Heftiger Konkurrenzkampf

Konkurrenzkampf pur! Eintracht-Trainer hat Luxusprobleme

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Die Truppe von Eintracht Frankfurt hat eine nie dagewesene Breite. Trainer Dino Toppmöller verfügt über eine breite Palette an Möglichkeiten.

Frankfurt – Am Mittwochvormittag hat Eintracht Frankfurt die erste von zwei Trainingseinheiten vor den Augen der anwesenden Journalisten durchgeführt. Sehr aktiv am Coachen war Dino Toppmöller. „Da muss mehr Feuer rein, Männer“, forderte er bei Temperaturen rund um die Zwei-Grad-Marke mehrfach lautstark von seinem Team. Das Tempo wurde nach einem lockeren Aufgalopp immer höher.

Eintracht-Trainer Dino Toppmöller hat einen großen Kader

Bei herrlichem Sonnenschein im Schatten des Waldstadions stand das schnelle Umschaltspiel nach Ballverlust im Zentrum, es wurde stets der direkte Weg zum Tor eingefordert. Abschlüsse wurden permanent gesucht, die Abwehrreihen und Torhüter ständig gestresst. Der Konkurrenzkampf ist enorm. fussball.news nennt vor dem Duell beim FC Bayern München (Sonntag/17.30 Uhr) die „Luxusprobleme“, die der Eintracht-Trainer hat.

1.) Welches Duo bildet die Doppelsechs?

Hugo Larsson ist nicht erst nach seinem dritten Saisontor gesetzt. Der 20-Jährige ist als „Box-to-Box-Spieler“ im fitten Zustand kaum noch aus der ersten Elf wegzudenken. Doch wer komplettiert neben ihm das defensive Mittelfeld? Ellyes Skhiri verpasste das Duell gegen Holstein Kiel (3:1), nachdem er in Gladbach (1:1) einen Schlag abbekommen hatte. Der Tunesier konnte bislang nur dosiert üben, bis zum Duell in München sollte es allerdings reichen.

