Matthäus setzt auf BVB: Trotz Fan-Zweifeln ist Dortmund erster Bayern-Jäger
VonLars Pollmann
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Die BVB-Fans zeigen sich nach der Vorbereitung skeptisch. Experte Lothar Matthäus hingegen hat eine klare Meinung und sieht Dortmund als Bayern-Jäger.
Dortmund – Die kurze Vorbereitung für den BVB neigt sich dem Ende: Am Montagabend geht es im DFB-Pokal zum denkbar schweren Auftakt bei RW Essen. Fünf Tage später folgt der Bundesliga-Start beim FC St. Pauli. Die Generalprobe gegen Juventus ging mit 1:2 verloren, vor allem der bittere Ausfall von Niklas Süle für zwei Monate trübte die Stimmung beim Abschied von Mats Hummels.
Während sich bei vielen BVB-Fans angesichts des schleppenden Transfermarkts und der Verletzungssorgen Ernüchterung breitmacht, sieht ein Top-Experte die Schwarzgelben deutlich optimistischer. Lothar Matthäus traut dem BVB in seiner Saisonprognose für Sport Bild eine Menge zu – und macht die Dortmunder zum ersten Bayern-Verfolger.
Lothar Matthäus sieht BVB als „Bayern-Jäger“
„Sollte der FC Bayern schwächeln, muss Borussia Dortmund in dieser Saison da sein“, fordert Deutschlands Rekord-Nationalspieler. „Das Potenzial dazu hat der Kader, und Trainer Niko Kovač kann es aus ihm herausholen.“ Entscheidend sei für den BVB, sich zu 100 Prozent hinter den Chefcoach zu stellen. „Wenn das eintritt, ist sogar mehr als die Vizemeisterschaft drin. Dann gilt: Dortmund wird diese Saison wieder der Bayern-Jäger sein.“
Matthäus begründet seinen Optimismus mit der verbesserten Stimmung seit Kovačs Amtsantritt Anfang Februar. „Nach Edin Terzić und Nuri Şahin tut es dem BVB sichtlich gut, dass der Coach dieses Mal von außen kommt“, so der TV-Experte. Kovač habe „klare Regeln eingeführt“ und eine „klare Hierarchie vorgegeben, die den Spielern Halt gibt“. Auch sportlich, denn die Entscheidung für die Dreierkette passe ideal zum Kader des BVB.
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Matthäus steht mit seiner Sichtweise nicht alleine, auch Claudio Pizarro sieht den BVB ebenfalls als „härtesten Konkurrenten“ der Bayern. Die DAZN-Kommentatoren Robbie Hunke und Oliver Forster tippten zuletzt hingegen gegenüber Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, Eintracht Frankfurt vor Dortmund auf Platz zwei. Dennoch: Die externe Wahrnehmung des BVB scheint derzeit positiver als bei vielen Fans.
Intern gibt man sich deutlich zurückhaltender. Die Verantwortlichen haben zuletzt die Champions League-Qualifikation als Saisonziel ausgegeben. „Wir möchten wieder in die Champions League kommen“, betonte Kovač selbst. Alles andere hält man in Dortmund nach den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit für vermessen – zu oft war der BVB auf Aufholjagden nach der Winterpause angewiesen.
Die Hoffnungen ruhen auf Kovač, der nach seiner Übernahme im Februar aus 14 Ligaspielen neun Siege holte und die Champions League-Qualifikation schaffte. „Er hat uns in den Arsch getreten“, hat Karim Adeyemi die Kovač-Methode unverblümt beschrieben. „Ich mag seine Art persönlich sehr. Er tritt uns in den Arsch, wir laufen extrem viel. Das hat mich stärker gemacht.“
Die verbesserte Laufleistung unter Kovač war tatsächlich frappierend. Der Trainer gilt als fordernd und diszipliniert, seine Karriere sorgt für Respekt. „Der BVB gehört in Deutschland zur Top zwei“, sagt Kovač selbstbewusst. Bis zur Länderspielpause Anfang September müsse das Team aber erst einmal beweisen, dass es bereit ist: „Bis dahin brauchen wir Siege“, forderte der Trainer zuletzt im Trainingslager von Saalfelden (Österreich).
Matthäus sieht allerdings auch potenzielle Fallstricke für den BVB. „Im Sturm ist mir Dortmund noch zu sehr von Serhou Guirassy abhängig“, moniert er. „Für ihn und seine Tore gibt es im Kader keine echte Alternative.“ Kovač selbst nennt den 29-Jährigen seine „Lebensversicherung“. Sollte Guirassy ausfallen, „wäre das mit dem aktuellen Kader nicht zu kompensieren“, so Matthäus.
Die Verletzung von Süle verschärft indes die Personalprobleme in der Defensive. Schon deshalb tut die Vereinsführung gut daran, bei realistischen Zielen zu bleiben. Kovač hat mit seinem Endspurt in die Champions League bewiesen, dass er aus dieser Mannschaft mehr herausholen kann. Ob das für die Rolle als „Bayern-Jäger“ reicht, muss sich noch zeigen.
Die Experteneinschätzung von Matthäus muss dahingehend keine große Aussagekraft haben. Im Vorjahr hatte Sky-Kollege Dietmar Hamann vor Saisonbeginn erklärt, der BVB habe „von allen Teams am besten umgebaut“. Das Ende vom Lied ist bekannt: Ohne Retter Kovač hätte Dortmund die Saison komplett in den Sand gesetzt.