VonMartina Lipplschließen
Moritz Bletzingerschließen
Der Start in das neue Jahr ist in Deutschland von schweren Vorfällen überschattet. Mindestens fünf Menschen starben durch Böller und Feuerwerk. Alle Nachrichten im News-Ticker.
Update vom 1. Januar, 12 Uhr: Polizei, Notärzte und Feuerwehr waren an Silvester in zahlreichen Städten gefordert. Große Krawalle blieben aber aus. Der Jahreswechsel ist nach Angaben von Behörden vielerorts „weitgehend friedlich verlaufen“.
In Berlin feierten zehntausende Menschen am Brandenburger Tor. Hamburg zieht eine durchweg positive Bilanz. „Wir blicken auf eine vergleichsweise ruhige Nacht mit silvestertypischem Einsatzgeschehen zurück“, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün in einer Mitteilung.
Allerdings gab es mindestens fünf Tote durch Böller und auch Verletzte. Es kam zu zahlreichen Bränden, teilweise durch Feuerwerkskörper. So geriet etwa der Dachstuhl eines Wohnhauses in Enzklösterle (Landkreis Calw) in der Nacht in Brand – vermutlich ausgelöst durch eine Silvesterrakete. Verletzt wurde niemand. Den Schaden schätzte die Polizei auf rund 200.000 Euro.
Berichte von Angriffen auf Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr gibt es nicht nur aus Berlin, München, Köln und Hamburg.
Polizei bei Notarzt-Einsatz in Kiel angegriffen
Update vom 1. Januar, 11.50 Uhr: Bei einem Notarzteinsatz wurde die Polizei in Kiel nach eigenen Angaben von einer größeren Menschengruppe attackiert. Streifenwagen seien vor dem Notarzt eingetroffen und von etwa 70 bis 80 Menschen angegangen worden. Durch den Einsatz eines Diensthundes und Pfefferspray sei es gelungen, dem Notarzt die Arbeit zu ermöglichen.
Zweijähriger durch Feuerwerkskörper schwer verletzt
Update vom 1. Januar, 11 Uhr: Auch Kinder wurden dieses Jahr durch Pyrotechnik schwer verletzt, darunter ein Zweijähriger in München. Der Junge erlitt Verbrennungen an Hand, Hals und Gesicht, teilte die Feuerwehr mit. Unabhängig davon musste ein Elfjähriger mit Verbrennungen in eine Klinik gebracht werden. Ein 14-Jähriger habe sich Teile der Hand mit einem Silvesterböller weggesprengt. In Bochum (NRW) wurde ein Zehnjähriger wahrscheinlich durch einen Böller schwer an der Hand verletzt. Die Polizei sucht Zeugen.
Silvesterfeier eskaliert bei Feuerwerk
Update vom 1. Januar, 10.15 Uhr: Eine Silvesterfeier ist kurz nach Mitternacht in Suhl (Thüringen) eskaliert. Zunächst feierten etwa 50 Menschen auf der Straße in Dietzenhausen das Neue Jahr mit Feuerwerk. Dabei wurden Feuerwerkskörper und Raketen auf Personen geworfen, berichtet die Polizei. Eine Person wurde von einer Rakete getroffen und leicht verletzt. Auch die Oberbekleidung sei beschädigt worden. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte sei die Gruppe auf der Hauptstraße auf 100 Personen angewachsen und behinderte den Durchgangsverkehr. Statt dem Platzverweis der Polizei Folge zu leisten, seien weiterhin Feuerwerkskörper auch in Richtung der Beamten gezündet worden.
Update vom 1. Januar, 9.44 Uhr: In Berlin wurde ein Polizeibeamter am Bein mutmaßlich durch einen illegalen Feuerwerkskörper schwerverletzt. Er musste notoperiert werden (siehe Update von 6.30 Uhr). Der Polizist habe sehr stark geblutet, berichtet der Tagesspiegel. Auch eine Kollegin sei bei dem Einsatz im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg von Splittern an der Hand verletzt worden.
