VonChristoph Wutzschließen
Biathlon-Shootingstar Hanna Kebinger gewann bei der WM in Oberhof Silber mit der Staffel. Dabei hatte sie zu Saisonbeginn einige Hürden zu nehmen.
Grainau – Das vergangene Biathlon-Jahr schloss DSV-Juwel Hanna Kebinger fantastisch ab. Zunächst schaffte sie sensationell den Sprung ins Weltcup-Team. Anschließend wurde sie mit der deutschen Biathlon-Staffel Vizeweltmeisterin in Oberhof und ist jetzt nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Damit war zu Saisonbeginn aber überhaupt nicht zu rechnen gewesen: Kebinger hatte mit einer schweren Corona-Erkrankung zu kämpfen gehabt.
| Hanna Kebinger | |
|---|---|
| Geboren: | 26. November 1997 (Alter: 25 Jahre), Garmisch-Partenkirchen |
| Disziplin: | Biathlon |
| Weltcup-Debüt: | 2022 in Ruhpolding |
| Größter Erfolg: | WM-Silber mit der Biathlon-Staffel in Oberhof 2023 |
Wegen Corona-Infektion: Biathlon-Shootingstar Kebinger lag „zwei Wochen komplett flach“
Kebinger war jetzt im Biathlon-Podcast „Extrarunde“ zu Gast. Darin sprach sie über die vergangene Saison, die Höhen und Tiefen für die 25-Jährige bereitgehalten hatte. Die Grainauerin war eigentlich gut in die Vorbereitung gestartet. „Es lief eigentlich perfekt bis Juli“, erzählte Kebinger, die vor allem läuferisch große Fortschritte gemacht habe. Danach jedoch nahm das Drama um die WM-Zweite von Oberhof seinen Lauf.
Kebinger, die bereits vor einigen Jahren mit einer Herzmuskelentzündung zu kämpfen gehabt hatte, hatte sich während der letztjährigen Vorbereitung mit dem Coronavirus infiziert. „Ich lag dann zwei Wochen komplett flach“, offenbarte das DSV-Ass den schweren Schicksalsschlag. Dabei habe die 25-Jährige „gemerkt, dass es von der Luft her schwierig ist. Ich bin dann mal um den Block spazieren gegangen – das sind nicht einmal 300 Meter um einen kleinen Häuserblock herum – und musste da dreimal stehen bleiben, weil mir die Luft ausgegangen ist.“
Biathlon-Hoffnung Kebinger hatte „bis Mitte September Entzündungswerte in der Lunge“
Erschwerend war dabei eine Entzündung der Lungenschleimhaut hinzugekommen. Wirklich ins Training zurückkehren hatte Kebinger, die auch beim Weltcup-Rennen in Oberhof ein echtes Ausrufezeichen gesetzt hatte, zunächst nicht können. „Man musste da dann natürlich auch enorm vorsichtig sein, was Belastungen angeht, was generell Training, Umfänge angeht. Ich hatte dann auch ständig das Gefühl von Halsweh, dabei war nichts. Das war dann immer nur der gereizte Zustand“, offenbarte die Biathlon-Überfliegerin der letzten Saison.
Und die Leidensperiode zog sich einige Zeit: „Bis Mitte September hatte ich ja immer noch diese Entzündungswerte in der Lunge“, erzählte Kebinger. „Erst ab Oktober rum“ habe die DSV-Athletin wieder angreifen können. Anschließend habe sie sich über das Training wieder in Form gebracht und in der Qualifikation für den zweitklassigen IBU-Cup antreten wollen. Sie sei „richtig fit“ gewesen, erzählte die 25-Jährige in der „Extrarunde“.
„Zache Partie“: Biathlon-Juwel Kebinger nahm krank an Qualifikations-Wettbewerb teil
Allerdings sei dann der nächste Nackenschlag gefolgt: „Weil ich so motiviert war und gefühlt richtig fit war, habe ich dann vielleicht einen Tick zu viele Intensitäten vorher gemacht und bin dann in der Woche, als dann Quali war, auch krank geworden“, schilderte die Biathletin.
Ähnlich wie Wintersport-Ikone Laura Dahlmeier, die immer mehr zur Extremsportlerin mutiert, habe Kebinger aber ihr Ehrgeiz gepackt: „Ich bin dann, so dumm wie es war, die Quali gelaufen“, räumte die 25-Jährige ein. „Das Ende vom Lied war, dass ich dann wieder zwei Wochen komplett krank im Bett lag und noch einen RS-Virus aufgeschnappt habe. Ich habe dann die ganze Bandbreite mitgenommen“, schilderte sie ihre schwere Leidenszeit. Diese sei „eine zache Partie“ gewesen.
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„Da sind für mich zwei Welten zusammengebrochen“: Biathlon-Star Kebinger traf schwerer Schickalsschlag
Daraufhin hatte sie in der untersten Biathlon-Klasse, dem Deutschlandpokal, antreten müssen. „Psychisch waren das auch nicht die besten zwei Wochen“, gestand sie – und ergänzte: „Da sind für mich zwei Welten zusammengebrochen.“
„Für den Kopf war das so mit das Härteste, was ich seit langem hatte“, gab Kebinger schonungslos Einblicke. Trotzdem habe sie „einiges lernen können“, reflektierte der Biathlon-Shootingstar im Podcast.
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Nach schwerem Schicksalsschlag: Biathlon-Hoffnung Kebinger kämpfte sich zurück
Aber die deutsche Biathlon-Hoffnung hatte sich nach dem Schicksalsschlag zurückgekämpft. Ihre Familie und Freunde hätten ihr durch diese „enorm schwere Zeit“ geholfen, schilderte die 25-Jährige. Ab der zweiten Saisonhälfte hatte sich ihr beharrliches Training dann endlich ausgezahlt. Kebinger war in den IBU-Cup zurückgekehrt, wo sie einige Erfolge hatte feiern können.
Dadurch hatte sie sich sogar in den Weltcup katapultiert. Am Ende des Jahres war sie dort auf einem guten 25. Rang der Gesamtwertung gelandet, nachdem sie sensationell mit der Biathlon-Staffel WM-Silber in Oberhof gewonnen hatte.
Hanna Kebinger ist aber nicht der einzige Wintersport-Star, der in der Vorbereitung mit einigen Hürden zu kämpfen hatte. Zuletzt biss Biathlon-Dominator Johannes Thingnes Bö eine Schlange. (wuc)
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