Teurer BVB-Star auf der Bank – Experte urteilt unmissverständlich
VonLars Pollmann
schließen
Ein früherer Top-Transfer verbleibt wohl als hoch bezahlter Ersatzspieler beim BVB. Ein Experten analysiert die verbliebenen Qualitäten des Stürmers.
Dortmund – Sébastien Haller bei Borussia Dortmund: Das ist eine Geschichte voller dramatischer Wendungen, die nun vor ihrem nächsten, unerwarteten Kapitel steht.
Vom gefeierten Königstransfer über die schockierende Krebsdiagnose und ein emotionales Comeback bis hin zum tragischen Helden im Meisterschaftsfinale 2023: Seit dem verschossenen Elfmeter gegen Mainz scheint Haller in einem Loch, aus dem ihn auch der Sieg beim Afrika-Cup mit der Elfenbeinküste nicht befreien konnte.
Nach Leihen zu Leganés und Utrecht in der vergangenen Saison deutet jetzt viel auf einen Verbleib hin – als Backup für Top-Stürmer Serhou Guirassy. Doch was kann Haller wirklich noch leisten?
Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund
Die wahrscheinlichste Option für seine Zukunft ist gleichzeitig die, die am wenigsten Sinn zu ergeben scheint. Dass Haller trotz seiner eindeutigen Reservistenrolle in Dortmund bleiben könnte, hat weniger sportliche als vielmehr knallharte finanzielle Gründe.
Sein Vertrag, der ihm beim BVB zwischen acht und zehn Millionen Euro pro Jahr einbringen soll, ist für die meisten Interessenten schlicht nicht zu stemmen.
Für den BVB, der auf dem Transfermarkt aktuell nur gebremst handlungsfähig ist, wäre eine Gehaltseinsparung eigentlich Gold wert. Doch Haller ist nicht bereit, für einen Wechsel auf einen Großteil seiner Bezüge zu verzichten – sein gutes Recht, zumal der Stürmer noch besser als die meisten Profis darauf achten wird, seine Familie finanziell abzusichern.
Dass der BVB keine millionenschwere Abfindung zahlen will, liegt auch in der Natur der Sache.
So entsteht eine Pattsituation, in der die menschliche Geschichte des Spielers auf die kühle Logik des Geschäfts trifft. Der BVB hat einen der teuersten Backups der Liga im Kader, während Haller seine Karriere in einer Rolle fortsetzt, die seinen eigenen Ansprüchen nicht genügen kann. Es ist ein Kompromiss, der für beide Seiten mehr Notlösung als Wunschszenario ist und die Frage aufwirft, welchen sportlichen Mehrwert der Ivorer noch bieten kann.
Experten-Urteil: Was kann Haller wirklich noch leisten?
Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in die Niederlande. Tim Reedijk, Journalist beim renommierten Magazin Voetbal International, hat Hallers Leihe zum FC Utrecht in der vergangenen Rückrunde verfolgt.
„Haller war in der zweiten Hälfte der letzten Saison ein Schlüsselspieler für Utrecht“, erklärt Reedijk gegenüber Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports. „Aber je weiter die Saison fortschritt, desto mehr wurde er zu ‚einem von vielen‘ statt zum absoluten Starspieler.“
Das Problem seien die extrem hohen Erwartungen gewesen, die aufgrund seiner Vergangenheit in Utrecht und seiner späteren Karriere entstanden waren. Reedijks Analyse ist schonungslos, aber fair: „Er war ein guter, ein Schlüsselspieler, aber er hat nicht viele Tore erzielt und ist zum Beispiel nicht mehr so schnell wie früher.“
Grundsätzlich sei der Fitnesszustand von Haller immer wieder Thema gewesen. „Er war nicht der fitteste Spieler bei Utrecht und musste manchmal ausgewechselt werden“, so der Journalist.
Trotz dieser Einschränkungen war Haller in Utrecht hoch angesehen. „Die Fans lieben ihn einfach und die Vereinsführung sowie der Trainerstab haben immer betont, dass Haller den Verein auf die nächste Stufe hebt“, berichtet Reedijk.
Es habe die Überzeugung geherrscht, dass Haller mit einer vollen Saisonvorbereitung der perfekte Stamm-Stürmer sein könnte. Eine feste Verpflichtung scheitert aber an den finanziellen Realitäten. Schwer vorstellbar, dass sich daran bis zum Transferschluss etwas ändert.
Eine neue Rolle für den tragischen BVB-Helden
Was Haller damit voraussichtlich bleibt, ist die Perspektive als erfahrener Backup bei einem Champions-League-Teilnehmer. Eine Rolle, die ihn sportlich vielleicht nicht erfüllt, in der er aber dennoch einen Wert für die Mannschaft haben kann – als Integrationsfigur, als Vorbild an Resilienz und als positiver Charakter in der Kabine.
Die Einschätzung von Reedijk liefert das wohl treffendste Fazit für die Zukunft des Stürmers: „Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich nicht glaube, dass Haller jemals wieder das höchste Niveau erreichen wird, was nach allem, was passiert ist, natürlich keine Schande ist.“
„Aber er hat in seinen letzten Jahren als Fußballspieler viele Möglichkeiten. Er kann in verschiedenen Ligen hohe Gehälter verdienen, der beliebteste Spieler in Utrecht werden oder ein Backup bei einem großen Verein wie Dortmund sein. Ich denke, es wird ihm gut gehen.“