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Nach der harschen Hamann-Kritik stand Jamal Musiala gegen Gladbach zum ersten Mal nach seiner schweren Verletzung über 90 Minuten auf dem Platz.
Edeltechniker Musiala gab Chefkritiker Hamann mit seinem Auftritt im Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (4:1) die richtige Antwort auf dessen jüngste heftige Kritik in der Sky90-Talkrunde. Dort hatte der 52-Jährige gepoltert: „Ich glaube, dass Jamal Musiala sehr viel fehlt. Es ist im Moment ein Versuch, ihn zu integrieren“. Ganz besonders kritisch hatte Hamann die Diskrepanz zwischen Musialas hohem Gehalt und seinen Leistungen gesehen: „Es wurde ihm ein Vertrag gegeben, der ihn gleichsetzt oder besser setzt als den englischen Nationalmannschaftskapitän.“
Der frühere Bayernspieler hatte noch schonungslos nachgelegt: „Wenn du der bestbezahlte Spieler bist, dann bist du irgendwo auch der wichtigste. Dann hast du zwei, drei Spiele Zeit, um wieder in den Rhythmus zu kommen“. Von Vereinsseite kam anschließend kein Feedback zu „Tinnitus-Hamann“, die FCB-Fans konterten dagegen scharf. Und der Nationalspieler ließ lieber nur wenige Tage später eine überzeugende Leistung auf dem Spielfeld folgen.
FC Bayern: Kompany begeistert von „echt glücklichem“ Musiala
Das Spiel gegen Gladbach war nicht nur sein erstes Bundesliga-Spiel über 90 Minuten in der laufenden Saison. Auch seinen ersten Bundesliga-Elfmeter verwandelte der 23-Jährige souverän – und bekam in der Schlussphase der Partie die Kapitänsbinde von Joshua Kimmich überreicht, als dieser ausgewechselt wurde. Neben einigen überragenden technischen Kabinettstückchen, die im Weltfußball nur ein Musiala anbieten kann, grätschte er auch sehr engagiert tief in der eigenen Spielhälfte.
So war es nach dem gelungenen Auftritt wenig verwunderlich, dass sich FCB-Coach Vincent Kompany hochzufrieden mit ihm zeigte: „Ich sage Ihnen eine Sache: Sie haben gesehen, was für eine Verletzung er hatte – gegen Paris. Sie dürfen nicht vergessen, welche Verletzung das war“, so der Belgier gegenüber Sky.
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Deswegen freute sich der Belgier auch besonders über den Fitnesszustand seines Filigrantechnikers. „Dass er jetzt schon wieder so dasteht, ist einfach überragend. Er soll zufrieden sein, und wir sind auch zufrieden“, so Kompanys Resümee. Dennoch will er den Druck weiterhin gering halten: „Jetzt schon darüber zu reden, was er bringen muss oder ob er schon wieder alles leisten muss, ist Quatsch. Im Moment ist das schon gut“, ordnete er die Leistung des 23-Jährigen ein.
Ohne Hamann namentlich zu nennen, war dies die perfekte Antwort auf dessen merkwürdige Kritik. Kompany weiter: „Wir genießen seine Momente. Es wird noch mehr kommen. Irgendwann haben wir wieder den besten Jamal Musiala, ohne Zweifel. Aber im Moment gehen wir Schritt für Schritt, und diese Leistung heute war ein Bonus für uns.“ Musiala selbst zeigte sich nach dem 4:1-Sieg am Sky-Mikrofon zurecht „echt glücklich“.
Das Überreichen der Kapitänsbinde durch Kimmich bezeichnete er als „große Ehre“, auch wenn er sich zunächst „schon schwer gefühlt“ habe, als er zum ersten Mal Spielführer des FC Bayern war. Möglicherweise will der FCB-Chefkritiker mit seinen Aussagen aber auch immer nur das Allerbeste aus den Protagonisten seines Ex-Vereins herauskitzeln. Dies gelingt ihm regelmäßig, zuletzt auch beim gegen Gladbach verletzt fehlenden Harry Kane.
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