Konkurrenzkampf pur! Eintracht-Trainer hat Luxusprobleme
VonChristopher Michel
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Die Truppe von Eintracht Frankfurt hat eine nie dagewesene Breite. Trainer Dino Toppmöller verfügt über eine breite Palette an Möglichkeiten.
Frankfurt – Am Mittwochvormittag hat Eintracht Frankfurt die erste von zwei Trainingseinheiten vor den Augen der anwesenden Journalisten durchgeführt. Sehr aktiv am Coachen war Dino Toppmöller. „Da muss mehr Feuer rein, Männer“, forderte er bei Temperaturen rund um die Zwei-Grad-Marke mehrfach lautstark von seinem Team. Das Tempo wurde nach einem lockeren Aufgalopp immer höher.
Bei herrlichem Sonnenschein im Schatten des Waldstadions stand das schnelle Umschaltspiel nach Ballverlust im Zentrum, es wurde stets der direkte Weg zum Tor eingefordert. Abschlüsse wurden permanent gesucht, die Abwehrreihen und Torhüter ständig gestresst. Der Konkurrenzkampf ist enorm. fussball.news nennt vor dem Duell beim FC Bayern München (Sonntag/17.30 Uhr) die „Luxusprobleme“, die der Eintracht-Trainer hat.
1.) Welches Duo bildet die Doppelsechs?
Hugo Larsson ist nicht erst nach seinem dritten Saisontor gesetzt. Der 20-Jährige ist als „Box-to-Box-Spieler“ im fitten Zustand kaum noch aus der ersten Elf wegzudenken. Doch wer komplettiert neben ihm das defensive Mittelfeld? Ellyes Skhiri verpasste das Duell gegen Holstein Kiel (3:1), nachdem er in Gladbach (1:1) einen Schlag abbekommen hatte. Der Tunesier konnte bislang nur dosiert üben, bis zum Duell in München sollte es allerdings reichen.
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Oscar Höjlund ersetzte Skhiri sehr ordentlich gegen Kiel. Allerdings kämpfte der Däne schon früh in der Partie mit Schmerzen am operierten Fuß. Die gute Nachricht ist, dass er keine strukturelle Verletzung davongetragen hat. Höjlund machte die ersten Übungen auf dem Trainingsplatz noch mit, zog sich erst dann zurück. Sollten er und Skhiri bis Sonntag fit werden, muss Toppmöller eine schwierige Entscheidung treffen. Setzt er auf Unbekümmertheit und Dynamik von Höjlund? Oder auf Laufstärke und Erfahrung von Skhiri? Es ist ein enges Rennen.
2.) Müssen Götze oder Uzun weichen?
Eine weitere Härtefall-Entscheidung droht! Can Uzun wird Woche für Woche stärker und war gegen Kiel mit Assist und Tor Schlüsselspieler. Dennoch stellt sich die Frage, ob in München andere Qualitäten gefragt sind. Braucht Toppmöller für Kontersituationen Tempo und Tiefgang? Oder kann er auf den spielerisch und technisch beschlagenen Deutsch-Türken, der aktuell zweitbester Torschütze im Kader ist, nicht verzichten?
Oder bleibt Uzun als die spielstarke Komponente auf dem Feld und Mario Götze wandert auf die Bank? Der Weltmeister befindet sich ebenfalls in Gala-Verfassung, allerdings geht ihm im Gegensatz zu seinem jungen Kollegen die Torgefahr ab. Toppmöller wird auf seinen Bauch hören müssen.
3.) Drängt der Millionenneuzugang in die erste Elf?
Elye Wahi befindet sich weiterhin im Integrationsprozess. Die Abläufe klappen zwar schon besser, wenngleich er bei der Trainingseinheit noch nicht die erhoffte Treffsicherheit hatte. Dass er Tempo und Wucht mitbringt, haben die beiden Kurzeinsätze jedoch schon gezeigt.
Ist der Franzose somit auch ein Mann für die Startelf? Aktuell hat Toppmöller den Luxus, ihn noch von der Bank bringen zu können. Doch mit Wahi und Last-Minute-Neuzugang Michy Batshuayi kann der Eintracht-Coach jederzeit Dynamik und Statik eines Spiels verändern. Die Sturmreihe bietet ein breites Spektrum an Fähigkeiten.
4.) Auch in der Abwehr geht es eng zu
Die kometenhaften Entwicklungen von Nathaniel Brown und Nnamdi Collins haben der Eintracht im Herbst Neuzugänge beschert, mit denen so nicht zu rechnen war. Die beiden U21-Nationalspieler sind aus dem Nichts durchgestartet und haben sich seitdem festgebissen.
Vor allem bei Collins stellt sich die Frage: Bleibt er Stammspieler, wenn Robin Koch nach Schulterverletzung zurückkehrt? Auf die beiden Mentalitätsmonster Arthur Theate oder Rasmus Kristensen will Toppmöller nicht verzichten. Muss am Ende sogar Tuta weichen? Der Brasilianer hat sich schnell wieder stabilisiert und gegen Kiel stark agiert. Vor Torhüter Kevin Trapp tobt somit ebenfalls der Konkurrenzkampf.
5.) „Mister unterschätzt“ kann schnell wieder wichtig werden
Ansgar Knauff zählt nicht zu den Profis, der bei jedem Fan automatisch in der Wunschelf auftaucht. Dabei ist der Europa-Held für Toppmöller ein ganz wichtiger Akteur. Seine Wichtigkeit für das Team wird von Außenstehenden oftmals unterschätzt. Knauff hat zwar technische Mängel.
Der Eintracht-Kader jedenfalls ist auf vielen Positionen sehr gut besetzt. Möglicherweise drängen in Zukunft auch Hinterbänkler wie Jean-Matteo Bahoya, Aurèle Amenda, Farés Chaibi, Niels Nkounkou und Junior Dina Ebimbe nach vorne. Toppmöller kann Woche für Woche aus dem Vollen schöpfen und kommt auch dann nicht in Not, wenn zwei oder drei Leistungsträger ausfallen. Ausruhen verboten lautet das Motto in der Mainmetropole.