Kampf für mehr Nachhaltigkeit

Laura Dahlmeier im Exklusiv-Interview: Biathlon-Legende sorgt sich um ihren Sport

  • schließen

Laura Dahlmeier liegen die Themen Ernährung und Nachhaltigkeit im Wintersport am Herzen. Die Biathlon-Legende spricht im Interview über die großen Themen unserer Zeit.

München – Laura Dahlmeier bleibt auch nach ihrem Karriereende dem Biathlon-Sport verbunden. Für das ZDF ist die Garmisch-Partenkirchenerin in dieser Wintersport-Saison wieder als TV-Expertin im Einsatz. Ihr Lebensmittelpunkt ist der Biathlon aber schon lange nicht mehr, wie Dahlmeier im Interview mit IPPEN.MEDIA verrät: „Ich bin froh, dass es jetzt so ist, wie es ist und dass ich jetzt dieses selbstbestimmtere Leben leben darf.“

Vor über vier Jahren beendete Dahlmeier im Alter von nur 25 Jahren ihre aktive Karriere. Im Gepäck unter anderem zwei Goldmedaillen bei Olympia, sieben WM-Titel und ein Gesamtweltcupsieg. Heute ist Dahlmeier neben ihrem Job als Expertin vornehmlich als Bergsteigerin auf den Gipfeln dieser Welt unterwegs. In einer selbst verfassten Schlagzeile dürften gerne die Worte „Willensstärke, Bergleidenschaft, Bodenständigkeit oder Energiebündel” vorkommen.

Laura Dahlmeier
Geboren:22. August 1993 (Alter: 30 Jahre), Garmisch-Partenkirchen
Disziplin:Biathlon
Größte Erfolge:2x Olympia-Gold, 7x WM-Gold, 20 Weltcup-Siege
Karriereende:2019

Laura Dahlmeier im Interview: Biathlon-Legende kämpft gegen Lebensmittelverschwendung

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im Leben von Laura Dahlmeier ebenfalls eine große Rolle – und zwar über den Wintersport hinaus. Gemeinsam mit „Hello Fresh“ engagiert sie sich gegen Lebensmittelverschwendung und ruft zu einem bewussteren Umgang auf. Denn laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wirft jede Person in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 78 Kilogramm Lebensmittel weg.

Um das Problem für uns und unsere Umwelt zu verdeutlichen, versuchte Dahlmeier, einen Wagen mit 78 Kilo Lebensmitteln auf einen Berg in ihrer Heimat Garmisch-Partenkirchen hinaufzuziehen. Wie diese Herausforderung ausgegangen ist, verrät Dahlmeier unter anderem im Interview mit unserer Redaktion.

Frau Dahlmeier, Sie haben bereits vor über vier Jahren im Alter von nur 25 Jahren Ihre Biathlon-Karriere beendet. Wie ist es Ihnen in dieser Zeit ergangen?
Laura Dahlmeier: Mir ist es sehr gut ergangen. Ich habe aus freier Entscheidung meine Karriere beendet. Ich war einfach sowohl mental als auch körperlich nicht mehr ganz so bereit, wirklich jeden Tag 100 Prozent zu geben. Und ich glaube, das braucht es einfach, um im Leistungssport erfolgreich zu sein. Ich habe alle Ziele erreichen dürfen, die ich mir jemals erträumt habe. Es war die perfekte Zeit. Ich blicke sehr gerne zurück, aber es war die richtige Entscheidung, mit 25 aufzuhören. Seitdem genieße ich ein super schönes, sehr freies Leben.
Fühlen Sie sich seitdem zufriedener und glücklicher?
Ich habe mich damals nicht unzufrieden und unglücklich gefühlt. Aber es ist natürlich ein sehr streng getaktetes Leben als Leistungssportlerin. Es ist unheimlich schön, aber es verlangt natürlich auch extrem viel ab. Ich bin froh, dass es jetzt so ist, wie es ist und dass ich jetzt dieses selbstbestimmtere Leben leben darf.
In der Retrospektive betrachtet, gibt es etwas, was Sie jetzt anders machen würden? 
Es war eine ziemlich coole Karriere. Es gibt natürlich immer ‘Ups and Downs’, und einzelne Tage, an denen es mal nicht so läuft, es gibt Rennen, wo sicherlich nicht alles zusammenpasst. Auch ich habe nicht immer alles richtig gemacht, das ist, glaube ich, ganz normal. Und das ist auch wichtig, denn ich glaube nur durch die Fehler kann man lernen. Nur durch den Weg, den ich gegangen bin, bin ich jetzt da, wo ich heute stehe. Jeder einzelne Punkt war wichtig, auch wenn es natürlich schmerzhaft war, Fehler zu machen. Im Biathlon erst recht, so eine Strafrunde ist lang und anstrengend (lacht). Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich es genauso wieder machen.

