VonChristopher Michelschließen
Eintracht Frankfurts zweites Team hat einen klassischen Fehlstart in die neue Spielzeit hingelegt. Dennoch gerät niemand in Panik.
Frankfurt - Am vergangenen Freitag hatte Eintracht Frankfurt auf seinen sozialen Kanälen dazu aufgerufen, die zweite Mannschaft im Duell gegen den FC Homburg lautstark zu unterstützen. Es kam zum Krisenduell gegen den ebenfalls schwach gestarteten FC Homburg. Am Ende half allerdings jeglicher Support der rund 900 Zuschauer nichts. Der junge und hochtalentierte, aber verständlicherweise noch unausgereifte Eintracht-Schlussmann Nils Ramming griff beim Siegtreffer durch Marc Ristl daneben.
Eintracht U21 belegt den letzten Tabellenplatz
Mit nur einem Punkt aus fünf Partien in der Fußball-Regionalliga belegen die Frankfurter den letzten Tabellenplatz. In Panik gerät in der Führungsriege rund um Sportdirektor Timmo Hardung, NLZ-Leiter Alexander Richter und Kaderplaner Nino Berndorth deshalb aber noch nicht. Ihnen war bewusst, dass die Abgänge schmerzen würden. Noel Futkeu zeigt in der zweiten Liga bei Greuther Fürth seine Qualitäten, Nacho Ferri in Belgien, Elias Baum bei der SV Elversberg und Sidney Raebiger in Braunschweig.
Mit Nnamdi Collins hat sich zudem ein starker Innenverteidiger in der ersten Mannschaft festgespielt, Dario Gebuhr sammelte erste Minuten in der 3. Liga bei Hansa Rostock. Der Slogan bei der U21 der Eintracht lautet aber nicht, diese Akteure zu ersetzen, sondern die vorhandenen „Juwelen“ neu auszubilden. Junior Awusi Boddien (18), Noah Fenyö (18), Anas Alaoui (18), Paul Wünsch (19) oder Kaan Inanoglu (19) sammeln aktuell ihre ersten Erfahrungen im Herrenfußball. Alessandro Gaul Souza wurde zuletzt mit 17 Jahren, einem Monat und sieben Tagen zum jüngsten Spieler seit der Einführung der Regionalliga Südwest zur Saison 2012/13.
Panikeinkäufe sind in der letzten Transferwoche nicht geplant
Beobachter des Klubs, die die Mannschaft eng begleiten und bei vielen Partien vor Ort sind, machen sich derweil Sorgen. Sie stellen sich die Frage, ob die Eintracht-Führung die Lage möglicherweise unterschätzt und dabei zusieht, wie das Team sehenden Auges abstürzt. Sie bemängeln die Transferpolitik, würden sich den Kauf externer Kräfte wünschen. Die Frankfurter Führungsriege hingegen setzt auf den Ausbildungs- und Entwicklungsgedanken der Eigengewächse.
Bei den Hessen klopfen sie sich deshalb aber nicht auf die Schulter. Sie sprechen intern die Fehler deutlich an, ärgern sich sehr über den verkorksten Saisonstart. Bei allen Entwicklungsgedanken soll ein Abstieg in die fünftklassige Hessenliga unbedingt vermieden werden. Panikkäufe in der letzten Woche der Transferperiode wird es deshalb allerdings nicht geben. Sollte noch ein Spieler dazustoßen, dann muss es inhaltlich passen.
Talente und Trainer Schmitt müssen sich noch finden
Die Talente sammeln in dieser Phase wichtige Erfahrungen. Je höher es geht, desto dünner ist die Luft. Im Profibereich gilt es, Durststrecken zu überwinden, sich dagegenzustemmen und eine gewisse Siegermentalität zu entwickeln. Waren die Jungadler in ihren jeweiligen U-Mannschaften oftmals eher oben dabei und an Siege gewöhnt, so lernen sie nun auch die Kehrseite der Medaille kennen.
Daran gilt es zu wachsen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Hier ist der neue Coach Dennis Schmitt gefordert. Er hat ein schweres Erbe von Kristijan Glibo übernommen. Der Ex-Coach hatte hervorragende Arbeit am Riederwald geleistet. Von Schmitt sind die Verantwortlichen trotz des Fehlstarts auch weiterhin überzeugt. Der 31-Jährige erhält im September Verstärkung von Makoto Hasebe, der dem Team mit seiner Ruhe und Erfahrung Hilfe geben kann.
Vrancic ist als Führungsspieler gefordert - was macht Lisztes?
Gefordert ist in diesem Zusammen auch Mario Vrancic. Der 35-Jährige sollte noch eine Schippe draufpacken, er ist im Zentrum bisher nicht die erhoffte Stütze. Doch der gewaltige und gewollte Umbruch, den es im Optimalfall jedes Jahr geben soll, ist auch für Vrancic eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Und sollte Krisztian Lisztes auch nach dem 30. August nicht verliehen worden sein, ist es durchaus möglich, dass er Spielpraxis in der U21 sammelt.
Der für vier Millionen Euro verpflichtete Offensivmann zeigt die nötige Bereitschaft, diesen Weg bei seiner Ausbildung zu gehen. Die Grundidee von Sportvorstand Markus Krösche lautet zwar weiterhin, ihn in eine stärkere Liga zu verleihen. Sollte Lisztes allerdings bleiben, wäre es sinnvoll, ihm Minuten zu geben und Spielpraxis sammeln zu lassen. Kurzfristig gilt es nun, schnellstmöglich den ersten Sieg einzufahren. Die nächste Chance dafür besteht am kommenden Samstag beim Tabellennachbarn in Villingen.
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