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Das fast logische Finale der Klub-WM der Investorenklubs Paris Saint-Germain und FC Chelsea

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Jugendliches Tempo löst in Paris den Heldenfußball von Neymar und Mbappé und in Südlondon den Tenockratenußball der Vergangenheit ab.

Frankfurt – Für Luka Modric, bald 40, war es ein demütigendes Ende seiner 13 Jahre bei Real Madrid. Eine knappe halbe Stunde lang musste die schüttere Legende noch in der sengende Hitze von New Jersey auf dem Platz aushalten, ehe die längst in ihre Einzelteile zerlegten und nach allen Regeln der Fußballkunst von Paris Saint-Germain ausgeweideten Königlichen nach der 0:4-Abreibung endlich schützenden Schatten im Kabinentrakt suchen durften.

Von „Glatze gnadenlos“ bis „Imperator“: Das sind die bekanntesten Fußball-Schiedsrichter der Welt

Pierluigi Collina bei der Europameisterschaft 2004 beim Halbfinale Griechenland gegen Tschechien im Einsatz.
Pierluigi Collina: Der Italiener ist wohl einer der berühmtesten Schiedsrichter überhaupt. Collina beendete 2005 nach 28 Dienstjahren seine Karriere als Referee, in der er unter anderem das Champions-League-Finale 1999 zwischen Bayern und Manchester United sowie das WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland gepfiffen hatte. Auf und neben dem Rasen soll er auch „Glatze gnadenlos“ genannt worden sein. © Ulmer / IMAGO
Viktor Kassai bei einem Freundschaftsspiel zwischen Belgien und Portugal.
Viktor Kassai: Der Ungar pfiff unter anderem das Champions-League-Finale 2011 zwischen dem FC Barcelona und Manchester United. Zudem leitete er zahlreiche Spiele bei WM- und EM-Turnieren. Kassai wurde 2011 zum Welt-Schiedsrichter gewählt. ©  ANP / IMAGO
Howard Webb 2014 bei einem Einsatz in der Premier League im Spiel zwischen Crystal Palace und Manchester City.
Howard Webb: Der ehemalige Star-Schiedsrichter war 25 Jahre als Unparteiischer tätig. 2010 und 2013 wurde er Weltschiedsrichter und pfiff unter anderem das Champions-League-Finale 2009 sowie das WM-Finale 2010. © Shutterstock / IMAGO
Deniz Aytekin beim Bundesliga-Duell zwischen Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund.
Deniz Aytekin: Der gebürtige Nürnberger zählt zu den bekanntesten Unparteiischen Deutschlands. Aytekin wurde bereits dreimal DFB-Schiedsrichter des Jahres. 2017 leitete er zum Beispiel das DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. © Maximilian Koch/IMAGO
Björn Kuipers 2021 beim Finale der Europameisterschaft zwischen Italien und England.
Björn Kuipers: Der Niederländer leitete unter anderem das EM-Finale 2021 zwischen Italien und England sowie das Champions-League-Endspiel 2014 zwischen Real Madrid und Atlético Madrid. © Gribaudi/ImagePhoto / IMAGO
Knut Kircher beim Bundesliga-Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern München.
Knut Kircher: Der gebürtige Tübinger pfiff beispielsweise 2008 das Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. 2012 wurde er zudem zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gewählt. © Eibner / IMAGO
Cüneyt Cakir beim Playoff-Duell zur Europa League zwischen RB Leipzig und Real Sociedad.
Cüneyt Cakir: Der türkische Schiedsrichter leitete unter anderem das Champions-League-Finale 2015 zwischen Juventus Turin und dem FC Barcelona und 2012 das Endspiel der Klub-WM in Japan zwischen Corinthians São Paulo und dem FC Chelsea. © Picture Point LE / IMAGO
Dr. Markus Merk beim Freundschaftsspiel zwischen England und Brasilien.
Markus Merk: Der in Kaiserslautern geborene Markus Merk ist dreifacher Welt-Schiedsrichter und siebenfacher DFB-Schiedsrichter des Jahres. 2003 pfiff er das Finale der Königsklasse zwischen Juventus Turin und AC Mailand sowie 2004 das EM-Finale zwischen Portugal und Griechenland. © Allstar/IMAGO
