Dortmunds Wunschspieler wird teuer

Poker um Rayan Cherki: BVB vor drittem Transferdrama

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BVB buhlt zum dritten Mal um Rayan Cherki – doch die Verhandlungen mit Lyon-Boss Textor versprechen wieder kompliziert zu werden.

Dortmund/Lyon – Für einen kurzen Moment hielt ein Gerücht Teile der Fangemeinde von Borussia Dortmund unter der Woche in Atem: Ein Privatjet würde angeblich von Lyon nach Dortmund fliegen, um Wunschspieler Rayan Cherki endlich ins Ruhrgebiet zu bringen.

In Windeseile verbreitete sich die Nachricht auf der Plattform X, BVB-Anhänger verfolgten Flugdaten und spekulierten über Ankunftszeiten.

Die vermeintliche Transfersensation entpuppte sich jedoch als Internet-Phantom – wohl eine Mischung aus Wunschdenken und der Erinnerung an den tatsächlich geplanten Flug im Privatjet vom Februar, als der Cherki-Deal auf der Zielgeraden scheiterte.

BVB-Wunschspieler hat sich schon emotional verabschiedet

Zum dritten Mal buhlt der Klub in diesen Tagen um das Mittelfeldjuwel, doch wieder droht ein komplizierter Verhandlungsmarathon. Im Mittelpunkt steht Lyon-Präsident John Textor mit einer Strategie, die Fragen aufwirft.

Zweimal schon scheiterte der Wechsel des französischen Offensivtalents zum BVB – im Sommer 2024, da soll es keine vollständige Übereinkunft in der Dortmunder Führungsetage gegeben haben, und im Winter 2025, als eben sogar schon der Privatjet bereitgestanden haben soll. Jetzt, nach Cherkis emotionalem Abschied bei Olympique Lyon, öffnet sich die Tür erneut. Doch statt einer zügigen Einigung zeichnet sich ein langwieriger Verhandlungsprozess ab.

Cherki hat eine überragende Saison für Lyon gespielt

Warum der BVB trotz allen Ärgers noch Interesse zeigt, liegt auf der Hand: Cherki hat mit zwölf Toren und 20 Vorlagen in 44 Pflichtspielen eine beeindruckende Spielzeit hingelegt. Gerade erst hat die UEFA den Edeltechniker zum Jungen Spieler der Saison in der Europa League gekürt.

Der 21-Jährige strebt nach neuen Herausforderungen, sein schwer angeschlagener Arbeitgeber Lyon benötigt frisches Kapital. Theoretisch ist das die Basis für eine Win-win-Situation. Doch die Preisvorstellung hat sich offenbar deutlich verändert.

Während im Winter noch ein Gentlemen‘s Agreement bei einer Ablöse von 22,5 Millionen Euro bestanden haben soll – von dem Textor allerdings kurzfristig nicht mehr viel wissen wollte –, heißt es bei der renommierten französischen Sportzeitung L‘Equipe nun, die Forderung liege in Höhe von 40 Millionen Euro. Ein Jahr vor Vertragsende ist das keine Ablöse, die der BVB zu zahlen bereit wäre.

Rayan Cherki von Olympique Lyon steht erneut weit oben auf dem Wunschzettel von Borussia Dortmund.

BVB-Verhandlungspartner Lyon kann jeden Euro gebrauchen

Natürlich ist es verständlich, dass Lyon-Präsident Textor für seinen finanziell angeschlagenen Klub das bestmögliche Ergebnis erzielen möchte. Als Geschäftsmann und Klubverantwortlicher hat er die Pflicht, die Interessen des einstigen Abonnement-Meisters zu vertreten. Die Frage ist jedoch, ob die aktuelle Verhandlungsstrategie langfristig zielführend ist.

Textor scheint bewusst auf das Interesse von Premier-League-Klubs wie Manchester United und Liverpool zu setzen, um den Preis in die Höhe zu treiben. Eine legitime Taktik – doch sie birgt auch Risiken.

Zum einen könnte sie den Transfer unnötig in die Länge ziehen, was weder im Interesse des Spielers noch der beteiligten Vereine ist. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die sportliche Perspektive des Spielers dabei ausreichend berücksichtigt wird – und welche Folgen es für die Zukunft hat, wenn Lyon mit Top-Talenten so umgeht.

BVB will wieder zum Sprungbrett werden

Der BVB verfolgt eine klare Vision mit Cherki, will sich grundsätzlich wieder stärker darauf besinnen, junge Spieler mit hohem Marktwertpotenzial unter Vertrag zu nehmen. In Dortmund könnte der Dribbelkünstler eine zentrale Rolle einnehmen und den nächsten Entwicklungsschritt machen – ähnlich wie zuvor Jude Bellingham, Erling Haaland, Jadon Sancho oder auch Landsmann Ousmane Dembélé.

Ob dies in der Premier League, wo der Konkurrenzkampf noch intensiver ist, ebenso möglich wäre, sei dahingestellt.

Die Uhr jedenfalls tickt. Mit jedem Tag der Ungewissheit wächst die Gefahr eines unproduktiven Eiertanzes, der alle Beteiligten Zeit und Nerven kostet. Während Manchester United laut französischen Medien bereits konkrete Gespräche führt und mit dem dicken Geldbeutel, aber einer aktuell fraglichen sportlichen Perspektive lockt, bemüht sich Dortmund um eine faire und wirtschaftlich vertretbare Lösung.

Lässt sich der BVB auf der Nase herumtanzen?

Wünschenswert wäre ein transparenter Verhandlungsprozess, der die Interessen aller Parteien respektiert: Lyon erhält eine angemessene Ablöse, der BVB einen talentierten Spieler und Cherki selbst Klarheit über seine Zukunft. Die von Dortmund dem Vernehmen nach als realistisch betrachteten maximal 30 Millionen Euro Ablöse erscheinen dabei als vernünftiger Kompromiss für einen Spieler, dessen Vertrag 2026 ausläuft.

Für den BVB bleibt zu hoffen, dass über den Eiertanz um Cherki keine anderen Gelegenheiten auf dem Transfermarkt verpasst werden. Eine klare Kommunikation, ein faires Angebot und notfalls auch der Mut, Alternativen zu prüfen – das sollte der Weg sein. Eines ist sicher: Im Transferpoker um Cherki braucht es auf allen Seiten Augenmaß und Fairness, damit am Ende nicht nur der Preis, sondern auch die sportliche Zukunft eines vielversprechenden Talents im Mittelpunkt steht.

Dortmund jedenfalls muss aufpassen, dass nicht der Eindruck entsteht, man lasse sich auf der Nase herumtanzen. Rund um den Klub ist durchaus das Gefühl zu vernehmen, Textor wolle einen Wechsel von Cherki zum BVB möglichst verhindern, nachdem er den Kollegen aus Deutschland bereits im Februar vorwarf, ein „respektloses“ und „weit unter Marktwert“ befindliches Angebot für Cherki gemacht zu haben, das zudem viel zu spät gekommen sei.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mourad_ALLILI

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