Karriereende? Manuel Neuer mehr denn je Führungsspieler bei Bayern
VonPeter Grad
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Viel wird aktuell über das möglicherweise anstehende Karriereende des fünffachen Welttorhüters Manuel Neuer spekuliert. Dieser zeigt seine Klasse auf bemerkenswerte Weise.
München – Manuel Neuer schafft gerade etwas, was im Profi-Fußball, im Profi-Sport allgemein, sehr selten ist: Der 39-Jährige bereitet seinen eigenen Abgang beim FC Bayern vor, ohne dabei verbittert zu wirken und zu klagen. Die Einstellung des Weltmeisters von 2014 verdient größten Respekt.
FCB-Sportdirektor Christoph Freund schwärmt in diesem Kontext von Neuer als Lehrmeister für Jonas Urbig, er bezeichnet die Konstellation sogar als „perfekte Situation“. Der Österreicher beschreibt eine Situation, die im Profi-Fußball eine große Ausnahme darstellt: Ein vielfacher Welttorhüter, den viele Experten und Fans sogar als den Torwart-GOAT bejubeln, der seinem designierten Nachfolger nicht nur Spielzeit gewährt, sondern ihn aktiv fördert und begleitet.
Perfekte Situation für Neuer-Nachfolger Urbig
Nicht viele Profis würden in Neuers Position so wie der Kapitän des FC Bayern agieren und reagieren. Die meisten würden an seiner Stelle eher auf die Hierarchie pochen, als dem Nachfolger und aktuellen Konkurrenten Einsatzzeiten zu gewähren. Neuer dagegen unterstützt Urbig, tauscht sich mit ihm aus und gibt weiter, was er im Laufe seiner Weltklassekarriere gelernt hat. Das ist nicht selbstverständlich, sondern zeugt von Größe, von Verantwortungsbewusstsein eines absoluten Führungsspielers.
Der 22-jährige Urbig könnte aktuell keine bessere Situation vorfinden. Er ist vor einem Jahr als Keeper der deutschen U21-Nationalmannschaft, der beim Zweitligisten 1. FC Köln hinter dem soliden Marvin Schwäbe auf die Herausforderer-Position gerutscht war, an die Säbener Straße gewechselt. Sehr schnell konnte er sich dort aufgrund einer Wadenverletzung Neuers mit imponierenden Leistungen als sein potenzieller Nachfolger empfehlen.
Dass er nun von Neuer persönlich geformt wird, verschafft dem Torwart-Youngster einen Entwicklungsvorteil, den kein Torwarttrainer in der gesamten Fußball-Welt bieten könnte. Neuer hat einen Erfahrungsschatz, Dinge auf höchstem Niveau erlebt und gemeistert, die in keinem Lehrbuch für Keeper stehen.
Selbst knüpft Neuer, der Ende März 40 Jahre alt wird, seine mögliche Vertragsverlängerung an seinen eigenen Fitness-Zustand. Nach einem Muskelfaserriss, den er eine Woche vor der Winterpause im Bundesliga-Spiel gegen Mainz 05 (2:2) erlitten hatte, soll er pünktlich zum Pflichtspielauftakt gegen Wolfsburg zurückkehren. Sportdirektor Freund verspricht, dass in Sachen Vertragsverlängerung kein Druck ausgeübt wird. Eine Entscheidung ist wohl erst nach Neuers Geburtstag zu erwarten.
Der FC Bayern hat aus Fehlern gelernt
Auch den Verantwortlichen des Rekordmeisters kann man für den Umgang mit der Vereinslegende nur gratulieren. Dabei hat man wohl auch aus den Fehlern, die man vor einem Jahr bei der Behandlung von Thomas Müller begangen hat, gelernt. Klub-Ikonen wie Müller und Neuer verdienen höchsten Respekt.
Speziell der Torwart-GOAT hat dem FC Bayern große Titel gewonnen, die ohne ihn wesentlich komplizierter gewesen wären. Dass er nun in der Endphase seiner Karriere nicht klammert, sondern offensichtlich auch loslassen kann, demonstriert seine Größe, seine Souveränität als Führungsspieler: Diese umfasst nicht nur Weltklasseleistungen auf dem Spielfeld, sondern auch die Übernahme von Verantwortung für Mannschaft und Verein.