So viel Eintracht steckt in Frankfurt: Die besten Spots und Momente in Bildern

Ein berühmtes Zeichen gegen Rassismus in Niederrad – und Würdigung eines der größten Vereinsidole der 1990er, Anthony Yeboah.
Ein berühmtes Zeichen gegen Rassismus in Niederrad – und Würdigung eines der größten Vereinsidole der 1990er, Anthony Yeboah. © Boris Roessler/dpa
Der ehemalige ghanaische Nationalspieler bestritt zwischen 1991 und 1996 insgesamt 156 Spiele für die Eintracht. Am Frankfurter Willy-Brandt-Platz ist Yeboah Teil der „Säulen der Eintracht“, die wichtige Vereinslegenden am Gleis der U-Bahn-Station zeigt.
Der ehemalige ghanaische Nationalspieler bestritt zwischen 1991 und 1996 insgesamt 156 Spiele für die Eintracht. Am Frankfurter Willy-Brandt-Platz ist Yeboah Teil der „Säulen der Eintracht“, die wichtige Vereinslegenden am Gleis der U-Bahn-Station zeigt. © Nicolas Armer/dpa
Auch mit dabei: Bernd Holzenbein, Fußball-Weltmeister von 1974, spielte von 1967 bis 1981 bei Eintracht Frankfurt. Die Vereinsikone starb im April 2024.
Auch mit dabei: Bernd Holzenbein, Fußball-Weltmeister von 1974, spielte von 1967 bis 1981 bei Eintracht Frankfurt. Die Vereinsikone starb im April 2024. © Imago
„Ich bin stolz und glücklich, dass mich die Fans nicht vergessen haben“, sagte Bum Kun Cha bei der Einweihung der Säulen 2013.
„Ich bin stolz und glücklich, dass mich die Fans nicht vergessen haben“, sagte Bum Kun Cha bei der Einweihung der Säulen 2013. © Imago
Der frühere Abwehrchef Uwe Bindewald kam 2013 auch persönlich, um sich die „Säulen der Eintracht“ anzusehen. Neben Bindewald, Hölzenbein, Cha und Yeboah sind Bruno Pezzey, Charly Körbel, Jürgen Grabowski, Uwe Bein, Jay-Jay Okocha, Alexander Schur sowie Trainer Jörg Berger zu sehen.
Der frühere Abwehrchef Uwe Bindewald kam 2013 auch persönlich, um sich die „Säulen der Eintracht“ anzusehen. Neben Bindewald, Hölzenbein, Cha und Yeboah sind Bruno Pezzey, Charly Körbel, Jürgen Grabowski, Uwe Bein, Jay-Jay Okocha, Alexander Schur sowie Trainer Jörg Berger zu sehen. © Nicolas Armer/dpa
Trainer Berger coachte die SGE 1999 zum Klassenerhalt. 5:1 gewannen die Adler am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern. Stürmer Jan-Aage Fjörtoft, Schütze des fünften Tores, sagte später: Berger hätte sogar die Titanic gerettet.
Trainer Berger coachte die SGE 1999 zum Klassenerhalt. 5:1 gewannen die Adler am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern. Stürmer Jan-Aage Fjörtoft, Schütze des fünften Tores, sagte später: „Berger hätte sogar die Titanic gerettet.“ © Imago
Fjörtoft ist heute TV-Experte im norwegischen Fernsehen und besucht gerne Heimspiele der Eintracht.
Fjörtoft ist heute TV-Experte im norwegischen Fernsehen und besucht gerne Heimspiele der Eintracht. © Max Maiwald/Imago
Die Fans haben ihn auch nicht vergessen.
Die Fans haben ihn auch nicht vergessen. © Imago
Aus einem Aprilscherz heraus gründete sich in Frankfurt 2007 eine echte Initiative zur Umbenennung des Walther-von-Cronberg-Platzes in „Jan-Aage-Fjörtoft-Platz“.
Aus einem Aprilscherz heraus gründete sich in Frankfurt 2007 eine echte Initiative zur Umbenennung des Walther-von-Cronberg-Platzes in „Jan-Aage-Fjörtoft-Platz“. © Imago
Die 1990er und 2000er-Jahre blieben für Eintracht Frankfurt titellos und sind mit Ab- und Aufstiegen verbunden. Trotzdem haben es einige Spieler aus dieser Zeit zum Legendenstatus geschafft.
Die 1990er und 2000er-Jahre blieben für Eintracht Frankfurt titellos und sind mit Ab- und Aufstiegen verbunden. Trotzdem haben es einige Spieler aus dieser Zeit zum Legendenstatus geschafft. © Fredrik Von Erichsen/dpa
Torwart Oka Nikolov spielte schon in der U19 für Eintracht Frankfurt – und stand anschließend von 1993 bis 2013 bei den Profis unter Vertrag.
Torwart Oka Nikolov spielte schon in der U19 für Eintracht Frankfurt – und stand anschließend von 1993 bis 2013 bei den Profis unter Vertrag. © Arne Dedert/dpa