„Das ist einer der Tiefpunkte des heutigen Abends“, sagte Polizeisprecher Florian Nath der Zeitung. Polizisten seien auf einer Kreuzung von umstehenden Personen angegriffen worden. Schon zuvor sollen sich dort Gruppen den gesamten Abend über mit Feuerwerk beschossen haben. Ein Beamter sagt dem Tagesspiegel: „Sowas haben wir noch nicht erlebt. Die haben Silvester mit Krieg verwechselt.“
Update vom 1. Januar, 9 Uhr: Beim Zünden von Böllern haben Menschen Finger oder Teile ihrer Hand verloren. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn meldet inzwischen „15 Bölleropfer“ – Stand 9 Uhr. Dabei wären fünf davon durch sogenannte „Kugelbomben schwer an Händen, Gesicht und Augen verletzt – leider auch Kinder“, schreibt das UKB auf X. Erfahrungsgemäß steige laut den Notfallmedizinern die Opferzahl am Neujahrstag, wenn der Alkohol abgeklungen sei. Viele Bölleropfer würden dann erst merken, wie schwer sie sich verletzt haben. Alle Handchirurgen seien nach Angaben des Krankenhauses im Dienst.
Tragischer Verkehrsunfall an Silvester: Frau stirbt mit ihrem Hund
Update vom 1. Januar, 8.37 Uhr: Eine junge Frau ist mit ihrem Hund bei einem Verkehrsunfall an Silvester im Rems-Murr-Kreis (Baden-Württemberg) ums Leben gekommen. Die 33-Jährige war mit ihrem Volvo auf der Landstraße unterwegs, als sie in einer Linkskurve die Kontrolle über ihren Wagen verlor. Das Auto krachte, laut Angaben der Polizei, zunächst gegen ein Verkehrszeichen und anschließend gegen mehrere Bäume. Einer der Bäume fiel dann auf den Wagen der Frau. Die 33-Jährige verstarb aufgrund ihrer schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle. Auch ihr Hund, der sich im Auto befand, überlebte den Unfall nicht, so die Polizei.
Update vom 1. Januar, 6.30 Uhr: In der Silvesternacht gab es Tote und Verletzte. Es ist eine traurige Bilanz: Am Rande des Ortes Geseke in Nordrhein-Westfalen starb ein 24-Jähriger bei der Explosion eines Böllers. In Hamburg starb ein 20-Jähriger bei der Explosion eines selbstgebauten Böllers. In Sachsen wurden zwei Menschen durch Feuerwerk tödlich verletzt. Ein anderer Mensch wurde in der Nacht im Norden von Brandenburg tödlich verletzt, ein weiterer schwebte in Lebensgefahr.
Ausschreitungen in der Silvesternacht in mehreren Städten
In Berlin nahm die Polizei nach eigenen Angaben 330 Menschen fest. Laut erster vorläufiger Bilanz vom frühen Morgen wurden 13 Polizisten verletzt, davon einer schwer. Er sei mutmaßlich von einem illegalen Feuerwerkskörper getroffen worden und musste noch in der Nacht am Bein operiert werden. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sowie Rettungskräfte seien beschossen worden.
In Leipzig griffen etwa 50 Menschen Einsatzkräfte der Polizei mit Feuerwerk und Flaschen an. In Köln wurden nach Angaben der dortigen Polizei zwei Beamte durch Böller verletzt. Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr seien mit Feuerwerkskörpern beschossen worden. Ähnliche Berichte gibt es auch aus Hamburg.
In München randalierten mehrere Hundert Menschen und griffen laut Polizei Beamte an. Eine Polizeisprecherin sprach von schätzungsweise 200 bis 300 Personen aus dem linken Spektrum auf der Wittelsbacherbrücke.
Update vom 31. Dezember, 12.50 Uhr: Ein 16-Jähriger in Pirna ist schwer an der Hand verletzt worden. Hintergrund ist die Explosion eines illegalen Silvesterböllers. Laut der Polizei in Dresden hatte der Jugendliche auf offener Straße mit dem im nahegelegenen Tschechien erworbenen Knallkörper hantiert. Dieser detonierte in seiner linken Hand. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn in ein Krankenhaus.
Nur noch ein Finger der verletzten Hand sei funktionsfähig, so ein Polizeisprecher. Bei dem Unglück sei ein 15-jähriger Freund des Verletzten dabei gewesen. Die Einsatzkräfte hätten bei den Jugendlichen noch weitere illegale Böller aus Tschechien sichergestellt. Zuvor hatte die Bild über den Vorfall berichtet.
