Die große Gefahr für Titanic-Touristen: Experten erklären, worauf es für die Insassen jetzt ankommt
VonMichelle Brey
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Sie wollten das Wrack der „Titanic“ aus nächster Nähe sehen. Auf dem Weg dorthin sind fünf Abenteurer mit ihrem U-Boot verschollen.
München - Die Augen vieler sind auf den Atlantik gerichtet. Dort suchen Rettungskräfte in der Nähe des berühmten „Titanic“-Wracks in einem Wettlauf gegen die Zeit nach einem U-Boot mit fünf Insassen. Das Gefährt wird seit Sonntagvormittag (Ortszeit) vermisst. Die knapp sieben Meter kleine „Titan“ soll laut dem Expeditions-Unternehmen ausreichend Sauerstoff für 96 Stunden haben. Experten zeigen sich mit Blick auf die Chance, das U-Boot noch rechtzeitig zu finden, pessimistisch. Auch ein Sachverständiger aus Deutschland schätzte die Lage ein.
Name des Tauchbootes\t
Titan
Expeditions-Unternehmen\t
Oceangate Expeditions
Start des Tauchgangs\t
Sonntag, 18. Juni
Tauchtiefe\t
4000 Meter
Titanic-U-Boot verschwunden: Fünf Menschen sind an Bord
„Ganz realistisch muss man leider davon ausgehen, dass es ein größeres Problem an Bord des Bootes gegeben hat“, sagte Fregattenkapitän a.D. Jürgen Weber gegenüber Bild.de. Ein Antriebsschaden sei möglich, so der ehemalige Kommandant der Bundesmarine, der auch auf die Extrem-Situation der Insassen des Titanic-U-Bootes einging. Die Besatzung an Bord sieht folgendermaßen aus:
Paul-Henri Nargeolet, französischer Forscher und einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack. Er trägt daher den Spitznamen „Mr Titanic“.
Hamish Harding, britischer Abenteurer. Er hält mehrere Guinness-Weltrekorde, darunter den längsten Tauchgang im Marianengraben, dem tiefsten Ort der Erde, im März 2021. Im Juni 2022 flog er mit der „Blue Origin“ von Jeff Bezos ins All.
Shahzada Dawood, britisch-pakistanischer Unternehmensberater, und dessen 19 Jahre alter Sohn Suleman.
Stockton Rush, der CEO von Oceangate.
Es sei schwer einzuschätzen, ob Menschen, die die U-Boot-Fahrt zur „Titanic“ gekauft hatten, die Ruhe bewahren könnten, so Weber. Dabei sei genau das entscheidend, wie er gegenüber der Zeitung betonte. „Es kommt darauf an, die Ruhe in der kleinen Gruppe zu wahren. Sauerstoff sparen und hoffen, dass von oben alles getan wird, um Hilfe zu bringen. So kann der Vorrat auch länger als 96 Stunden halten.“
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
„Großes Problem“: Extrem-Situation für Insassen des verschwundenen U-Bootes „Titan“
Ähnlich hatte sich auch der ehemalige U-Boot-Offizier Frank Owen gegenüber der BBC geäußert. Die größte Herausforderung für die Eingeschlossenen sei es, ruhig zu bleiben und nicht zu viel Sauerstoff zu verbrauchen. „Die Situation in solch kleinen Booten ist noch einmal extremer, weil alles noch beengter ist“, führte Weber gegenüber Bild.de weiter aus. Ähnlich schwierige Bedingungen nannte auch der Ozeanologe Simon Boxall von der Universität Southampton der BBC. „Es wird heiß sein, es wird beengt sein.“
Mit Menschen, die nicht für Krisensituationen ausgebildet worden seien, könne das „ein großes Problem werden“, so Weber. In einer ruhigen Position bewusst und ruhig zu atmen, nannte er als Option. Auch den Schlaf sprach der Experte als Möglichkeit an Sauerstoff zu sparen. „Das senkt den Puls und die Atemzüge pro Minute“, erklärte er.
Verschwundenes „Titanic“-U-Boot“: Schwierige Bedingungen für Insassen - „Heiß“ und „beengt“
Mit Nargeolet, einem ehemaligen Marinetaucher, und Abenteurer Harding sind mindestens zwei erfahrene Insassen an Bord. Eine Rettungskapsel gibt es in dem U-Boot allerdings nicht. Auf ehemalige Passagiere wirkte das Tauchboot „improvisiert“. Ein Ausstieg, erklärte Ozeanologe Boxall, sei unmöglich.
„Also sind sie völlig darauf angewiesen, dass das Tauchboot gefunden wird“, so die Schlussfolgerung. Die Suche an sich sei jedoch wie die „nach einer Nadel im Heuhaufen“, erklärte Weber gegenüber Bild.de. Auch die Küstenwache zeichnete ein bedrückendes und „düsteres“ Szenario. (mbr/dpa)