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Die Auswirkungen des Klimawandels sind alarmierend: Korallenriffe weltweit leiden unter massiver Bleiche. Experten warnen vor einer globalen Katastrophe.
Frankfurt – Die globale Erwärmung und ihre Auswirkungen sind nicht mehr zu übersehen. Sie manifestieren sich in Form von Rekordtemperaturen während der Wintermonate, Überschwemmungen und Bränden in Ländern wie Australien und Griechenland. Besonders betroffen sind die Ozeane, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. Obwohl diese Auswirkungen nicht immer offensichtlich sind, warnen Expertinnen und Experten schon seit geraumer Zeit davor. Nun legt ein aktueller Bericht der US-Meeresbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) nahe, dass wir uns auf dem Weg zu einer globalen Katastrophe befinden.
Korallenbleiche schreitet viel schneller voran als gedacht
Die Zustände in den Weltmeeren bereiten den Forscherinnen und Forschern große Sorgen, insbesondere die massive Korallenbleiche. Laut den US-Forscherinnen und -Forschern erleben wir bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts eine Phase intensiver Korallenbleiche.
Derek Manzello von der NOAA berichtet: „Von Februar 2023 bis April 2024 wurde sowohl in der nördlichen als auch der südlichen Hemisphäre jedes großen Ozeanbeckens eine bedeutende Korallenbleiche dokumentiert“. Über die Hälfte aller farbenprächtigen Korallengebiete in den Ozeanen sind von der Bleiche betroffen und haben sich „in eine Geisterlandschaft“ verwandelt. Dieser Zustand wurde von Meeresforschenden ursprünglich erst für das Jahr 2030 prognostiziert.
„Häufiger und schwerwiegender“: Steigende Wassertemperaturen verantwortlich für Korallenbleiche
Die Korallenbleiche ist eine direkte Folge der steigenden Wassertemperaturen, die dazu führen, dass die Korallen die in ihnen lebenden Algen abstoßen. Diese Algen sind jedoch die Hauptnahrungsquelle der Korallen, was zu einem Verlust der Farbe und letztendlich zu einer Bedrohung für das Überleben dieser Nesseltiere führt.
Die NOAA stützt ihre Erkenntnisse auf Satellitenmessungen und sogenannte Hitzestress-Stufen, die seit 1985 erfasst wurden. Die aktuelle globale Korallenbleiche ist die vierte seit Beginn der Aufzeichnungen und die zweite innerhalb von zehn Jahren. Bereits 1998, 2010 und 2016 hatten Experten vor diesem Phänomen gewarnt. Besonders betroffen sind Korallenriffe im Indischen Ozean, dem Pazifik und dem Atlantik. Zu den betroffenen Regionen gehören das bekannte Great Barrier Reef in Australien, die Seychellen und größere Gebiete des Südpazifiks, wie die Korallen vor den Fidschi-Inseln. Durch die anhaltende globale Erwärmung werden „Korallenbleichungen häufiger und schwerwiegender“, so Manzello.
Zu wenig Erholungszeit für Korallen – „Kipppunkt überschritten“
Die Korallenbleiche ist jedoch nicht zwangsläufig ein Todesurteil für die Korallen. Sie können sich nach einer Bleiche erholen, vorausgesetzt die Wassertemperaturen sinken und andere Stressfaktoren wie Überfischung und Meeresverschmutzung werden reduziert. Allerdings haben die Korallen aufgrund der zunehmenden Häufigkeit der Bleichen nicht genug Zeit, sich zu erholen.
Meeresforscherinnen und Forscher, die bereits vor einer Erwärmung der Ostsee warnten, haben festgestellt, dass eine Erholung sieben bis 15 Jahre dauern kann. „Eine realistische Annahme ist, dass wir einen Kipppunkt bei den Korallenriffen überschritten haben“, so ein Forscher aus Kenia. Die Korallen befinden sich laut ihm in einer „Abwärtsspirale, die nicht zu stoppen ist“, wenn die CO₂-Emissionen nicht drastisch reduziert werden.
Korallenriffe haben viele wichtige Funktionen – Projekte zur Rettung gestartet
Korallen sind nicht nur für den Tourismus von Bedeutung, sie spielen auch eine wichtige Rolle für die Biodiversität von Fischen. Sie bieten anderen Meerestieren wie Fischen, Krebsen oder Seeigeln Schutz und Nahrung. Ein Korallensterben kann daher weltweit Einfluss auf die Fischbestände nehmen. Darüber hinaus schützen Korallenriffe Küstenabschnitte, indem sie starke Strömungen, die zu Sturmfluten führen können, im Meer abbremsen.
Es gibt bereits Projekte zur Rettung der Korallen, wie zum Beispiel in Florida. Dort wurden nach der extremen Hitzewelle im Jahr 2023 Maßnahmen ergriffen und „bedeutende Fortschritte“ erzielt. Die Korallenriffe wurden in tiefere, kühlere Gewässer verlegt und Sonnenschirme wurden eingesetzt, um die Korallen vor dem Bleichen zu schützen. Die Forschenden fordern globale Maßnahmen zur Korallenrestauration im Angesicht des Klimawandels.
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