VonDaniel Michelschließen
Der FC Bayern gerät finanziell ins Hintertreffen gegenüber europäischen Top-Klubs. Doch ist Fußball-Europa ein faires Spielfeld? Michels Meinung.
München – Der FC Bayern tut sich auf dem Transfermarkt schwer. Einige Hindernisse sind hausgemacht, aber über ein externes Problem wird in Fußball-Deutschland ganz selten gesprochen.
Es sollte aber deutlich benannt werden: Der FC Bayern wird von mehreren europäischen Top-Klubs betrogen.
FC Barcelona ist extrem verschuldet
Der FC Barcelona hat zum Beispiel rund eine Milliarde Euro Schulden. Jeden Sommer ist es unsicher, ob die Katalanen Spieler verpflichten können. Aber durch das geschickte Tricksen und Verkaufen von Vermögenswerten scheint Barca bei der spanischen Liga und beim europäischen Fußballverband bislang gut durchzukommen.
So treibt Barça weiter sein Unwesen auf dem Transfermarkt und hebt die Preise für Ablösen und Spielergehälter an, was die Münchner direkt zu spüren bekommen.
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FC Bayern gab Kampf um Williams auf
Zuletzt gab der FC Bayern zum Beispiel das Werben um Flügelstürmer Nico Williams auf, denn Barça hatte im Grunde schon verkündet, den Europameister von Athletic Bilbao zu verpflichten. Doch der Transfer kam mutmaßlich aus finanziellen Gründen nicht zustande.
Williams entschied sich für einen Verbleib in Bilbao. Hätte sich das klamme Barça nicht eingemischt, wäre Williams wohl beim FC Bayern gelandet. Nun hat Williams in seinem Vertrag eine um 30 Millionen höhere Ablöse festgeschrieben, es sind 90 Millionen Euro. Die Frage bleibt offen: Wann droht Barça eigentlich mal der Zwangsabstieg aus LaLiga?
ManCity schnappte FC Bayern Top-Stars wie Haaland weg
Manchester City wiederum hat dem FC Bayern schon mehrfach die besten Spieler der Welt ganz knapp weggeschnappt. Allen voran den Weltfußballer Rodri und den Top-Stürmer Erling Haaland.
Nun weiß aber jeder Fußball-Experte, was in Manchester City geschieht. Der Klub wird von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, gelenkt. Mit Abu Dhabi freundschaftlich verbundene Firmen schließen extrem hohe Sponsorenverträge mit Manchester City ab. Durch das hohe Volumen darf der Klub dann auch kräftig auf dem Transfermarkt investieren und hat den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Die Premier League und die UEFA versuchen wegen solcher und ähnlicher Methoden, Manchester City schon seit Jahren hart zu bestrafen. Es gelingt aber nicht. Fairerweise muss man sagen, dass bislang das Vorgehen von Manchester City formal als legal gilt. Vor allem ist es extrem schwer nachzuweisen, wann ein Sponsorenvertrag überbewertet bzw. überbezahlt ist. In Ordnung ist das Vorgehen aber trotzdem nicht.
PSG wird von Katar unterstützt
Ein weiterer europäischer Top-Klub wird ebenfalls von einem reichen Staat unterstützt: Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain ist eng mit Katar verbunden. Was bei PSG neben zweifelhaften Sponsorenverträgen noch mehr stört: BeIN Sports ist ein TV-Sender aus Katar und einer der größten Sponsoren der UEFA und der Champions League.
Der Staat Katar hat also viele Türen in Richtung Fußball-Europa geöffnet. Wer gegen PSG vorgeht, riskiert womöglich auch den Absprung des größten UEFA-Geldgebers. Das darf man natürlich nur mutmaßen.
FC Chelsea ist dem FC Bayern schon länger ein Dorn im Auge
Der FC Chelsea war wiederum schon vor 20 Jahren dem FC Bayern ein Dorn im Auge. Denn die Londoner waren einer der ersten Klubs, die einen Oligarchen und seine Millionen als Klubchef akzeptierten.
Mittlerweile hat Chelsea den Besitzer gewechselt, die amerikanische Clearlake Capital Group steckt frische Millionen in die Blues. Vor zwei Jahren wurde sich noch darüber lustig gemacht, wie der Klub hunderte von Millionen Euro verprasste und nicht mal im Europacup spielte.
Nun hat Chelsea aber Ernst gemacht und die Conference League und Klub-WM gewonnen. Chelsea geht als Mitfavorit auf den Premier-League-Titel in die neue Saison.
Ungewöhnliche Langzeitverträge beim FC Chelsea
Zwei besondere Auffälligkeiten bei Chelsea: Sie haben deutlich über 30 Spieler im Kader und verleihen und verkaufen die Profis oftmals ohne Struktur. Kritiker sprechen vom „modernen Menschenhandel“.
Und: Neuerdings auffällig sind ungewöhnliche sechs- und sieben Jahresverträge für neue Stars, um wahrscheinlich die Ablösesummen in den Bilanzen zu strecken und keinen Ärger mit der UEFA zu bekommen. Auch hier gilt: alles legal, aber trotzdem miese Tricks.
Der FC Bayern kann auch deshalb im Werben um die großen Stars des Fußballs kaum mehr mithalten. Europäische Top-Klubs bewegen sich in einer juristischen Grauzone und versuchen mit vielen Tricks, die Regeln auf Biegen und Brechen zu umgehen.
Zwar wurde das Financial Fairplay nochmals gestrafft. Das Motto lautet eigentlich, jeder Klub darf nur eine gewisse Summe seiner Einnahmen für Spielergehälter und Ablösen ausgeben, aber es ist immer noch ein Papiertiger.
Wann kämpft FC Bayern dagegen an?
Die Frage ist nur, warum der FC Bayern aber auch andere Klubs in Deutschland, sich nicht mit aller Vehemenz gegen diese miesen Tricks wehren. Letztendlich ist nämlich Fußball-Deutschland insgesamt der Leidtragende.
Und für Michels Meinung ist es letztendlich Betrug. Denn die besten Trainer, Manager und Spieler gehen in andere Länder, weil sie dort mehr Geld verdienen, dadurch wiederum eine höhere Wettbewerbsfähigkeit entsteht und eine größere Chance auf den Gewinn von Titeln.
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