Beim BVB ist der Cheftrainer-Posten allerdings qua Vertrag bis 2026 durch Niko Kovač besetzt. Und der Kroate hat zuletzt viele Argumente gesammelt, dass dieses Arbeitspapier auch eingehalten wird.
Auch beim BVB gab es ein (kleines) Trainer-Beben
Ein kleines Trainer-Beben gab es dabei zuletzt auch in Dortmund. Für die zweite Mannschaft der Schwarzgelben wird sich Wagner aber wohl kaum ein Jahr vor der WM in Nordamerika vom DFB-Team verabschiedet haben.
Der BVB verkündete unter der Woche den Abschied von U23-Trainer Jan Zimmermann zum Saisonende. Ein paar Punkte braucht die Zweitvertretung von Dortmund noch, um den Klassenerhalt in der 3. Liga zu sichern. Dann soll Zimmermann nach knapp zweieinhalb Jahren gebührend verabschiedet werden.
Offiziell ist die Nachfolgeregelung noch nicht, ein Geheimnis aber ebenso wenig: Mike Tullberg wird aus der U19 befördert. Wobei man sich darüber streiten könnte, ob die A-Junioren nicht sogar die wichtigere Mannschaft sind als die U23.
Tullberg schärfte als Dortmunder Interimscoach sein Profil
Für Tullberg ist es eine Rückkehr auf einen Posten, den er schon 2019/20 innehatte, seinerzeit allerdings noch in der Regionalliga West und einer wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison. Anschließend wechselte der Däne zur U19, die er seither erfolgreich geführt hat. So erfolgreich, dass immer wieder Profivereine angeklopft haben.
Viel fehlte nicht erst beim Flirt mit dem SK Brann aus Norwegen im Januar, und Tullberg wäre gewechselt. Stattdessen stand der Vulkan ein paar Wochen später bei den BVB-Profis in der Bundesliga und der Champions League an der Seitenlinie, als Nuri Şahin beurlaubt wurde.
Dem Profil von Tullberg hat das nicht geschadet. Ihm boten sich in den vergangenen Wochen einige spannende Optionen auch aus höheren Ligen als der dritten deutschen Spielklasse. Dass Tullberg beim BVB bleibt, wie der Klub in Kürze vermelden wird – nach einem Aus der U19 im Achtelfinale der DFB-Nachwuchsliga-Endrunde beim VfL Bochum am Samstag würde es wohl schnell gehen –, lässt sich einerseits mit der echten Identifikation erklären, die Tullberg nach fast sechs Jahren in Dortmund verspürt.
Andererseits liegt aber auch die Vermutung sehr nahe, dass der BVB dem Dänen eine gute Perspektive aufgezeigt hat. Ob das so weit geht, dass Tullberg von nun an als „Schattentrainer“ gilt, der Kovač auf die sprichwörtliche Pelle rücken könnte, wie es derzeit viele Medien formulieren, sei dahingestellt.
U19-Erfolgscoach spaltet die Meinungen in Dortmund
Dazu muss man wissen: Innerhalb des Klubs sind die Meinungen zum hochemotionalen Tullberg durchaus unterschiedlich. Als es im Winter stark nach dem Abschied Richtung Norwegen aussah, gab es einige beim BVB, die darin eine Chance sahen, den Nachwuchsbereich neu aufzustellen.
Tullberg ist ein Siegertyp, der die U19 von Dortmund zu großen Erfolgen geführt hat. Er gilt aber nicht unbedingt als der große Spieler-Entwickler. Die Durchlässigkeit für Nachwuchstalente war beim BVB zuletzt nicht immer gegeben. Das haben manche im Klub stark mit Tullberg verbunden. Diese Gruppierung dürfte es so interpretieren, dass der Trainer nun „wegbefördert“ wird, und auf eine Nachbesetzung hoffen, die den Ausbildungscharakter stärker in den Fokus rückt.
Gerade die Zeit als Interimscoach hat aber auch klar die Vorzüge der positiven Fußball-Verrücktheit von Tullberg aufgezeigt. Daher rühren die anderen Stimmen im Klub, von denen Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, im März berichtete: Die sich gut hätten vorstellen können, einen etwaigen Neuanfang ab Sommer mit Tullberg als Chefcoach der Bundesliga-Mannschaft zu wagen.
Auch der neue BVB-Vertrag von Tullberg wird ein Statement
Dieses Szenario war sicherlich nie sonderlich realistisch und erst recht nicht mehr, nachdem Kovač die Wende augenscheinlich geschafft hat. Dennoch ist bemerkenswert, dass es dem BVB ein Bedürfnis war, für Tullberg eine neue Rolle zu finden.
Als der vor einigen Monaten mitteilte, er werde „nicht der Norbert Elgert von Dortmund“ (Norbert Elgert ist als U19-Trainer des FC Schalke 04 eine echte Institution), war das eine klare Ansage an den BVB, aber auch an den Markt. Der Markt hat geantwortet, Tullberg hatte spannende Offerten. Und auch der BVB hat geantwortet, Sportchef Lars Ricken seinen Vertrauensmann gehalten.
Dortmund nimmt den designierten U23-Trainer dem Vernehmen nach gleich für drei Jahre unter den neuen Vertrag. Selbst für eine Zweitvertretung ist diese Laufzeit in der 3. Liga ein Statement.
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Kein Vergleich zur Situation mit Marco Rose und Edin Terzić
Die Wahrscheinlichkeit ist sicher groß, dass Tullberg diesen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllen wird, weil ihn höhere Weihen rufen dürften. Die Frage lautet bloß, ob das beim BVB oder andernorts sein wird.
Einen Automatismus, dass Tullberg in Dortmund aus den Schatten treten wird, gibt es nicht. Und die Situation ist auch sicher nur bedingt vergleichbar mit der Konstellation zwischen Marco Rose und Edin Terzić, der nicht drei Spiele als Interimscoach machte, sondern den bisher letzten großen Titel beim BVB holte, ehe er sich für nur ein Jahr in die zweite Reihe verabschiedete.
Ein ständiges Tuschel-Thema könnte Tullberg trotzdem bleiben – vor allem, wenn Kovač sich nicht als Langzeitlösung aufdrängen sollte.