Update vom 31. Dezember, 10.12 Uhr: Nicht nur in der Silvester-Nacht werden in Deutschland allerhand Feuerwerkskörper gezündet. Mit dem Verkaufsstart werden bereits Tage vorher allerhand Raketen und Böller gezündet. So war etwa die Polizei in Berlin in der Nacht vor Silvester wegen des unerlaubten Abbrennens von Feuerwerk „im Dauereinsatz“, schilderte ein Polizeisprecher.
Besonders viele Einsätze gebe es in Schöneberg und Neukölln. „Es ist eine Vielzahl von Personen überprüft worden“, so der Sprecher. Angaben zu Verletzten lägen noch nicht vor. Es seien aber mehrere Personen in Schöneberg festgenommen worden, die Pyrotechnik auf Verkehrsteilnehmer geschossen haben sollen – darunter auch ein 14-Jähriger. An dieser Kreuzung im Steinmetzkiez gilt eigentlich ein Böller-Verbot. Zu Silvester sei die Gegend seit Jahren ein „absoluter Brennpunkt“, so der Sprecher.
Krawalle an Silvester 2024 – Unbekannte sprengen Blitzer
In Auerbach im Vogtland haben dagegen Unbekannte einen Blitzer auf der B169 gesprengt. Dadurch wurde die Geschwindigkeitsmessanlage stark beschädigt und ist nicht mehr funktionsfähig, so die Polizei in einer Mitteilung. Laut Focus könnten auch hier Feuerwerkskörper eingesetzt worden sein. Es seien abgebrannte Böller am Tatort gefunden worden.
Mit vielen Einsätzen rechnen zu Silvester auch die Feuerwehren in Deutschland. Wegen des Gebrauchs von Pyrotechnik gebe es schon mehr zu tun, schilderte Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, der dpa. „Es gibt immer wieder Fälle, wo Menschen Feuerwerk falsch benutzen, Raketen aus der Hand abschießen oder sich gar Feuerwerk aus dem Ausland besorgen, was nicht nach den deutschen Sicherheitsbestimmungen ausgelegt ist.“
Erstmeldung: München – Insgesamt 3316 Einsätze zählte die bayerische Polizei in der Neujahrsnacht zum 1. Januar 2024. Etwas weniger als im Vorjahr. Aber viel zu tun. „Konsequentes Einschreiten und eine starke Polizeipräsenz“ habe sich bewährt, sagte Innenminister Joachim Herrmann.
Silvester-Tumulte in Deutschland: Polizei auch 2024 in Sorge
Auch in Berlin, wo das Silvesterfest im Vorjahr völlig eskaliert war, fällte die Polizeigewerkschaft eine gemischte Bilanz. Immerhin blieben Ausschreitungen aus, trotzdem zählte die Berliner Polizei 54 verletzte Kolleginnen und Kollegen, 30 davon durch Pyrotechnik.
Sorge vor Krawallen und Randale bestimmt die Gefühlslage der Polizei vor Silvester. Und so appelliert die Berliner Polizei 2025 erneut. Dieses Jahr fällt die Methode etwas altmodischer aus und richtet sich konkret an Eltern.
Polizei Berlin schickt vor Silvester Briefe an Eltern: „Gehen Sie mit gutem Beispiel voran“
In einem Brief, der an zahlreiche Schulen und von dort an Eltern geschickt wurde, mahnt die Polizei. Eltern sollen an Silvester auf ihre Kinder aufpassen und sie von Gewalttaten abhalten. „Angriffe auf Einsatzkräfte sind eine Straftat. Polizei und Feuerwehr arbeiten, um Menschen zu retten, Feuer zu löschen oder Gewalt zu beenden.“
Außerdem betont die Polizei, wie gefährlich das Zünden von Feuerwerk sein kann. Und die Behörde erinnert: Böllern ist nur vom 31. Dezember ab 18 Uhr bis zum 1. Januar um 7 Uhr erlaubt. Bei Verstößen können Bußgelder bis zu 10.000 Euro fällig werden.
„Damit Sie und Ihre Kinder sicher und gesund in das neue Jahr starten, sprechen Sie bitte mit Ihren Kindern und gehen Sie mit gutem Beispiel voran“, bittet die Polizei. Und betont, dass Gas- und Schreckschusswaffen auch an Silvester nicht benutzt werden dürfen. (moe)
Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa



