SGE will Platz 6 verteidigen

Europapokal im Blick: Eintracht Frankfurt geht mit Rückenwind in Saisonendspurt

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Eintracht Frankfurt holt sich durch den Sieg gegen den FC Augsburg Selbstvertrauen für die restlichen Spiele, nach denen der Einzug in die Europa League stehen soll.

Frankfurt – Es ist nicht überliefert, ob Jens Grahl vielleicht mal als Sprinter aktiv war. Der inzwischen auch schon 35-Jährige ist im Brotberuf Fußballspieler, da wird man fürstlich entlohnt, weit besser als ein Sprinter, selbst als zweiter Torwart, der er ist bei der Eintracht aus Frankfurt. Aber wenn es nichts geworden wäre mit der lukrativen Karriere als professioneller Ballfänger, dann hätte er womöglich auch als Leichtathlet eine Zukunft haben können.

Denn: Am Freitagabend zeigte Jens Grahl außergewöhnliche Fähigkeiten im läuferischen Bereich, gleich zweimal zu bestaunen: Erst spurtete er los zur Eckfahne, als der vorschnell schon als Problemfall abgestempelte Hugo Ekitiké den erlösenden Treffer zum 2:1 gegen den FC Augsburg erzielt und damit das Stadion angezündet hatte, und dann, beim 3:1, als Omar Marmoush in der allerletzten Minute in bester Mijat-Gacinovic-Manier das entscheidende Tor erzielt hatte. Marmoush spurtete auf dem Spielfeld dem leeren Kasten entgegen, schon bevor er die Kugel ins Netz schob, breitete er die Arme zum Jubeln aus, und an der Seitenlinie wetzte der Ersatzkeeper hinterher; als der Ball dann im verwaisten Tor einschlug, bog Grahl auf den Platz ab, um den Kollegen nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Jens Grahl, eigentlich Randfigur, zweimal Erster beim Jubeln. Schöne Sache.

Die pure Erleichterung: Trainer Dino Toppmöller jubelt mit Omar Marmoush.

Sieg gegen Augsburg: Eintracht Frankfurt sammelt Selbstvertrauen für Saisonendspurt

Aber es sagt auch etwas aus über diese Mannschaft, der, wie, Kevin Trapp, der Nummer eins zwischen den Stangen, bereits unter der Woche anmerkte, beileibe nicht egal sei, wie die bislang so schwer zu greifende und irgendwie bleierne Saison verlaufe. „Die Mannschaft lebt“, sagte Trapp nach dem jüngsten Erfolg. Das ist so. „Die Erleichterung ist groß“, bedeutete Sportvorstand Markus Krösche. Kein Wunder. Rund um den Klub herrschte eine schwer zu kanalisierende Unruhe, die Ergebnisse und vor allem der Spielstil passten so gar nicht zu den Ansprüchen des Vereins.

Der Erfolg gegen den FC Augsburg war gewiss ein eminent wichtiger, nicht nur wegen des schweren Restprogramms im Kampf um Europa gegen drei Spitzenteams (Bayern, Leverkusen, Leipzig, dazu Borussia Mönchengladbach), sondern auch wegen der Atmosphäre im und um den Klub herum. „Wenn man die Umstände sieht und was in den letzten Wochen los war, war das kein Endspiel, aber doch ein sehr wichtiges Spiel, gerade was die Stimmung angeht“, sagte Kapitän Kevin Trapp.

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Eintracht Frankfurt geht mit Rückenwind in den Endspurt

Trapp erleichtert: „Sieg war wichtig für das Selbtsvertrauen“

Dem Torwart war die Befreiung geradezu anzusehen, er feierte die Tore und den Sieg völlig losgelöst, so, als habe es sich nicht um ein schnödes 3:1 gegen einen Bundesliga-Mittelständler gehandelt, sondern um ein Pokalfinale. Klar, der Saarländer Trapp ist Eintrachtler durch und durch, er ist mit 263 Bundesliga-Einsätzen für die Eintracht in die Top Ten des Klubs eingezogen und identifiziert sich ganz anders mit dem Verein als andere Spieler.

Trotzdem, und das spürte auch die Leitfigur: Dieser Erfolg könnte den entscheidenden Rückenwind im Endspurt geben, in dem es gerade um Standfestigkeit und Behauptungswillen geht. Und um den Glauben. „Dieser Sieg war auch wichtig fürs Selbstvertrauen“, stellte der 33-Jährige fest.

Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT

Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club.
Tor: Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club. © IMAGO / Ulmer
Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.
Abwehr: Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.  © IMAGO / Kicker/Liedel
Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga.
Abwehr: Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga. ©  IMAGO / Ferdi Hartung
Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler.
Abwehr: Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler. © IMAGO / Pressefoto Baumann
Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup.
Mittelfeld: Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup. ©  IMAGO / Werner Otto
Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.
Mittelfeld: Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal.
Mittelfeld: Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal. © IMAGO / Laci Perenyi
Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister.
Mittelfeld: Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister. © IMAGO / Claus Bergmann
Tony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.
Angriff: Anthony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt.
Angriff: Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt. © IMAGO / WEREK
Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger.
Angriff: Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger. ©  IMAGO / Kicker/Eissner, Liedel
Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal.
Trainer: Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal. © IMAGO / Horstmüller

Eintracht Frankfurt: „Nur ein Schritt in die richtige Richtung“

Niemand hat den Erfolg freilich überbewertet, was auch ziemlich daneben wäre. Diese Mannschaft gleicht noch immer einer Wundertüte, seriös ist sie kaum zu bewerten. Niemand kann sagen, was als nächstes kommt oder ob tatsächlich ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde. Immer ist alles möglich – in beide Richtungen irgendwie. „Wir können uns nicht zurücklehnen,“ sagte Cheftrainer Dino Toppmöller. „Es war nur ein Schritt in die richtige Richtung.“

Um die richtige Einordnung des Spiels war auch Eintracht-Chef Axel Hellmann gelegen. Der Vorstandssprecher tritt eigentlich selten in Erscheinung, um sportliche Themen macht er ohnehin einen Bogen – außer er hat das Gefühl, dass da etwas grundsätzlich im Argen liegt oder sich bestimmte Muster wiederholen. In diesem Fall störte sich der mächtige Vorstand gerade am Auftritt im ersten Durchgang, in dem es die Mannschaft zum wiederholten Male nicht geschafft hatte, die vollmundigen Ankündigungen (Emotionalität, Leidenschaft, Intensität) auf den Platz zu bringen.

Das hatte sogar sehr vernehmbare Unmutsbekundungen von den Rängen zur Folge, nach gut einer halben Stunde wurde so gut wie jeder Fehlpass mit einem kleinen Pfeifkonzert kommentiert. Ist man in Frankfurt nicht mehr gewohnt, und so mancher Spieler, etwa Kapitän Kevin Trapp, fand es auch irritierend. „Ich weiß nicht, wo die Pfiffe herkamen. Es ist für mich nur schwer nachvollziehbar.“

Hugo Ekitiké und die Eintracht holten im Kampf um den sechsten Platz einen wichtigen Sieg.

SGE-Vorstandssprecher Hellmann sendet klare Botschaft

Sie haben, ganz klar, etwas mit der Spielweise zu tun, die in dieser Saison weit weniger brachial und draufgängerisch ist als in den Jahren zuvor. Wie es auch gehen kann, sah man dann in der zweiten Halbzeit, als die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigte, bedingungsloser und couragierter auftrat, mehr Zweikämpfe führte und es eben mehr wollte. Und so den Funken auf die Ränge zu den Fans transportierte, die von dort dann ein wahres Feuer zündeten. Das ist genau die Wechselwirkung, die es in Frankfurt braucht, um erfolgreich zu sein und Dinge zu schaffen, die man normalerweise nicht schafft. Es ist dieses besondere Flair, das die Eintracht immer so stark gemacht hat.

Sieht auch Axel Hellmann so, „Man sieht, wie leicht es ist, unser Stadion zu erwecken. Es ist nicht schwer, dafür zu sorgen, dass das Stadion aus dem Sattel kommt – wenn wir die Intensität in Zweikämpfen, in Eins-gegen-Eins-Situationen, in Tiefenläufe oder Doppelpässen auf den Platz bringen“, sagt der erfahrene Funktionär und fordert unmissverständlich: „Das muss der Mannschaft endlich mal von Anfang an gelingen und nicht erst in der zweiten Halbzeit.“ Worte, die er bewusst gewählt hat, die er gezielt anbringen wollte.

Das ist ein eindringlicher Appell und eine klare Botschaft. Die Adressaten sind nicht schwer auszumachen: Chefcoach Dino Toppmöller und die Spieler selbst.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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