Verschwundenes U-Boot

Die große Gefahr für Titanic-Touristen: Experten erklären, worauf es für die Insassen jetzt ankommt

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Sie wollten das Wrack der „Titanic“ aus nächster Nähe sehen. Auf dem Weg dorthin sind fünf Abenteurer mit ihrem U-Boot verschollen.

München - Die Augen vieler sind auf den Atlantik gerichtet. Dort suchen Rettungskräfte in der Nähe des berühmten „Titanic“-Wracks in einem Wettlauf gegen die Zeit nach einem U-Boot mit fünf Insassen. Das Gefährt wird seit Sonntagvormittag (Ortszeit) vermisst. Die knapp sieben Meter kleine „Titan“ soll laut dem Expeditions-Unternehmen ausreichend Sauerstoff für 96 Stunden haben. Experten zeigen sich mit Blick auf die Chance, das U-Boot noch rechtzeitig zu finden, pessimistisch. Auch ein Sachverständiger aus Deutschland schätzte die Lage ein.

Name des Tauchbootes\tTitan
Expeditions-Unternehmen\tOceangate Expeditions
Start des Tauchgangs\tSonntag, 18. Juni
Tauchtiefe\t4000 Meter

Titanic-U-Boot verschwunden: Fünf Menschen sind an Bord

„Ganz realistisch muss man leider davon ausgehen, dass es ein größeres Problem an Bord des Bootes gegeben hat“, sagte Fregattenkapitän a.D. Jürgen Weber gegenüber Bild.de. Ein Antriebsschaden sei möglich, so der ehemalige Kommandant der Bundesmarine, der auch auf die Extrem-Situation der Insassen des Titanic-U-Bootes einging. Die Besatzung an Bord sieht folgendermaßen aus:

  • Paul-Henri Nargeolet, französischer Forscher und einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack. Er trägt daher den Spitznamen „Mr Titanic“.
  • Hamish Harding, britischer Abenteurer. Er hält mehrere Guinness-Weltrekorde, darunter den längsten Tauchgang im Marianengraben, dem tiefsten Ort der Erde, im März 2021. Im Juni 2022 flog er mit der „Blue Origin“ von Jeff Bezos ins All.
  • Shahzada Dawood, britisch-pakistanischer Unternehmensberater, und dessen 19 Jahre alter Sohn Suleman.
  •  Stockton Rush, der CEO von Oceangate.

Es sei schwer einzuschätzen, ob Menschen, die die U-Boot-Fahrt zur „Titanic“ gekauft hatten, die Ruhe bewahren könnten, so Weber. Dabei sei genau das entscheidend, wie er gegenüber der Zeitung betonte. „Es kommt darauf an, die Ruhe in der kleinen Gruppe zu wahren. Sauerstoff sparen und hoffen, dass von oben alles getan wird, um Hilfe zu bringen. So kann der Vorrat auch länger als 96 Stunden halten.“

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

„Großes Problem“: Extrem-Situation für Insassen des verschwundenen U-Bootes „Titan“

Ähnlich hatte sich auch der ehemalige U-Boot-Offizier Frank Owen gegenüber der BBC geäußert. Die größte Herausforderung für die Eingeschlossenen sei es, ruhig zu bleiben und nicht zu viel Sauerstoff zu verbrauchen. „Die Situation in solch kleinen Booten ist noch einmal extremer, weil alles noch beengter ist“, führte Weber gegenüber Bild.de weiter aus. Ähnlich schwierige Bedingungen nannte auch der Ozeanologe Simon Boxall von der Universität Southampton der BBC. „Es wird heiß sein, es wird beengt sein.“

Mit Menschen, die nicht für Krisensituationen ausgebildet worden seien, könne das „ein großes Problem werden“, so Weber. In einer ruhigen Position bewusst und ruhig zu atmen, nannte er als Option. Auch den Schlaf sprach der Experte als Möglichkeit an Sauerstoff zu sparen. „Das senkt den Puls und die Atemzüge pro Minute“, erklärte er.

Verschwundenes „Titanic“-U-Boot“: Schwierige Bedingungen für Insassen - „Heiß“ und „beengt“

Mit Nargeolet, einem ehemaligen Marinetaucher, und Abenteurer Harding sind mindestens zwei erfahrene Insassen an Bord. Eine Rettungskapsel gibt es in dem U-Boot allerdings nicht. Auf ehemalige Passagiere wirkte das Tauchboot „improvisiert“. Ein Ausstieg, erklärte Ozeanologe Boxall, sei unmöglich.

„Also sind sie völlig darauf angewiesen, dass das Tauchboot gefunden wird“, so die Schlussfolgerung. Die Suche an sich sei jedoch wie die „nach einer Nadel im Heuhaufen“, erklärte Weber gegenüber Bild.de. Auch die Küstenwache zeichnete ein bedrückendes und „düsteres“ Szenario. (mbr/dpa)

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