Zum Abschied gab‘s eine eigene Choreo für Oka Nikolov.
Zum Abschied gab‘s eine eigene Choreo für Oka Nikolov. © Fredrik Von Erichsen/dpa
Mit spektakulären Choreografien kennen sich die Fans von Eintracht Frankfurt schließlich aus.
Mit spektakulären Choreografien kennen sich die Fans von Eintracht Frankfurt schließlich aus. © IMAGO/Heiko Becker
Und sowieso ist natürlich das Waldstadion der wichtigste Eintracht-Spot in Frankfurt.
Und sowieso ist natürlich das Waldstadion der wichtigste Eintracht-Spot in Frankfurt. © IMAGO/Marcus Hirnschal
Für den WM-Standort Frankfurt 2006 komplett neu gebaut, steht der Deutsche Bank Park an der gleichen Stelle, wie früher das Waldstadion.
Für den WM-Standort Frankfurt 2006 komplett neu gebaut, steht der Deutsche Bank Park an der gleichen Stelle, wie früher das Waldstadion. © Ulrich Hufnagel/Imago
Seitdem wird in der neuen Arena gejubelt und gelitten. Nach turbulenten Zeiten um den Jahrtausendwechsel erlebten die Fans seit 2005 nur noch ein Jahr in der 2. Bundesliga.
Seitdem wird in der neuen Arena gejubelt und gelitten. Nach turbulenten Zeiten um den Jahrtausendwechsel erlebten die Fans seit 2005 nur noch ein Jahr in der 2. Bundesliga. © IMAGO/Revierfoto
Rund um den Deutsche Bank Park ist Eintracht Frankfurt natürlich omnipräsent.
Rund um den Deutsche Bank Park ist Eintracht Frankfurt natürlich omnipräsent. © IMAGO/wolfgang cezanne
Die Bahn-Unterführungen hin zum Stadion lassen keine Fragen offen, wer hier regiert.
Die Bahn-Unterführungen hin zum Stadion lassen keine Fragen offen, wer hier regiert. © Christof Mattes/Imago
Seit dem DFB-Pokalsieg 2018 erstrahlt dieses Graffito am Fanhaus Louisa in Frankfurt.
Seit dem DFB-Pokalsieg 2018 erstrahlt dieses Graffito am Fanhaus Louisa in Frankfurt. © IMAGO/ingo kutsche
Mit 3:1 besiegte Eintracht Frankfurt damals den FC Bayern München im Berliner Olympiastadion. Auf dem Römer wurde anschließend kräftig gefeiert.
Mit 3:1 besiegte Eintracht Frankfurt damals den FC Bayern München im Berliner Olympiastadion. Auf dem Römer wurde anschließend kräftig gefeiert. © Andreas Arnold/dpa
So auch vier Jahre später, als die Eintracht die Europa League nach Frankfurt holte.
So auch vier Jahre später, als die Eintracht die Europa League nach Frankfurt holte. © IMAGO/Florian Ulrich
Im spanischen Sevilla setzte sich die SGE 2022 im Elfmeterschießen gegen die Glasgow Rangers durch.
Im spanischen Sevilla setzte sich die SGE 2022 im Elfmeterschießen gegen die Glasgow Rangers durch. © IMAGO/Adam Davy
Die VGF präsentierte daraufhin auch stolz Pokalsiege von Eintracht Frankfurt auf einer Straßenbahn.
Die VGF präsentierte daraufhin auch stolz Pokalsiege von Eintracht Frankfurt auf einer Straßenbahn. © Peter Hartenfelser/dpa
2024 feierte Eintracht Frankfurt zwar keinen Titel, dafür aber seinen 125. Geburtstag.
2024 feierte Eintracht Frankfurt zwar keinen Titel, dafür aber seinen 125. Geburtstag. © Boris Roessler/dpa
Mit mehreren Motiven wurde der Frankfurter Römer angetrahlt.
Mit mehreren Motiven wurde der Frankfurter Römer angetrahlt. © IMAGO/Florian Gaul
Gegründet wurde Eintracht Frankfurt am 8. März 1899.
Gegründet wurde Eintracht Frankfurt am 8. März 1899. © IMAGO/Florian Gaul
Seit 2021 hat Eintracht Frankfurt sogar ein eigenes Straßenschild. Die Adresse lautet nun: Im Herzen von Europa.
Seit 2021 hat Eintracht Frankfurt sogar ein eigenes Straßenschild. Die Adresse lautet nun: Im Herzen von Europa. © Joaquim Ferreira/Imago
Auch beim Frankfurter Fastnachtszug darf die Eintracht natürlich nicht fehlen.
Auch beim Frankfurter Fastnachtszug darf die Eintracht natürlich nicht fehlen. © Helmut Fricke/dpa
2013 trug sogar der T-Rex vorm Senckenberg-Museum in Frankfurt Eintracht-Trikot.
2013 trug sogar der T-Rex vorm Senckenberg-Museum in Frankfurt Eintracht-Trikot. © Daniel Reinhardt/dpa

