2:2 beim FC Bayern

BVB besteht im Klassiker: Dank Lehren aus Barcelona weiter im Jäger-Modus

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Nach der Pleite in Barcelona befürchteten BVB-Fans vor dem Klassiker Schlimmes. Beim FC Bayern zeigte das Team aber ein anderes Gesicht.

München – Borussia Dortmund ist in dieser Saison wahrlich kein Serientäter. Erst zum dritten Mal ist es dem BVB am Samstagabend gelungen, ein drittes Bundesliga-Spiel am Stück ohne Niederlage über die Bühne zu bringen. Auf einen dritten Sieg am Stück muss Dortmund weiter warten.

Das zu erwarten, wäre allerdings beim Trip zum „Klassiker“ gegen den FC Bayern nach München wohl auch vermessen gewesen, trotz des 2:0-Siegs im vergangenen Jahr. Heuer reichte es zu einem 2:2 gegen den Rekordmeister. Dafür brauchte es einen starken Torhüter Gregor Kobel, etwas Glück, eine mangelhafte Chancenverwertung der Münchner. Aber auch eine klare Leistungssteigerung gegenüber dem Spiel beim FC Barcelona.

Niko Kovač korrigiert seinen Fehler in der BVB-Aufstellung

Unter der Woche waren dem BVB im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals beim spanischen Tabellenführer die Grenzen aufgezeigt worden. Das 0:4 in Katalonien beendete vorzeitig den Traum vom Halbfinale. Trainer Niko Kovač ging mit den Seinen anschließend durchaus hart ins Gericht. Seine Aufstellung für die Partie gegen Bayern deutete an, dass der Chefcoach auch bei sich selbst Verbesserungspotenziale wahrgenommen hatte.

Während in Barcelona die Umstellung auf eine Vierkette misslang und gerade die Flügelspieler am Rande der defensiven Arbeitsverweigerung wandelten, funktionierte die Dreier/Fünferkette in München über weite Strecken des Spiels deutlich besser.

BVB-Mannschaft „fühlte sich an der Ehre gepackt“

Wohlgemerkt wollte BVB-Kapitän Emre Can schon in Spanien nicht auf der Systemumstellung als Grund für die deftige Niederlage herumhacken, also sollte die Rückkehr zum Wohlfühlsystem mit drei Innenverteidigern nicht als Grund für den Teilerfolg gegen Bayern herhalten. Wichtiger war wohl, dass es diesmal keinen Zweifel an der Einstellung der Mannschaft gab.

„Es hatte heute viel mit Barcelona zu tun, wo wir in allen Bereichen unterlegen waren. Insbesondere in der Gier, in dem Viertelfinale alles reinzuhauen, um weiterzukommen. Ich glaube schon, dass die Mannschaft sich an der Ehre gepackt gefühlt hat“, urteilte Sportchef Lars Ricken in München beim TV-Sender Sky.

Dortmund mit leidenschaftlicher Leistung gegen Bayern

„Niko hat es in jeder Mannschaftssitzung gesagt: Es geht um die Basics, mit welcher Haltung wir ins Spiel gehen. Dann kommen die Ergebnisse“, so Ricken weiter. Insofern sich diese Basics und die Haltung an Statistiken ablesen lassen, stimmten sie gegen Bayern.

Der BVB holte beim FC Bayern im „Klassiker“ einen Punkt.

Dortmund gewann 55 Prozent der Zweikämpfe, leistete sich dabei übrigens nur fünf Fouls. Zudem lief der BVB zum dritten Mal in Folge deutlich mehr als sein Gegner in der Bundesliga und packte dabei auch zum dritten Mal in Folge die von vielen Trainern als „magisch“ empfundene Marke von 120 Kilometern als Team.

Anders wäre gegen den FC Bayern trotz vieler Verletzungssorgen wohl auch kein Kraut gewachsen gewesen. „Es wurde viel diskutiert, ob es ein Top-Spiel ist, wir sind als achter hier hingekommen“, stellte Ricken wohl mit einer gewissen Genugtuung fest. „Aber in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, welche Faszination das Spiel haben kann. Es ist rauf und runter gegangen, jeder hätte am Ende gewinnen können. Das war gute Samstagabendunterhaltung.“

Nächste BVB-Spiele sollen „entscheiden, was der Punkt wert ist“

Bleibt noch die Frage, was der BVB mit dem Zähler anstellen kann. Immerhin hatten zuvor am Samstag mit Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach zwei Europa-Konkurrenten von Dortmund ihre Spiele verloren, wenngleich im Fall der Fohlen gegen den SC Freiburg, also einen anderen Tabellennachbarn.

Beim BVB bemühen sie das Sprichwort, der Blick richte sich von Spiel zu Spiel. „Wir sind weiter der Jäger, der muss auf der Lauer sein“, sagte Ricken. „Wir werden mit den nächsten Spielen gegen Gladbach, Hoffenheim, Wolfsburg entscheiden, was der Punkt wert ist.“

BVB hat alle Europapokale im Visier

Ostersonntag geht es gegen Gladbach, davor noch um einen ordentlichen Abschied aus der Champions League im Rückspiel gegen Barça. „Das größte Wunder der Dortmunder Fußballgeschichte“, das Ricken als notwendig erachten würde, um das Hinspiel umzubiegen, wollte der Ex-Profi nicht beschwören.

Wenn keine sehr verrückten Dinge passieren, nimmt der BVB am Dienstagabend Abschied aus der Königsklasse. Ob er nächste Saison wieder dabei ist, da bleiben dicke Fragezeichen. Aktuell muss sich Dortmund selbst für Platz sechs und die Playoffs zur Conference League noch als treffsicherer Jäger präsentieren.

„Jeder Punkt ist wichtig. Egal wo wir europäisch spielen, es kann um sehr viele Millionen gehen“, betonte Sportchef Ricken.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Tim Rehbein/RHR-FOTO

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