Nicola Rizzoli beim Champions-League-Viertelfinale zwischen Bayern München und Real Madrid.
Nicola Rizzoli: Der Italiener wurde in seinem Heimatland siebenmal zum Schiedsrichter des Jahres gekürt. Unter anderem pfiff er das WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Italien. © Bernd Müller / IMAGO
Felix Zwayer pfeift das Europa-League-Finale zwischen Tottenham und Manchester United.
Felix Zwayer: In Deutschland gilt der DFB- und FIFA-Schiedsrichter zu den Besten seiner Zunft. Neben zahlreichen Bundesliga-Einsätzen pfiff er unter anderem im Jahr 2024 das Halbfinale der Europameisterschaft zwischen der Niederlande und England. Dennoch haftet Zwayer ein Makel an: Das DFB-Sportgericht sperrte Zwayer einst für sechs Monate, weil er die Spielmanipulation des früheren Schiedsrichters Robert Hoyzer aus dem Jahr 2005 erst verspätet anzeigte. © Gonzales Photo/Frederikke Jensen/IMAGO
Herbert Fandel beim Viertelfinale der Europameisterschaft zwischen Spanien und Italien.
Herbert Fandel: Der gebürtige Bitburger zählt ebenfalls zu den renommiertesten Schiedsrichtern, die in und außerhalb von Deutschland je gepfiffen haben. 2004 und 2006 leitete er unter anderem jeweils das DFB-Pokalfinale sowie 2007 das Champions-League-Endspiel. © Bernd König / IMAGO
Urs Meier beim Viertelfinale der Europameisterschaft zwischen Portugal und England im Einsatz.
Urs Meier: Der Schweizer leitete unter anderem das WM-Halbfinale 2002 zwischen Südkorea und Deutschland sowie im selben Jahr das Champions-League-Endspiel zwischen Real Madrid und Bayer Leverkusen. © PICS UNITED/IMAGO
Marco Antonio Rodríguez Moreno beim WM-Halbfinale 2014 zwischen Brasilien und Deutschland.
Marco Antonio Rodríguez Moreno: Der Mexikaner pfiff unter anderem das WM-Halbfinale 2014 zwischen Brasilien und Deutschland (1:7) und trug aufgrund seiner Frisur den Spitznamen Chiquidrácula (Deutsch: Klein-Dracula).  © PICS UNITED/BOB VAN DEN CRUIJSEM/IMAGO
Felix Brych beim Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Augsburg und Union Berlin am 34. Spieltag.
Felix Brych: Der 49-Jährige beendete seine Karriere nach der Saison 2024/25 mit dem Bundesliga-Spiel zwischen Augsburg und Union Berlin. Brych leitete 359 Bundesliga-Spiele, pfiff bei WM- und EM-Turnieren und war obendrein zweimal Welt-Schiedsrichter. Mit 359 Einsätzen ist Brych Bundesliga-Rekordschiedsrichter (Stand 2. Juli, 2025). © Klaus Rainer Krieger/IMAGO
Ex-Schiedsrichter Thomas Metzen bei einem Spiel in der 2. Bundesliga zwischen Mainz 05 und dem FC St. Pauli.
Thomas Metzen: Der Deutsche wurde durch sein Doppel-Gelb 2008 berühmt. „Das war ein Fehler von mir, ich habe mich dazu hinreißen lassen“, sagte Metzen anschließend. © Alfred Harder/IMAGO
Michael Oliver beim Achtelfinale der FIFA Klub-WM zwischen Flamengo und Bayern.
Michael Oliver: Der Engländer gilt als einer der besten Schiedsrichter Europas. Seit 2012 ist er zudem FIFA-Schiedsrichter. Bei der FIFA Klub-WM pfiff Oliver unter anderem die Bayern im Achtelfinale gegen Flamengo. © Allstar Picture Library Ltd/IMAGO
Daniele Orsato beim EM-Viertelfinale 2024 zwischen England und der Schweiz in Düsseldorf.
Daniele Orsato: Der Italiener pfiff neben zahlreichen Serie-A-Spielen unter anderem das Finale der UEFA Champions League 2020 zwischen dem FC Bayern München und Paris Saint-Germain. Nach dem EM-Viertelfinale 2024 zwischen England und Schweiz beendete Orsato seine Karriere. © Pro Shots/IMAGO
Schiedsrichter Wolfgang Stark beim Bundesliga-Spiel zwischen Hannover 96 und dem VfB Stuttgart im Einsatz.
