„Lionel Messi war mit 17 nicht so gut“: Barça-Wunderkind Lamine Yamal
VonLars Pollmann
schließen
Der BVB steht als klarer Underdog im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Bei den Katalanen glänzt ein Wunderkind.
Barcelona – Borussia Dortmund hat als Underdog in der Champions League schon oft für Furore gesorgt. Im Viertelfinale der laufenden Saison gegen den FC Barcelona (alle TV-Infos zum Hinspiel am Mittwoch, 21 Uhr) wird die Aufgabe besonders schwer.
„Wir spielen gegen die angriffstärkste Mannschaft Europas“, blickte BVB-Trainer Niko Kovač bereits am Samstag nach dem 4:1-Auswärtssieg beim SC Freiburg voraus. 141 Treffer hat Barça in 47 Pflichtspielen unter Hansi Flick erzielt. Die Offensive der Katalanen ist wie üblich gespickt mit großen Namen.
BVB trifft auf Europas Top-Offensive
Robert Lewandowski mag mit 36 Jahren ein Altmeister sein, der Ex-Dortmunder steht dennoch bei 38 Pflichtspieltoren. Der brasilianische Nationalspieler Raphinha indes ist mit elf Treffern in der Champions League aktuell der gefährlichste Spieler und mit 16 Scorerpunkten auch in dieser Hinsicht die Nummer eins der Königsklasse.
Bei Barça sind viele Wunderkinder am Druck gescheitert
Beim FC Barcelona sind schon einige Top-Talente an dem Druck gescheitert, der mit dem größtmöglichen Vergleich im Weltfußball einhergeht. Als „neuer Lionel Messi“ wurden beispielsweise Munir El Haddadi, Alen Halilović, Bojan Krkić oder Ansu Fati bezeichnet. Auch bei den ersten Auftritten von Yamal bei den Profis von Barça fiel geradezu reflexartig der Name Messi.
Yamal scheint jedoch als erstes Wunderkind an diesem Vergleich nicht zu zerbrechen, sondern ihm standzuhalten. „Ich glaube, Lionel Messi war mit 17 Jahren nicht so gut wie Yamal. Das heißt nicht, dass er besser wird, weil die Hinterlassenschaft des Lionel Messi im europäischen Klubfußball ist uns allen bekannt“, sagt Platte.
Yamal wurde einen Tag nach dem 17. Geburtstag Europameister
Fakt ist: Messi feierte im Oktober 2004 etwas mehr als drei Monate nach dem 17. Geburtstag sein LaLiga-Debüt für den FC Barcelona. In die erweiterte Stammelf des Klubs schaffte es der Argentinier in der Saison 2006/07. Yamal wurde im vergangenen Sommer einen Tag nach seinem 17. Geburtstag Europameister mit Spanien und ist schon jetzt aus der ersten Elf von Barça nicht mehr wegzudenken.
„Messi ist damals in ein ziemlich gut funktionierendes Team gekommen, mit einem Ronaldinho in Bestform, mit Leuten, an denen du dich orientieren konntest“, betont Platte. „Es ist nicht so, dass es sie bei Barça heute gar nicht gibt, aber Yamal hat mit 16 ja auch schon ziemlich gut Fußball gespielt und es gab die Notwendigkeit, schon unter Xavi in der letzten Saison.“
Yamal war in der vergangenen Spielzeit unter Ex-Coach Xavi Hernández mehr oder minder aus dem Stand zur Stammkraft aufgestiegen, absolvierte 50 von 53 möglichen Spielen – und fehlte dabei zweimal gesperrt. In der für Barça durchaus schwierigen Saison, die ohne einen Titel zu Ende ging und Xavi letztlich den Trainerposten kostete, war die Entwicklung von Yamal ein großer Lichtblick.
Yamal beendete eine Durststrecke auf dem Flügel des FC Barcelona
Der Jungstar vereint eine außergewöhnliche Technik mit großem Ideenreichtum. Seine Außenrist-Pässe sind ebenso gefürchtet wie seine Dribblings. Zudem kann Yamal herausragende Tore schießen, insbesondere, wenn er vom rechten Flügel auf den starken linken Fuß zieht und ins lange Eck zielt. Das alles vereint Yamal mit unerwarteter Robustheit, obendrein mit gedanklich wie körperlich hohem Tempo.
Barcelona sehnte sich nach einem solchen herausragenden Individualisten auf dem Flügel, erklärt Platte. „Sie haben Leute gekauft wie Francisco Trincão, sie haben Gerard Deulofeu mal zurückgeholt, dann Malcom, den Brasilianer – sie haben verschiedene Spieler ausprobiert und letztendlich ist es der damals 16-Jährige, heute ein 17-Jähriger, aus La Masia, der ja auch bei der Europameisterschaft bewiesen hat, dass er nicht nur für Barça, sondern auch für Spanien sehr guten Fußball spielen kann.“
Barça-Juwel Yamal ist auch mit Körperlichkeit kaum beizukommen
Für Spanien hatte Yamal keine zwei Monate nach seinem 16. Geburtstag debütiert, bei der EM in Deutschland stand er in allen sieben Spielen auf dem Platz, sammelte fünf Scorerpunkte und landete im offiziellen Team des Turniers der UEFA. Dass Yamal in seinen jungen Jahren schon ein so hohes Pensum gehen kann, ist insbesondere deshalb beeindruckend, weil seine Spielweise gewisse Gefahren in sich birgt.
„Es gibt in seinem ja recht dünnen und nicht wahnsinnig muskulären Körper und vor allem in seinem Kopf keine Angst gegen Teams zu spielen, die mit der Körperlichkeit daher kommen“, staunt Platte. „Er ist viel getestet worden in dieser Saison. Es gab Leute, die es wirklich darauf angelegt haben, im klassischen Sinne mit dem Vorhaben ins Spiel zu gehen, ihn zweimal in den ersten Minuten richtig zu treten und dann mal zu gucken, wie er darauf reagiert.“
Auch in dieser Hinsicht erinnert Yamal den DAZN-Kommentator an Messi. Gegen den achtfachen Ballon-d-Or-Sieger wissen sich Gegner seit zwei Jahrzehnten oft nur mit Fouls und Provokationen zu helfen, Messi ist jedoch nie ein Spieler gewesen, der sich einschüchtern ließe.
Yamal wird für den BVB die größte Herausforderung
„Das ist schon ähnlich bei Yamal“, sagt Platte: „Er beschwert sich hier und da, aber ist keiner, der Hilfe suchend sich umblickt und geschützt werden muss. Der sorgt für sich selber. Und das ist auch etwas, was für seine Klasse spricht.“
„Er ist wirklich im Gesamtpaket etwas Außergewöhnliches“, zieht DAZN-Mann Platte ein Fazit.
Für den BVB wird es die größte Herausforderung sein, Yamal aus dem Spiel zu nehmen. Das war schon vor dem Verletzungsschock um Nico Schlotterbeck eine Herkulesaufgabe, wie auch die Erfahrung aus der Ligaphase zeigt: Da bereitete Yamal den späten Siegtreffer für Barça in Dortmund durch Ferran Torres vor.