Laura Dahlmeier im Interview: „Biathlon mal Biathlon sein lassen“

Wie sehr sind Sie noch dem Biathlon-Sport verbunden? Zuletzt waren Sie auf der Loipe mit Maren Hammerschmidt.
Klar, Biathlon ist jetzt nicht mehr mein Lebensmittelpunkt wie es zur aktiven Leistungssportzeit war. Aber ich werde dem Biathlon-Sport immer auf eine gewisse Art und Weise verbunden sein. Es ist jetzt ein bisschen wellenförmiger, würde ich es mal bezeichnen. Im Winter bin ich natürlich voll drin, gerade als Expertin für das ZDF. Natürlich interessiert es mich, was die Athleten und Teams machen. Man spricht mit unterschiedlichen Leuten, ich darf meine Expertise im Fernsehen weitergeben und die Rennen analysieren. Dann tauche ich wieder richtig in die Biathlon-Welt ein. Es gibt aber auch andere Phasen im Jahr, da interessiere ich mich ehrlich gesagt nicht so sehr dafür. Im Sommer, wenn ich beim Bergsteigen bin, da zählt das Hier und Jetzt am Berg. Ich weiß, wie anstrengend es im Sommer ist, wenn die Athleten sich wieder vorbereiten müssen. Aber da lese ich nicht jeden Instagram-Post und lasse Biathlon mal Biathlon sein. Ich finde es ganz gut, dass es sich so die Waage hält.
Nach zuletzt weniger erfolgreichen Jahren zeigt der Trend im deutschen Biathlon wieder leicht nach oben. Was ist das größte Biathlon-Talent, das wir in Deutschland bei den Frauen und Männern aktuell haben? Wem trauen Sie zu, die neue Laura Dahlmeier zu werden?
Es muss keiner die neue Laura Dahlmeier werden. Es gibt immer erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen zur jeweiligen Zeit. Es muss keine neue Magdalena Neuner, es muss keinen neuen Ole Einar Björndalen geben oder auch keine neue Laura Dahlmeier. Das Wichtigste ist, dass jeder Athlet das Beste aus sich selbst herausholt. Damit meine ich nicht nur Talent, das kriegt man mit oder nicht, das ist auch ein Stück weit begrenzt. Dass ich sagen kann, durch mein Training und das ganze Drumherum, was ich beeinflussen kann, hole ich das Maximum aus meiner Leistung heraus. Das ist das Spannende. Ich finde es unheimlich schön zu sehen, wie die Deutschen als Team funktionieren. Am Wochenende in Östersund gibt Roman Rees sein gelbes Trikot an Philipp Nawrath ab, bei den Damen gewinnt Franziska Preuß und Vanessa Voigt war nur ganz knapp dahinter. Das ist sensationell gut. Durch die neuen Wachsbestimmungen werden die Schwankungen aber größer sein während der Saison. Manchmal hat man vielleicht Super-Material und ist vorne und am nächsten Wochenende geht es wieder schlechter. Daher dürfen wir nicht zu viel erwarten, aber die positiven Emotionen auf jeden Fall mitnehmen. Ich glaube, das größte Potenzial der deutschen Mannschaft ist einfach das Team an sich, dass es gut harmoniert und die Leistung relativ homogen ist.