Oscar Höjlund ersetzte Skhiri sehr ordentlich gegen Kiel. Allerdings kämpfte der Däne schon früh in der Partie mit Schmerzen am operierten Fuß. Die gute Nachricht ist, dass er keine strukturelle Verletzung davongetragen hat. Höjlund machte die ersten Übungen auf dem Trainingsplatz noch mit, zog sich erst dann zurück. Sollten er und Skhiri bis Sonntag fit werden, muss Toppmöller eine schwierige Entscheidung treffen. Setzt er auf Unbekümmertheit und Dynamik von Höjlund? Oder auf Laufstärke und Erfahrung von Skhiri? Es ist ein enges Rennen.

2.) Müssen Götze oder Uzun weichen?

Eine weitere Härtefall-Entscheidung droht! Can Uzun wird Woche für Woche stärker und war gegen Kiel mit Assist und Tor Schlüsselspieler. Dennoch stellt sich die Frage, ob in München andere Qualitäten gefragt sind. Braucht Toppmöller für Kontersituationen Tempo und Tiefgang? Oder kann er auf den spielerisch und technisch beschlagenen Deutsch-Türken, der aktuell zweitbester Torschütze im Kader ist, nicht verzichten?

Oder bleibt Uzun als die spielstarke Komponente auf dem Feld und Mario Götze wandert auf die Bank? Der Weltmeister befindet sich ebenfalls in Gala-Verfassung, allerdings geht ihm im Gegensatz zu seinem jungen Kollegen die Torgefahr ab. Toppmöller wird auf seinen Bauch hören müssen.

3.) Drängt der Millionenneuzugang in die erste Elf?

Elye Wahi befindet sich weiterhin im Integrationsprozess. Die Abläufe klappen zwar schon besser, wenngleich er bei der Trainingseinheit noch nicht die erhoffte Treffsicherheit hatte. Dass er Tempo und Wucht mitbringt, haben die beiden Kurzeinsätze jedoch schon gezeigt.

Ist der Franzose somit auch ein Mann für die Startelf? Aktuell hat Toppmöller den Luxus, ihn noch von der Bank bringen zu können. Doch mit Wahi und Last-Minute-Neuzugang Michy Batshuayi kann der Eintracht-Coach jederzeit Dynamik und Statik eines Spiels verändern. Die Sturmreihe bietet ein breites Spektrum an Fähigkeiten.

4.) Auch in der Abwehr geht es eng zu

Die kometenhaften Entwicklungen von Nathaniel Brown und Nnamdi Collins haben der Eintracht im Herbst Neuzugänge beschert, mit denen so nicht zu rechnen war. Die beiden U21-Nationalspieler sind aus dem Nichts durchgestartet und haben sich seitdem festgebissen.

Vor allem bei Collins stellt sich die Frage: Bleibt er Stammspieler, wenn Robin Koch nach Schulterverletzung zurückkehrt? Auf die beiden Mentalitätsmonster Arthur Theate oder Rasmus Kristensen will Toppmöller nicht verzichten. Muss am Ende sogar Tuta weichen? Der Brasilianer hat sich schnell wieder stabilisiert und gegen Kiel stark agiert. Vor Torhüter Kevin Trapp tobt somit ebenfalls der Konkurrenzkampf.

5.) „Mister unterschätzt“ kann schnell wieder wichtig werden

Ansgar Knauff zählt nicht zu den Profis, der bei jedem Fan automatisch in der Wunschelf auftaucht. Dabei ist der Europa-Held für Toppmöller ein ganz wichtiger Akteur. Seine Wichtigkeit für das Team wird von Außenstehenden oftmals unterschätzt. Knauff hat zwar technische Mängel.

Doch er bringt einen enormen Ehrgeiz, viel Tempo, ein gutes Gespür für gefährliche Situationen, Teamgeist und hohe taktische Disziplin mit. Knauff war beim Training sehr auffällig und eiskalt im Abschluss. Es wäre keine große Überraschung, wenn er beim FC Bayern plötzlich neben Hugo Ekitiké stürmt.

Der Eintracht-Kader jedenfalls ist auf vielen Positionen sehr gut besetzt. Möglicherweise drängen in Zukunft auch Hinterbänkler wie Jean-Matteo Bahoya, Aurèle Amenda, Farés Chaibi, Niels Nkounkou und Junior Dina Ebimbe nach vorne. Toppmöller kann Woche für Woche aus dem Vollen schöpfen und kommt auch dann nicht in Not, wenn zwei oder drei Leistungsträger ausfallen. Ausruhen verboten lautet das Motto in der Mainmetropole.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jürgen Kessler

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