Eintracht beim FC Bayern: Was macht Toppmöller mit Uzun?
VonChristopher Michel
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Can Uzun hat im Spiel gegen Holstein Kiel seine Marke gesetzt. Wird das große Talent von Eintracht Frankfurt im Top-Duell gegen den FC Bayern starten?
Frankfurt – Mario Götze und Can Uzun haben den Beobachtern von Eintracht Frankfurt am vergangenen Sonntagabend gegen Holstein Kiel (3:1) große Freude bereitet. Lässt Trainer Dino Toppmöller das Mittelfeld-Duo auch beim Spitzenspiel in München gegen den FC Bayern auf dem Feld?
Eintracht-Trainer Toppmöller steckt in einer Zwickmühle
Vor allem die starke Performance von Uzun bringt den Coach in eine Zwickmühle. Wird der 19-Jährige – zumindest für diese Begegnung – zum Härtefall? Der nach dem Spiel gegen Kiel sichtlich zufriedene Torschütze und Vorlagengeber Uzun sagte einen Schlüsselsatz: „Das Spiel war gut für mich, weil wir viel Ballbesitz hatten.“ Zwar stand faktisch am Ende 51 Prozent Ballbesitz auf der Statistiktafel. Der Auftritt der Hessen ließ sich insgesamt als dominant bezeichnen.
Davon ist beim Duell in München nicht auszugehen. Der Spitzenreiter hat im Schnitt rund 70 Prozent Ballbesitz. Die Eintracht muss sich daher auf Phasen einstellen, in denen die Disziplinen Laufbereitschaft, Kompaktheit, Verschieben der Ketten und tiefe Blockverteidigung gefragt sind. Man muss also „leiden können“, wie Trainer zuvor gerne betonen. Ob Uzuns Qualitäten in Sachen Abschluss, Spielgestaltung und Passschärfe in einer solchen Partie zur Geltung kommen?
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Oder ist das große Talent inzwischen schon an dem Punkt angekommen, an dem Toppmöller kaum noch auf ihn verzichten kann? Uzun lässt alle 112 Bundesliga-Minuten das Netz zappeln – besser war da nur Eintracht-Rekordabgang Omar Marmoush (alle 96 Minuten erfolgreich). Der Deutsch-Türke ist nach dem Weggang von Marmoush (hatte 15 Treffer/zu Manchester City) hinter Hugo Ekitiké (trifft alle 133 Minuten/zwölf Tore) mit vier Treffern der zweitbeste Torschütze im Kader der Hessen. Uzun kann zudem beim ruhenden Ball helfen.
Gegen den FC Bayern muss Eintracht Frankfurt wohl auf Konter setzen
In München wird jedoch das Konterspiel mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schlüssel zum Erfolg sein. Denkbar wäre deshalb auch eine Systemumstellung für eine Partie. Die Eintracht hat sich mit einer Mischform aus Dreier- und Fünferkette zwar stabilisiert. Doch kein anderes Team der Liga versucht so stark über die Außenbahn (Michael Olise, Serge Gnabry, Leroy Sané oder Kingsley Coman) zum Erfolg zu kommen. Daran wird auch ein drohender Ausfall von Harry Kane nichts ändern.
Toppmöller könnte mit einem 4-4-2-System antworten und die brandgefährlichen Flügel doppeln. Diese Maßnahme führte schon im Pokalfinale 2018 zum Erfolg. Der damalige Trainer Niko Kovač überraschte die Münchner, nahm damit Franck Ribéry und Arjen Robben aus dem Spiel und setzte auf das Tempo von Ante Rebic. Der Rest ist Geschichte.
Sollte Toppmöller mit diesen Gedanken spielen, wäre für Uzun zunächst wohl kein Platz in der ersten Elf. Je nach Spielverlauf wäre in diesem Duell die Joker-Rolle möglicherweise gewinnbringender. Uzun blüht vor allem dann auf, wenn er das Leder oft am Fuß hat und dieses verteilen kann. Davon ist in der Allianz-Arena wohl weniger auszugehen. Zur Einordnung ein Blick auf die vergangenen drei Jahre:
Ballbesitzstatistik der Eintracht bei Duellen in München
2023/24: 32 Prozent 2022/23: 33 Prozent 2021/22: 27 Prozent
Natürlich hat sich das Anspruchsdenken beim Tabellendritten der Bundesliga verändert. Unter Toppmöller gab es im Spiel mit Ball am Fuß eine Weiterentwicklung. Dennoch steht das Team mit einer durchschnittlichen Quote von 49,38 Prozent nur auf Rang neun der Liga. Die Eintracht lebt weiterhin von Umschaltmomenten, mit denen man rasant das Mittelfeld überbrückt. Daran ändert auch der Wechsel von Marmoush, der Mann des Tages beim 3:3-Spektakel in der Hinserie war, nichts.
Tempo mit Wahi oder Knauff? Oder braucht die Eintracht Uzun?
Dieser Tempo-Aspekt wird in München auch ohne den Ägypter sehr wichtig. Ist Winter-Neuzugang Elye Wahi so weit, um starten und Dayot Upamecano und Minjae Kim ärgern zu können? Setzt Toppmöller wieder auf die Doppelspitze Ekitiké und Ansgar Knauff? Dieser Plan ging bereits im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (2:0) auf. Oder findet er eine Möglichkeit, Uzun auch in einem Duell mit wenig Ballbesitz einzubauen? Die Überlegungen zeigen: Der Eintracht-Kader bietet enorm viele Möglichkeiten.