VonJana Stäbenerschließen
Viele Jugendliche treffen nach der Schule eine Entscheidung, mit der sie „Gefahr laufen, langfristig schlechter dazustehen“, warnt eine Expertin.
Darüber, dass die Gen Z Bock auf stupide Jobs hat, haben wir schon vor Monaten berichtet. Nun zeigt eine neue Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung: 20 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler wollen nach ihrem Schulabschluss lieber direkt arbeiten, statt eine Ausbildung zu beginnen. Besonders hoch ist der Wunsch direkt zu arbeiten bei Jugendlichen mit niedrigem Schulbildungsniveau (25 Prozent).
Diese Jugendlichen liefen „Gefahr, langfristig schlechter dazustehen“, warnt die Bildungsexpertin Helen Renk von der Bertelsmann-Stiftung bei BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. „Ohne Berufsabschluss steigt das Risiko enorm, im Laufe des Lebens arbeitslos zu werden oder deutlich weniger zu verdienen.“ Im Schnitt 580.000 Euro Unterschied seien das aufs ganze Leben gerechnet. Bedeutet, dass es Kindern ein Leben lang schaden könnte, wenn sie sich im letzten Schuljahr gegen eine Ausbildung entscheiden.
Trend bei Ausbildungen: „Schaden für die Wirtschaft ist enorm“
„Diese Konsequenzen müssen wir jungen Menschen an Schulen klarer kommunizieren“, fordert Renk. Denn viele Jugendliche entschieden sich gegen eine Ausbildung, weil sie die Ausbildungsvergütung als zu gering empfinden. Kurzfristig erschienen ihnen Helferjobs, wie Essens- oder Paketlieferant, attraktiver. Ein weiterer Grund, warum vor allem Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen keine Ausbildung starten, sei, dass sie ihre Chancen „zurecht pessimistisch“ einschätzen. Mehr als ein Drittel von ihnen (35 Prozent) glaubt nicht daran oder ist sich nicht sicher, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
„Sie scheitern deutlich häufiger bei Bewerbungen und erleben immer wieder Absagen – das ist frustrierend. Manche versuchen es deshalb gar nicht erst“, sagt die Bildungsexpertin BuzzFeed News Deutschland. Die Befragungen der Bertelsmann-Stiftung zeigten, dass Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau viel größere Probleme im Bewerbungsprozess haben, während es jungen Menschen mit höheren Schulabschlüssen besonders an Orientierung fehle. „Sie wissen häufig nicht, in welchem Bereich sie arbeiten wollen.“
Schon jetzt gebe es fast drei Millionen junge Menschen in Deutschland ohne Berufsabschluss. „Das ist alarmierend – besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel“, sagt Renk. „Der Schaden für die Wirtschaft ist enorm.“ Wie eine neue Studie des IW zeigt, fehlen bis 2028 rund 770.000 Fachkräfte. Deswegen komme „es auf jede und jeden an – auch auf diejenigen mit niedrigem oder ohne Schulabschluss.“ Neben einem besseren Azubi-Gehalt müsse die Ausbildung für alle jungen Menschen zugänglich und die „berufliche Orientierung stärker auf ihre individuellen Bedürfnisse“ ausgerichtet werden.
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