Deutschland-Pleite in Österreich

„Ich bin fassungslos“: Uli Hoeneß meldet sich nach DFB-Debakel zu Wort

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Uli Hoeneß verfolgte das DFB-Debakel in Österreich mit Schrecken. Der Bayern-Patron macht sich vor der EM in Deutschland große Sorgen.

München – Zweikampfschwach, ohne Leidenschaft, keine Dynamik: Die deutsche Nationalmannschaft gab bei der hochverdienten 0:2-Pleite gegen Österreich ein erschreckendes Bild ab, die DFB-Elf erlebt in Wien einen neuen Tiefpunkt. Auch Uli Hoeneß sah das deutsche Debakel wie Millionen Fans daheim am Fernseher – mit Entsetzen.

Uli Hoeneß
Geboren:5. Januar 1952 (Alter 71 Jahre), Ulm
Aktuelle Funktionen:Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern

Hoeneß-Schock nach DFB-Blamage

Gut geschlafen haben, dürften die wenigsten, die es mit der deutschen Mannschaft halten. Auch dem Bayern-Patron machte der blutleere Auftritt des DFB-Teams (viermal die Note 6) am nächsten Morgen beim Frühstück zu schaffen, wie der kicker berichtet.

„Ich bin fassungslos über diese Entwicklung und wüsste nicht, an welchen Schrauben man drehen muss, um dieses Chaos kurzfristig zu beseitigen“, sagte Hoeneß im Gespräch mit dem Fachmagazin am Mittwochvormittag. Hoeneß ist nach seinem RTL-Intermezzo zwar kein TV-Experte mehr, dennoch hat die Meinung des Ehrenpräsidenten des FC Bayern in Fußball-Deutschland Gewicht. Seine Analyse klingt bedenklich und gibt unter der Führung von Ex-FCB-Coach Julian Nagelsmann wenig Hoffnung auf Besserung.

Uli Hoeneß ist über das DFB-Debakel entsetzt.

„Ich bin fassungslos“: Uli Hoeneß meldet sich nach DFB-Debakel zu Wort

Hoeneß hält sich mit seiner Kritik noch vergleichsweise zurück. Im Gegensatz zu Sportdirektor Rudi Völler, der sich die DFB-Stars nach der Pleite vorknöpfte oder ZDF-Experte Per Mertesacker, der live im TV Bundestrainer Nagelsmann zur Rede stellte. Die Hoeneß-Aussagen klingen vielmehr nach einem verzweifelten Hilfeschrei nur wenige Monate vor der EM 2024 in Deutschland.

Dem langjährigen Bayern-Manager und -Präsidenten bereite darüber hinaus die lange Pause bis zu den nächsten Länderspielen Sorge. Erst Ende März trifft sich das DFB-Team wieder. Dann sollen zwei Testspiele stattfinden, geplante Gegner sind die Niederlande und Frankreich.

Nagelsmanns Vorgänger: Das sind alle deutschen Fußball-Bundestrainer

Der neue Bundestrainer Julian Nagelsmann vor einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern
Julian Nagelsmann: Bundestrainer seit 22. September 2023; 0 Spiele © IMAGO/Revierfoto
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen)
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen) © IMAGO
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014 © Laci Perenyi
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen)
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen)
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen) © Imago
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen)
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990 ©  via www.imago-images.de
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980 © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1974
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen)
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1954 © IMAGO/United Archives / kpa / Grimm
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen)
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen) © picture alliance

Hoeneß erkennt Fehler im System der DFB-Elf

Bis dahin müssen die Nationalspieler mit dem negativen Gefühl aus den Niederlagen gegen die Türkei am Samstag (2:3) und nun gegen Österreich mit sich herumtragen. Zudem kommt durch diese Ergebnisse keine Euphorie vor der Heim-EM im kommenden Sommer auf.

Woran liegt‘s bei der DFB-Talfahrt? Die personell keinesfalls besser aufgestellte ÖFB-Elf habe eingespielt gewirkt, so Hoeneß – im Gegensatz zur deutschen Mannschaft. Kritik an einzelnen Spielern wie etwa Leroy Sané, der sich für seinen Rot-Ausraster in der DFB-Kabine entschuldigte, wollte Hoeneß nicht üben. Seiner Meinung nach liegt der Fehler im System, die Mannschaft gewinne keine Zweikämpfe.

Hoeneß kündigt Transfer-Entscheidung beim FC Bayern in der Winterpause an

Freude bereitet Hoeneß hingegen die Entwicklung bei seinem FC Bayern. „Mein Eindruck ist, dass sich zwischen Mannschaft und Trainer Thomas Tuchel eine Einheit bildet“, sagte Hoeneß, der vor allem am Torhunger der Bayern Gefallen findet – nach elf Spieltagen stehen bereits 42 Treffer in der Bundesliga zu Buche. Oberste Prämisse sei es nun, bis Weihnachten mit dem Kader ohne Verletzte durchzukommen.

Danach soll über Transfers in der Winterpause entschieden werden. Ein Kandidat bleibt wohl Joao Palhinha, der offenbar günstiger ist als im Sommer: Bekommt Tuchel endlich seinen Wunschspieler? (ck)

Rubriklistenbild: © Ulrich Wagner/Imago

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