Laura Dahlmeier kämpft gegen Lebensmittelverschwendung

Sie haben zusammen mit Hello Fresh eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?
Wir vertreten ähnliche Werte. Nachhaltigkeit ist mir ein großes Anliegen, Hello Fresh genauso. Als ehemalige Leistungssportlerin bin ich natürlich immer offen und neugierig, was effiziente Lösungen betrifft. Wie kann man zum Beispiel Kochen und Nahrungsaufnahme effizienter gestalten. Das fand ich sehr spannend. Auf diese Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen, ist ein sehr wichtiges Thema. Wenn ich dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, dann mache ich das sehr gerne.
War Ihnen das Thema Ernährung bereits als aktive Sportlerin wichtig?
Als Sportlerin habe ich sehr schnell realisiert, dass es entscheidend ist, was man zu sich nimmt, wenn man entsprechende Leistungen erwarten möchte. Mir war vor allen Dingen immer die Qualität der Nahrungsmittel wichtig und wo sie herkommen. Ich habe z.B. stark auf das richtige Verhältnis von hochwertigen Makronährstoffen (Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate; Anm. d. Red.) geachtet. Da man als Leistungssportlerin aber auch nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung hat, war das aber auch nicht immer einfach umzusetzen. Nach dem Training nochmal einkaufen, dann noch kochen, wie soll ich das alles schaffen? Effizienz beim Thema Ernährung hat mich als Sportlerin auf jeden Fall beschäftigt.

Die 18 erfolgreichsten deutschen Wintersportler des neuen Jahrtausends

Sven Hannawald im Porträt.
Sven Hannawald (Skispringen): Hatte seine ersten Erfolge Ende des letzten Jahrhunderts. Gewann als erster alle vier Wettbewerbe der Vierschanzentournee. Bilanz: 18 Weltcup-Siege, 1x Olympia-Gold, 2x Olympia-Silber © IMAGO / Oryk HAIST
Kevin Kuske und Andre Lange mit der Goldmedaille
Kevin Kuske und Andre Lange (Bob): 38 Weltcup-Siege, 4x Olympia-Gold, 2x Olympia-Silber © IMAGO / Sven Simon
Eric Frenzel im Wettkampf
Eric Frenzel (Nordische Kombination): 43 Weltcup-Siege, 3x Olympia-Gold, 2x Olympia-Silber, 2x Olympia-Bronze © IMAGO / Nordphoto
Anni Friesinger zweite von links.
Anni Friesinger-Postma (Eisschnellauf): 59 Weltcup-Siege, 2x Olympia-Gold, 2x Olympia-Bronze © IMAGO / Camera 4/JIM
Felix Loch nach dem Wettkampf.
Felix Loch (Rodeln): 49 Weltcup-Siege, 3x Olympia-Gold © IMAGO / Arvid Müller
Tobias Wendl und Tobias Arlt nach dem Wettkampf.
Tobias Wendl und Tobias Arlt (Rodeln): 5 Weltcup-Siege, 6x Olympia-Gold © IMAGO / Beautiful Sports
Natalie Geisenberger im aktuellen Sportstudio
Natalie Geisenberger (Rodeln): 8 Weltcup-Siege, 6x Olympia-Gold, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / Martin Hoffmann
Viktoria Rebensburg auf Skiern.
Viktoria Rebensburg (Ski Alpin): 19 Weltcup-Siege, 1x Olympia-Gold, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / CEPix
Maria Höfl-Riesch im Porträt.
Maria Höfl-Riesch (Ski Alpin): 27 Weltcup-Siege, 3x Olympia-Gold, 1x Olympia-Silber © IMAGO / Sammy Minkoff
Felix Neureuther als TV-Experte.
Felix Neureuther (Ski Alpin): 13 Weltcup-Siege © IMAGO / opokupix
Arnd Peiffer auf Skiern.
Arnd Pfeiffer (Biathlon): 10 Weltcup-Siege, 1x Olympia-Gold, 1x Olympia-Silber, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / Beautiful Sports
Simon Schempp auf Skiern.
Simon Schempp (Biathlon): 12 Weltcup-Siege, 2x Olympia-Silber, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / Ernst Wukits
Laura Dahlmeier im Porträt.
Laura Dahlmeier (Biathlon): 20 Weltcup-Siege, 2x Olympia-Gold, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / Beautiful Sports
Kati Wilhelm im Porträt.
Kati Wilhelm (Biathlon): 21 Weltcup-Siege, 3x Olympia-Gold, 3x Olympia-Silber, 1x Olympia-Bronze © IMAGO / Eibner
Magdalena Neuner im Profil.
Magdalena Neuner (Biathlon): 34 Weltcup-Siege, 2x Olympia-Gold, 1x Olympia-Silber © IMAGO / ZUMA Wire
Katharina Althaus bei einer Siegerehrung.
Katharina Althaus (Skispringen): 15 Weltcup-Siege, 2x Olympia-Silber © IMAGO / NTB
Severin Freund bei der Vierschanzentournee
Severin Freund (Skispringen): 22 Weltcup-Siege, 1x Olympia-Gold © IMAGO / MIS
Karl Geiger bei einer Siegerehrung.
Karl Geiger: 13 Weltcup-Siege, 1x Olympia-Silber, 2x Olympia-Bronze © IMAGO / ZUMA Wire

