VonLars Pollmannschließen
Beim BVB soll eine turbulente Saison mit zwei Cheftrainern ein versöhnliches Ende finden. Ein Star äußert nun leise Kritik an Nuri Şahin.
Dortmund – Seinen Matchball muss Borussia Dortmund ohne Maximilian Beier verwandeln. Der Angreifer verpasst auch das Saisonfinale am Samstag gegen Holstein Kiel (15.30 Uhr) wegen einer Verletzung an der Wade.
Dem BVB reicht gegen die bereits als Absteiger feststehenden Störche jeder Sieg mit drei Toren Unterschied auf jeden Fall zum Sprung auf Platz vier, auch zwei Tore Unterschied werden mit aller Wahrscheinlichkeit ausreichen. Bei allen übrigen Ergebnissen würde die Rechnerei losgehen und der bange Blick zum Parallelspiel zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt wandern.
Dass Dortmund überhaupt in die Lage gekommen ist, die Krisen-Saison auf den allerletzten Metern noch versöhnlich abzuschließen, hätten sich noch bis vor wenigen Wochen die wenigsten Fans und Verantwortlichen träumen lassen. Doch unter Trainer Niko Kovač hat ein bemerkenswerter Aufschwung stattgefunden.
Das gilt für die Mannschaft insgesamt, aber auch für einzelne Spieler. Zum Beispiel Maximilian Beier!
Beier gelingt deutlicher Leistungssprung nach dem Trainerwechsel in Dortmund
Der EM-Teilnehmer wird seine erste Bundesliga-Saison beim BVB mit ordentlichen 14 Scorerpunkten in 29 Einsätzen beenden, wobei 17 Startelf-Nominierungen zwölf Einwechslungen gegenüberstehen. In etwa alle 114 Minuten war Beier als Schütze oder Vorlagengeber an einem Treffer beteiligt. Das ist keine überragende Quote, aber durchaus eine, auf der sich aufbauen lässt. Zumal jeder BVB-Fan weiß, dass Neuzugänge oft einen etwas längeren Anlauf brauchen.
Schon der Blick auf die Zahlen verrät derweil, wie sehr Beier vom Trainerwechsel in Dortmund profitiert hat: In zehn Bundesliga-Partien unter Kovač verzeichnete der Jungstar acht Scorerpunkte, unter Vorgänger Nuri Şahin waren es insgesamt fünf Tore und Vorlagen bei 17 Einsätzen.
Natürlich muss zu solchen Zahlen immer auch Kontext geliefert werden: Dass die Mannschaft unter Kovač stabiler ist als unter Şahin, kommt auch einzelnen Kickern zugute. Und doch kommt man nicht umhin, den Leistungssprung von Beier in sehr engem Zusammenhang mit dem Trainerwechsel zu betrachten.
Die legendäre Zettel-Aktion von BVB-Trainer Niko Kovač
Vor allem die taktische Umstellung auf eine Dreierkette hat dem Neuzugang von der TSG Hoffenheim zum Durchbruch beim BVB verholfen, wie Beier auch selbst einschätzt.
„Niko Kovač hat mir vertraut und ich habe dann endlich auf der richtigen Position gespielt. Als er vom Team wissen wollte, auf welchen Positionen man spielen möchte, habe ich nur Sturm auf den Zettel geschrieben“, so Beier bei einer Talk-Veranstaltung der Ruhr Nachrichten und von Radio 91.2.
Der Hintergrund: Kovač verteilte zu Beginn seiner BVB-Amtszeit in der Kabine Zettel, auf denen die Spieler eintragen sollten, welche Position sie aus der eigenen Sicht am liebsten und besten bekleiden können. Marcel Sabitzer etwa rückte nach dieser Aktion oftmals auf die Sechser-Position, nachdem er bis dahin meist eher zwischen den Strafräumen als Achter unterwegs war.
Beier musste zunächst auch unter Kovač oft auf dem Flügel aushelfen, wo ihn der Trainerstab wegen der hohen Arbeitsrate gegen den Ball schätzt. Doch sein spielerisches Potenzial und die große Torgefahr entwickelt Beier vor allem aus einer zentralen Position, im Zusammenspiel mit einem weiteren Angreifer.
Beier war „absoluter Wunschspieler“ von Ex-BVB-Coach Şahin
Dass sich Beier als zweite Spitze am wohlsten fühlt, ist kein Geheimnis und war auch dem BVB bei der Verpflichtung für die kolportierten 28,5 Millionen Euro Ablöse klar. Dennoch ist es Şahin nicht gelungen, den Spieler entsprechend einzubauen. Wenn Beier unter dem Ende Januar entlassenen Trainer als Stürmer auflief, dann eher notgedrungen als alleinige Spitze. Für diese Rolle fehlt es dem Angreifer aber an der Körperlichkeit im „Infight“ mit ausgebufften Innenverteidigern.
Die Worte von Beier lassen sich insofern durchaus als Spitze gegen Şahin und den ehemaligen Trainerstab verstehen, als Kritik durch die Blume.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich Şahin zu Saisonbeginn als großer Fan von Beier hingestellt hatte. „Maxi war mein absoluter Wunschspieler. Er hatte andere Angebote, die nicht so uninteressant waren, wollte aber unbedingt zu uns. Das ist ein Spieler, der uns sehr, sehr viel Qualität bringt“, sagte der ehemalige türkische Nationalspieler vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal Mitte August.
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Schwerer Start beim BVB: Şahin stellte sich immer wieder vor Beier
Die Gespräche mit Şahin sollen keine unwichtige Rolle für den Transfer von Beier nach Dortmund gespielt haben. Dass der Jungstar dann eher schwierige Monate unter dem Chefcoach erlebte, passt nicht ganz ins Bild.
Auch wenn es Şahin nicht gelungen ist, das beste aus Beier rauszuholen, muss man ihm zugutehalten, dass er sich in der schwierigen Anfangszeit wiederholt vor den Stürmer stellte. Als der 22-Jährige am 02. November gegen RB Leipzig mit einem Treffer und einer Vorlage zum Matchwinner aufstieg, nutzte Şahin die Gelegenheit, den Umgang mit Beier zu kritisieren.
„Er ist deutscher Nationalspieler, ein junger Bursche. Wie der vernichtet wurde, das war Wahnsinn“, sagte Şahin seinerzeit. Keine drei Monate später endete die unglückliche Amtszeit des Trainer-Novizen. Für Beier ging es beim BVB da gewissermaßen erst so richtig los.
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