Wolfgang Stark: Neben hunderten Einsätzen in der 1. und 2. Bundesliga pfiff der Bayer zum Beispiel auch das Europa-League-Finale 2012 zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao. Während seiner aktiven Zeit soll er nach SZ-Informationen von Spielern wegen seines harten Auftretens „Imperator“ getauft worden sein. © SIPPEL / Eibner-Pressefoto
Clément Turpin beim Achtelfinale der Europa League zwischen Athletic Bilbao und AS Rom.
Clément Turpin: Der Franzose leitete unter anderem das Finale der UEFA Champions League 2021/2022 zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool sowie das EM-Eröffnungsspiel 2024 zwischen Deutschland und Schottland. © Ricardo Larreina/IMAGO
Antonio Miguel Mateu Lahoz beim WM-Viertelfinale 2022 zwischen den Niederlanden und Argentinien.
Antonio Miguel Mateu Lahoz: Der Spanier pfiff unter anderem das Champions-League-Finale 2021 zwischen Manchester City und dem FC Chelsea sowie das WM-Viertelfinale 2022 zwischen den Niederlanden und Argentinien, in dem er 15 Mal die Gelbe Karte zückte (Rekord). 2023 beendete Lahoz seine aktive Karriere. © Frank Hoermann/SVEN SIMON/IMAGO
Manuel Gräfe bei einem Bundesligaspiel in Düsseldorf gegen Ingolstadt.
Manuel Gräfe: Der in West-Berlin geborene Gräfe ist einer der bekanntesten deutschen Unparteiischen. 2013 pfiff er das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Stuttgart. Zuletzt war er unter anderem als Schiedsrichter-Experte für das ZDF bei der EM 2024 im Einsatz. Gräfe verklagte den DFB, weil er seine Bundesligakarriere mit 47 Jahren nach 289 Einsätzen wegen der vom Verband festgelegten Altersbeschränkung beenden musste. Das Landgericht Frankfurt gab Gräfe Recht: Wegen festgestellter Altersdiskriminierung wurden ihm 48.500 Euro Entschädigung zugesprochen. © Michael Kolvenbach / IMAGO
Damir Skomina beim Champions-League-Finale 2019 zwischen den Tottenham Hotspur und dem FC Liverpool.
Damir Skomina: Zwei seiner Karriere-Höhepunkte erlebte der Slowene 2017 bei der Leitung des Europa-League-Finals zwischen Ajax Amsterdam und Manchester United sowie 2019 mit dem Champions-League-Endspiel zwischen den Tottenham Hotspur und dem FC Liverpool.  © BPI/Shutterstock/IMAGO
Kim Milton Nielsen 2005 beim Champions-League-Qualifikationsduell zwischen Werder Bremen und dem FC Basel.
Kim Milton Nielsen: Der Däne zählte zu den weltbesten FIFA-Schiedsrichtern. Die EM 1996 war Nielsens erstes großes Turnier. Bis zur EM 2004 verpasste er kein einziges UEFA- und FIFA-Turnier. 2005 folgte sein Karriereende. © Garcia / IMAGO
Pedro Proença beim Gruppenphasen-Duell 2014 zwischen Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona.
Pedro Proença: Der Portugiese war der erste Schiedsrichter, der 2012 im selben Jahr sowohl das Finale der Königsklasse zwischen Spanien und Italien als auch der Europameisterschaft zwischen dem FC Bayern und FC Chelsea leitete. © Pro Shots / Stanley Gontha / IMAGO
Patrick Ittrich beim Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und 1. FC Heidenheim.
Patrick Ittrich: Neben etlichen Bundesliga-Spielen, Partien in der Qualifikation zur Champions League sowie in der Europa League ist Ittrich zweimal als Lebensretter bekannt geworden. 2011 leistete er gemeinsam mit den Assistenten Holger Hentschel und Frank Willenborg Erste Hilfe, als sich Hauptschiedsrichter Babak Rafati vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Köln und Mainz das Leben nehmen wollte. 2024 rettete er Josuha Guilavogui beim Spiel Bayern gegen Mainz, in dem der Franzose seine Zunge verschluckte. Ittrich zog diese heraus und brachte Guilavogui in die stabile Seitenlage. © Malte Ossowski/Sven Simon/IMAGO