Laura Dahlmeier zieht 78 Kilo schweren Wagen Berg in Garmisch hoch

Auch nach der Karriere sind Sie weiter sportlich unterwegs, klettern und erklimmen hohe Berge. Einen Wagen mit 78kg Lebensmitteln den Berg hochzuziehen, dürfte trotzdem nicht einfach gewesen sein?
Ich bin regelmäßig im Kraftraum, von dem her weiß ich schon, was 78 Kilo sind. Das geht vielleicht beim Kreuzheben noch ganz gut, bei anderen Übungen aber nicht. Bankdrücken kann ich definitiv nicht mit 78 Kilo. Deswegen habe ich mir schon gedacht, das wird eine Challenge. Als ich den Wagen dann gesehen habe, hat er gar nicht so groß gewirkt und ich habe mir gedacht, das geht schon. Der Hang war aber ziemlich steil, es war ein bisschen rutschig, es war Wiese. Ich habe mich echt ganz schön anstrengen müssen. Es waren natürlich ein paar Leute drumherum, die auch Angst hatten, dass der Wagen nach hinten wegrollt und mich mit runterzieht. Es war tatsächlich ein Kraftakt. Ich bin aber jemand, der nicht nur einfach über die Dinge spricht, ich möchte sie auch erleben und selber spüren. Das ist ganz wichtig, wenn man im Sport unterwegs ist. Über Sport sprechen ist das Eine, aber es selber mal machen, erfahren, spüren, das ist nochmal ein intensiveres Erlebnis. Deshalb wollte ich es auch am eigenen Leib spüren.
Welche Tipps haben Sie für unsere Leser, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren?
Ein Tipp ist das Planen. Man kann sich überlegen, wie viele Tage ist man daheim. Was möchte ich denn essen? Ich suche mir ein Rezept aus und gehe dann wirklich bewusst zum Einkaufen und vermeide Spontan-Einkäufe. Ich kenne es noch als Sportlerin, dann geht man hungrig in den Supermarkt, hat eigentlich gar keine Ahnung, was man will, und packt alles Mögliche ein oder nicht die richtigen Zutaten und man muss am Schluss nochmal gehen. Oder man kauft zu viel vom Falschen. Wenn man sich einen Plan macht, hilft das, um die nötige Struktur zu haben. Das andere ist die richtige Lagerung: Wo gehören die Produkte hin, damit sie nicht so schnell schlecht werden. Das ist super ärgerlich, wenn ich dann Bananen habe, die braun werden oder frische Lebensmittel, die nicht lange genug halten. Falls sie dann doch einmal etwas schrumpeliger ausschauen, kann man sie noch gut verwerten. Wenn ich mir Obst oder Gemüse in einen Smoothie reinmache, ist ganz egal, ob die Banane schon bisschen braun ist. So kann man die Lebensmittel ganz geschickt noch verwerten. Ein kleiner Tipp: Wenn vor einer Reise noch etwas im Kühlschrank ist, einfach Familienmitgliedern oder Nachbarn geben, dann muss man nichts wegwerfen.
Laura Dahlmeier blickt mit Sorge auf den Wintersport in Zeiten des Klimawandels.

