walisische Nationalspieler Darren Barnard musste aufgrund einer Knieverletzung für fünf Monate pausieren, weil er in der Küche in einer Urinpfütze eines Hundewelpens ausrutschte. © IMAGO / Colorsport
Martin Palermo spielte in seiner Karriere auch für die Boca Juniors
Martín Palermo verletzte sich ausgerechnet nach dem größten Erfolg eines Stürmers. Als der Argentinier in Diensten des FC Villarreal ein Tor bejubelte, stürzte die Werbebande ein. Palermo erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch. © IMAGO / Gribaudi / ImagePhoto
Logan Bailly spielte zweieinhalb Jahre für Borussia Mönchengladbach
Logan Bailly erlitt während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Mittelfußbruch. Schuld war eine mobile Klimaanlage, die beim Transport aus seinen Händen glitt und auf seinen Fuß fiel. © IMAGO / Ulmer
Adam Nemec spielte 2011 auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern
Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
Robbie Keane spielte in seiner Karriere unter anderem für Aston Villa
In der Sturmspitze war Robbie Keane treffsicher, doch auf dem heimischen Sofa stellte er sich mit seinem Fuß ungeschickter an. Als er mit diesem die TV-Fernbedienung bedienen wollte, zog sich der Ire einen Bänderriss im Knie zu. © IMAGO / Colorsport
Markus Pröll hütete bis 2010 das Tor von Eintracht Frankfurt
Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
Bjarne Thoelke spielte 2011 sechsmal für die Profis des VfL Wolfsburg
Als seine Karriere beim VfL Wolfsburg Fahrt aufnehmen sollte, spielte ein Pferd dem damaligen Abwehrtalent Bjarne Thoelke einen Streich. Der heutige Innenverteidiger des 1. FC Saarbrücken erlitt einen Kahnbeinbruch, weil ein Pferd auf dem Bauernhof seiner Eltern während der Stallarbeit austrat. © IMAGO / Joachim Sielski
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Im März 2013 musste Mainz-Trainer Thomas Tuchel für ein Spiel auf Elkin Soto verzichten, weil sich der Mittelfeldspieler bei „einer alltäglichen Bewegung“ einen Hexenschuss zuzog. Die Auflösung: Der Kolumbianer erlitt die starken Schmerzen, als er sich bückte, um seine Schuhe zu binden. © IMAGO / Martin Hoffmann
Leon Andreasen hat 2016 seine Karriere bei Hannover 96 beendet
Dass Messer gefährlich sind, lernte Leon Andreasen auf bittere Weise. Der Ex-Profi von Hannover 96 verletzte sich im November 2015 beim Öffnen eines Pakets an der Hand. Die Schnittwunde hatte eine Operation zur Folge. © IMAGO / Eibner
Daniel Bierofka wird von den Spielern von 1860 München gefeiert
Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
Éver Banega spielt bis heute Fußball und ist für die Newell‘s Old Boys aktiv
Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
Als der 1. FC Kaiserslautern am 7. September 1991 gegen den FC Bayern spielte, fehlte Stefan Kuntz (l.) plötzlich. Der damalige Stürmer knickte beim Verlassen des Mannschaftsbusses um und erlitt einen dreifachen Bänderriss.  © IMAGO/ HORSTMUELLER GmbH
Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

Kein Vergleich zur Situation mit Marco Rose und Edin Terzić

Die Wahrscheinlichkeit ist sicher groß, dass Tullberg diesen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllen wird, weil ihn höhere Weihen rufen dürften. Die Frage lautet bloß, ob das beim BVB oder andernorts sein wird.

Einen Automatismus, dass Tullberg in Dortmund aus den Schatten treten wird, gibt es nicht. Und die Situation ist auch sicher nur bedingt vergleichbar mit der Konstellation zwischen Marco Rose und Edin Terzić, der nicht drei Spiele als Interimscoach machte, sondern den bisher letzten großen Titel beim BVB holte, ehe er sich für nur ein Jahr in die zweite Reihe verabschiedete.

Ein ständiges Tuschel-Thema könnte Tullberg trotzdem bleiben – vor allem, wenn Kovač sich nicht als Langzeitlösung aufdrängen sollte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Heiko Blatterspiel

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