Man kann diese Klub-Weltmeisterschaft aus Gianni Infantinos von Saudi-Arabien unterwanderter Fifa in Donald Trumps Amerika aus guten Gründen bescheuert finden, auch angesichts der astronomischen dreistelligen Millionensummen, die die Finalteilnehmer binnen vier Wochen kassieren. Ein paar sportliche Hinweise gibt das Turnier dennoch. Im Endspiel am Sonntag stand den Königsklassen-Gewinnern aus Paris der FC Chelsea gegenüber.

Füllhorn statt Fußballromantik

Klar, beide Klubs wären in der globalen Fußballhierarchie vermutlich bloß bessere Stadtteilvereine, wenn nicht in Südlondon die US-amerikanische Clearlake Capital Group ein paar Milliarden Pfund locker gemacht hätte, um erst den Russen Abramowitsch von dessen Mehrheitsanteilen zu befreien und sodann fett in den opulenten 46-Mann-Kader zu investieren. Und wenn nicht im Westen von Paris schon vor anderthalb Jahrzehnten das steinreiche Emirat Katar eingestiegen wäre und Kapital aus einem reichhaltigen Füllhorn verteilt hätte, als gäbe es kein Morgen mehr.

Der Ami Todd Boehly musste erst kapieren, dass es einen Unterschied zwischen Masse und Klasse gibt. Seither hat man beim FC Chelsea sehr genau darauf geachtet, junge, entwicklungsfähige Leute zu holen und dem zuvor zu einem furchtbaren Technokratenfußball verkommenen Spielstil mehr Tempo zu inhalieren. Chelseas brasilianischer Matchwinner João Pedro, 23, gerade erst für 64 Millionen aus Brighton verpflichtet, passt in dieses Muster. Trotz des verdammt hohen Ablösepreises verheißt der Angreifer auch am dynamischen Transfermarkt Perspektive.

Bradley Barcola rauscht an Raul Asencio vorbei.

Finalteilnehmer passend zum Turnier

Investorenklubs wie Chelsea und Paris, die somit passkonform die Finalteilnehmer des Investorenturniers Klub-WM bilden, dürfen aufgrund der gestrengeren Uefa-Regeln für finanzielle Nachhaltigkeit („Financial Sustainability Regulations“) nicht mehr einfach Geld zum Fenster rauswerfen, das sie im Spielbetrieb nicht auf halbwegs ehrliche Art und Weise verdient haben.

In Paris hat das unter anderem dazu geführt, dass der teuer erkaufte Heldenfußball von nachlässig verteidigenden Leuten wie Neymar und Kylian Mbappé inzwischen durch einen neuen Pragmatismus abgelöst wurde. Jetzt leitet mit harter Hand und weitem Blick der Spanier Luis Enrique ein Kollektiv an, das in einer beeindruckend seriösen Lässigkeit Siege am Fließband produziert.

Paris und Chelsea gehören zu den jüngsten Top-Teams in Europa. In Deutschland sind allen voran Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart ähnlich ausgerichtet. Jung und schnell, nur halt mit ein bisschen weniger Geld.

Rubriklistenbild: © Al Bello/AFP/peter-juelich.com

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