Laura Dahlmeier im Interview: Biathlon-Legende warnt vor Klimawandel-Folgen im Wintersport

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt auch im Wintersport eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Felix Neureuther oder Magdalena Neuner kritisierten zuletzt den Gigantismus im Wintersport und den aufkommenden Schneemangel. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Das ist ein wichtiges Thema, auf das man schauen sollte. Es ist allgemein wichtig im Leben, achtsam zu sein, sich zu überlegen, was man wirklich braucht. Das beginnt im täglichen Leben, aber sicher auch in der Wirtschaft und genauso im Sport. Ist es immer „schneller, höher, weiter“ oder kann man auch manche Synergien nutzen? Zum Beispiel verschiedene Sportarten nutzen das gleiche Areal, um ressourcenschonender unterwegs zu sein. Zum Thema Schneemangel: Das ist ja nicht das Problem an sich. Der Schneemangel verdeutlicht den Klimawandel. Ich sehe da die Wintersportler eher als Opfer und weniger als Verursacher. Oft wird dann gesagt, dass Kunstschnee produziert wird und das wäre so schädlich für das Klima. Wir sind einfach in einer Klimaveränderung, das kann man nicht wegdiskutieren. Und das ist die Folge, dass es bei uns in den Alpen einfach weniger Schnee gibt. Dem entgegenzuwirken, wird Kunstschnee produziert. Ob das gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt.
Ich liebe den Winter und den Schnee und bin natürlich traurig, wenn die Winter schlechter und wärmer werden. Aktuell haben wir allerdings absolutes Winter-Wonderland. Ich war erst heute früh wieder im Schnee und es ist perfekt. Man kann also nicht alles pauschalisieren. Zuletzt wurden die alpinen Ski-Rennen wegen zu viel Schnee abgesagt. Es sind definitiv Klimaveränderungen, das Klima wird immer extremer, es gibt sehr starke Kälte- und Wärmeperioden, viel Niederschlag. Darauf müssen wir uns einfach einstellen. Das ist definitiv ein Problem, mit dem sich der Wintersport und die einzelnen Verbände auseinandersetzen müssen.
Sie sind vor kurzem in 18 Stunden von Garmisch bis zum Tegernsee gelaufen und besteigen die höchsten Berge dieser Erde. Woher kommt Ihr Antrieb und diese unbändige Energie?
Mich inspirieren Herausforderungen und Ziele, die erstmal unerreichbar scheinen. Ich habe mich viel damit auseinandergesetzt, als ich im letzten Jahr mein Buch „Wenn ich was mach, mach ich’s gscheid“ geschrieben habe. Da ging es darum, wie ich meine Ziele und Herausforderungen setze. Da habe ich gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Mensch schafft, 100 Kilometer am Stück zu laufen. Das war ein großes Ziel, das ich gerne noch machen wollte. Ich hatte immer ein bisschen Probleme mit dem Sprunggelenk, aber dieses Jahr hat es sich eigentlich ganz gut angefühlt. Ich war im Sommer schon immer fleißig, aber nicht so viel beim Joggen. Dann habe ich mir gedacht, wenn man es nicht ausprobiert, kann man auch nie wissen, ob es funktioniert oder nicht. Bei diesem Projekt war ich gar nicht körperlich so top vorbereitet, es war vor allem Willensstärke, ich wollte es unbedingt schaffen. Ab Kilometer 50 war es wirklich Kämpfen und es waren noch einige Stunden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man so einen Traum, der irgendwann zum Ziel wurde, endlich schafft.
Früher waren Sie die Gold-Laura. Wenn Sie jetzt eine Schlagzeile über sich selbst verfassen dürfen, wie würde diese lauten? 
Das ist doch eigentlich Ihr Job (lacht). Ich stehe tatsächlich nicht so auf die Schlagzeilen. Auf meiner Homepage haben wir den Slogan definiert: „Mit Bodenhaftung hoch hinaus“. Das passt ganz gut. Der Titel von meinem Buch ist: „Wenn ich was mach, mach ich’s gscheid“. Wenn Wörter vorkommen wie „Willensstärke, Bergleidenschaft, Bodenständigkeit oder Energiebündel“, dann glaube ich, ist schon viel gesagt.

Interview: Christoph Klaucke

Rubriklistenbild: © Fotostand/Hettich/Imago

Kommentare