VonIngo Durstewitzschließen
Der Eintracht-Trainer kämpft um seinen Job – haltlose Berichte über das Interesse von Topklubs helfen ihm dabei nicht
Frankfurt – Die Tage der Aufarbeitung nahen, in der nun beginnenden Woche stehen Strategiegespräche der Sportlichen Leitung von Eintracht Frankfurt mit ihrem Cheftrainer Dino Toppmöller an. Es wird für den Fußballlehrer, das kann man durchaus so interpretieren, eine zweite Bewerbungsrunde sein – nachdem er bereits seit einem Jahr im Amt ist.
Eintracht Frankfurt: Gespräche zwischen Toppmöller und Krösche stehen an
Am Montag kehrt Sportvorstand Markus Krösche von der Makoto-Hasebe-Verabschiedungstour aus Fernost zurück, selbst im fernen Japan hielt der Manager natürlich Kontakt in die Heimat. Und was da so zu ihm durchdrang gegen Ende der Woche, sorgte bei ihm für einige Verwunderung. Denn da hatte die „Bild“-Zeitung den Eintracht-Coach urplötzlich mit Klubs aus dem Ausland in Verbindung gebracht. Einmal mit Brighton & Hove Albion aus der Premier League und dann noch mit dem großen AC Mailand aus der Serie A. Beiden Anfragen habe Toppmöller aber sofort abgeblockt, weil er sich auf die Eintracht konzentrieren wolle.
Einigermaßen abenteuerlich klingt das ohnehin: weshalb sollten Vereine diesen Kalibers einen Trainer installieren wollen oder auch nur darüber nachdenken, der genau ein Jahr als Chefcoach vorzuweisen hat und in diesem – gerade international – nicht die Bäume ausgerissen hat. Das klingt doch arg konstruiert. Schlimm genug, dass viele Medien so etwas Gehaltloses einfach weiter transportieren – ohne es entsprechend einzuordnen.
Für Irritation sorgte der Bericht in Tokio, weil er, wie die Frankfurter Verantwortlichen völlig zu Recht vermuten, bewusst lanciert wurde – die Frage ist, von wem und aus welchem Grund. Von ihnen nämlich ganz sicher nicht. Und: Sehr viele Parteien sind ja nicht involviert.
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Krösche vermied zuletzt Jobgarantie für SGE-Coach Toppmöller
Toppmöller wird es in den Gesprächen gewiss nicht helfen, dass er ein angeblich begehrter Trainer ist. Was freilich nicht bedeutet, dass er zwangsläufig seinen Job verlieren wird. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Fakt ist aber auch, dass Dino Toppmöller aktuell nicht aus einer Position der Stärke argumentiert, die fehlende Jobgarantie nach dem letzten Saisonspiel hat den 43-Jährigen geschwächt. Und wenn für Markus Krösche alles so klar wäre, wie es einige Medien verbreiten, hätte er ja ein einfaches Bekenntnis abgeben können und keine dezidierte Aufarbeitung ansetzen müssen. Der Sportvorstand macht sich seine Gedanken.
Die anstehende Generalanalyse wird eine sehr ehrliche und offene sein. Markus Krösche wird aufmerksam zuhören, wie der Coach die Saison einordnet und welche Erklärungen er für bestimmte Sachverhalte hat. Und es wird darauf ankommen, ob Dino Toppmöller bereit ist, sich in gewissen Hinsichten zu hinterfragen und Veränderungen zuzulassen, einige Abläufe zu modifizieren, die Dinge einfacher zu halten und sich und seine Akribie ein Stück weit herunterzufahren. Ein erfahrener Assistent würde bei einem Verbleib sicher anheuern.
Es gibt Kritikpunkte an Toppmöllers Arbeit: Seine Außendarstellung, die vielen taktischen und personellen Wechsel, das Festhalten an einer Viererkette, der Formverfall in der Rückserie mit nur 20 Punkten. Und die vielen langatmigen und zähen Vorstellungen fallen nun mal in den Verantwortungsbereich des Cheftrainers. Die Art und Weise des Fußballs – das ist der Hauptkritikpunkt.
Pro und Contra: Darf Toppmöller Eintracht-Trainer bleiben?
Dass diese Diskussion keine ist, die von außen übergestülpt wird, zeigte auch der Auftritt von Vorstandssprecher Axel Hellmann nach dem Augsburg-Sieg („Nicht so schwer, dass Stadion aus dem Sattel kommt“) oder auch selbstkritische Worte von Urgestein Timothy Chandler: „Ich weiß, dass vielen die Leidenschaft gefehlt hat, der Zweikampf oder der Ball nach vorne. Das ist den Leuten im Stadion auf den Sack gegangen. Deren Meinung verstehe ich.“ Um genau diese bestimmte Eintracht-Frankfurt-Atmosphäre geht es.
Aber genauso kann man dem Chefcoach vieles zugute halten: Er musste mit dem Kader klarkommen, der da ist (und gewiss schwächer als letzte Saison), der XL-Umbruch im Sommer: Kolo weg, kein Stürmer da, ein Wintereinkauf total gefloppt (van de Beek), der andere schwer verletzt (Kalajdzic), dazu kommt der schwierige Afrika-Cup und die schlechte Verfassung der teilnehmenden Spieler im Anschluss – auch der Ramadan war für den Trainer nicht leicht zu moderieren, einige, Profis verloren zusehends an Kraft. Und er hat junge Spieler eingebaut, andere weiterentwickelt, zumindest am Anfang: Willian Pacho, Hugo Larsson oder Omar Marmoush. Und für die vielen individuellen Fehler kann der Trainer auch eher nichts, sie sind im Endeffekt doch ein Ausdruck der (fehlenden) Qualität.
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