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Die BVB-Bosse erklären unabhängig vom Saisonfinale: Ein teurer Umbruch im Sommer wird nicht stattfinden. Viele Fans dürfte die Strategie enttäuschen.
Dortmund – Borussia Dortmund hat unverhofft die große Chance, eine Krisen-Saison zu einem versöhnlichen Ende zu führen.
Mit einem deutlichen Sieg gegen den Absteiger Holstein Kiel würde sich der BVB am Samstag (15.30 Uhr) Tabellenplatz vier in der Bundesliga, die damit verbundene Teilnahme an der Champions League und den Zugang zu den prall gefüllten Fleischtöpfen der UEFA-Vermarktung sichern.
Dortmund würde die Spielzeit mit einem blauen Auge beenden, das den Blick auf die vergangenen Monate nicht verklären darf. Der BVB muss eine schonungslose Analyse betreiben, die von Sportchef Lars Ricken auch schon angekündigt wurde. Ein Ergebnis hat der Ex-Profi dabei bereits vorweggenommen: Einen Mega-Umbruch werde es „definitiv nicht geben“.
BVB will sich nur punktuell verstärken
„Man sollte nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren sehr viel Geld in den Kader investiert haben. Dass wir im Sommer 14 Abgänge hatten. So einen Umbruch kannst du nicht jedes Jahr machen“, erklärte Ricken bei einer Talk-Veranstaltung der Ruhr Nachrichten und von Radio 91.2.
Der BVB werde seinen Kader „punktuell“ verstärken, unterliege dabei „wirtschaftlichen Notwendigkeiten“. Auch die rühren teilweise noch aus dem vergangenen Jahr. „Wir haben nur durch Niclas Füllkrug Transfereinnahmen gehabt, das kannst du als Borussia Dortmund nicht machen, ohne Scheich im Rücken oder ein amerikanisches Wirtschaftsunternehmen oder irgendeinen Staat“, so Ricken.
Selbstredend wären die Gürtel noch viel enger zu schnallen, sollte der BVB seinen Matchball gegen Kiel vergeben. So oder so sind ganz große Sprünge wohl nur drin, wenn im Sommer hohe Einnahmen erzielt werden. Die Gerüchteküche brodelt dahingehend vor allem rund um Jungstar Jamie Gittens.
BVB-Budget für den Sommer schon deutlich belastet
Zuletzt gab es gar Spekulationen, Gittens habe seinen Abschied schon in der BVB-Kabine verkündet. Dem widersprach Ricken nun: „Es hat weder ein Spieler uns mitgeteilt, dass er den Verein verlassen möchte, noch haben wir es einem Spieler mitgeteilt. Alle Spieler haben laufende Verträge. Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal vorgekommen ist, dass wir am letzten Spieltag keinen Spieler verabschieden müssen.“
Tatsächlich endet nur die Zusammenarbeit mit Leihspieler Carney Chukwuemeka. Dass beim Engländer die Kaufoption im Deal mit dem FC Chelsea gezogen wird, ist inzwischen nahezu ausgeschlossen. Eine kleine Restchance bleibt, dass der Mittelfeldmann nochmal ausgeliehen werden kann.
Dem gegenüber stehen schon zwei Millionen-Transfers, die das Budget für den Sommer einschränken: Nach der Kaufpflicht bei Yan Couto hat der BVB am Mittwoch die endgültige Verpflichtung von Daniel Svensson bekanntgegeben. Zusammen muss der Klub für die beiden Außenverteidiger schon über 30 Millionen Euro Ablöse veranschlagen.
BVB macht „sicher keine fünf, sechs Top-Transfers“
Die Handlungsfähigkeit des BVB ist damit deutlich eingeschränkt. Zumal in einer Situation, in der noch nicht fest mit den großen Einnahmen aus der Champions League zu planen ist. „Ich möchte die Erwartungshaltung realistisch einordnen, was einen möglichen Kaderumbruch betrifft: Es gibt bestehende Verträge, die es zu berücksichtigen gilt. Auch müssen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beachten. Wir werden sicher keine fünf, sechs Top-Transfers machen können“, tritt deshalb auch Sebastian Kehl gegenüber dem kicker auf die Bremse.
Wie Sportchef Ricken erteilt also auch der Sportdirektor der Vorstellung eine Absage, der BVB werde auf die Krisen-Saison mit einem großen Angriff auf dem Transfermarkt reagieren.
Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn da bei vielen Fans eine gewisse Enttäuschung aufkommen sollte. Schließlich gibt es die Sorge, dass der Klub den Endspurt unter Trainer Niko Kovač überbewertet und nicht in angemessener Weise in Augenschein nimmt, warum es diesen Endspurt brauchte, um unverhofft doch noch eine Chance auf die Rettung der Saison zu haben.
„Die große Herausforderung“ für den BVB nach der Saison
„Es ist die große Herausforderung, der wir uns stellen müssen, diese unterschiedlichen Phasen angemessen aufzuarbeiten und dabei die Balance zu finden“, sagt Kehl: „Wir müssen unseren Weg finden und dürfen uns nicht treiben lassen.“
Die BVB-Fans werden den Verantwortlichen dabei genau auf die Finger schauen. Ein „Weiter so“ muss tabu sein. Und wie gerechtfertigt der Hinweis auf wirtschaftliche Zwänge wäre, wenn sich Dortmund für die Champions League qualifiziert, bei der FIFA Klub-WM im Sommer absahnt und ein oder zwei Spieler für gutes Geld verkauft, sei auch dahingestellt.
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