Angst vor dem Winter

Baumärkten gehen die Öfen aus – Kaminholz ist „das neue Klopapier“

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Aus Angst vor dem Winter stürmen die Menschen derzeit in die Baumärkte, um vorzusorgen und alternative Heizmittel zum teuren Gas zu kaufen. Doch Heizlüfter und Brennholz gehen dort bereits zur Neige.

Bremen – Das Thema Gas beherrscht diesen Sommer und viele Menschen treibt daher die Angst vor dem Winter um. Durch die Pipeline Nord Stream 1 , die wegen Wartungsarbeiten zwischenzeitlich ganz abgestellt war, fließt nun zwar wieder Gas, jedoch deutlich weniger als eigentlich möglich wäre. Die Sorge davor, dass Russland die Gaslieferungen ganz einstellen und Deutschland dann ein Gasnotstand drohen könnte, bleibt daher bestehen.

Gaskrise lässt Nachfrage nach elektrischen Heizlüftern explodieren

Das führt dazu, dass viele Menschen für den Winter vorsorgen wollen, die sonst auf teures Gas angewiesen wären. Alternative Heizmittel werden aufgrund der drohenden Gaskrise vielerorts zum begehrten Gut, wie tagesschau.de berichtet. Täglich kämen zahlreiche Kunden in die Heizungsabteilung der deutschen Baumärkte und fragten nach „allem, was heizt“. Das treibe aktuell nicht nur die Preise für Heizgeräte in die Höhe, sondern führe auch zu leeren Lagern. In einigen Märkten gebe es schon Wartelisten. Neue Lieferungen könnten aber noch einige Wochen oder Monate auf sich warten lassen, erklärte ein Mitarbeiter dem WDR.

Der Sender hatte eine Anfrage bei den größten deutschen Baumarktketten gestartet, mit dem Ergebnis, dass die ohnehin schon hohe Nachfrage nach Heizalternativen seit dem Beginn des Ukrainekrieges noch einmal rasant angestiegen ist. Mit der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas von der EU, der auch mögliche Rationierungen des Gases in Deutschland beinhaltet, habe es einen regelrechten Ansturm auf Heizmittel gegeben. Seit 24. Juni gilt die Alarmstufe. Die Notfallstufe, die dann greift, wenn die allgemeine Versorgung mit Gas nicht mehr sichergestellt werden kann, gilt derzeit noch nicht.

Brennholz geht wegen der ungewöhnlich hohen Nachfrage vielerorts zur Neige.

Kaminholz ist „das neue Klopapier“: Leergefegte Verkaufsstände in den Baumärkten

Trotz der hochsommerlichen Temperaturen fragten die Kunden derzeit verstärkt nach Heizlüftern, Radiatoren oder Öfen. Aber auch Brennholz und Kaminöfen sind derzeit so begehrt wie sonst kaum. Es komme zu regelrechten Hamsterkäufen. Die Verkaufsständer sind beim Kaminholz leergefegt, wie zu schlimmsten Corona-Zeiten beim Mehl. „Brennholz ist das neue Klopapier“, heißt es dazu sogar auf tagesschau.de. In manchen Baumärkten denke man bereits über eine Rationierung von Feuerholz nach, damit alle etwas bekommen.

Dabei ist das Heizen mit Holz wegen der verhältnismäßig hohen Emissionslast aus Klimaschutzgründen nicht unbedingt die beste Wahl, wie auch das Umweltbundesamt mitteilt. Beim Verbrennen von Holz entstehen nach Aussage der Umweltbehörde neben gesundheitsschädlichen Stoffen auch klimaschädliche Gase und Feinstaub. Bei den derzeit stark steigenden Preisen für Brennholz dürfte es langfristig auch keine besonders kostengünstige Alternative mehr sein.

Elektrisches Heizen nur eine Notfalllösung – aus Kostengründen keine Alternative

Auch das elektrische Heizen zahlt sich weder für die Umwelt aus noch für den eigenen Geldbeutel. Solche Geräte seien laut der Verbraucherzentrale NRW „höchstens eine Lösung für den Notfall“, wie tagesschau.de berichtet – also nur für den Fall geeignet, dass die Versorgung tatsächlich ganz zusammenbricht. Auch aus Kostengründen spreche nur wenig dafür, da derzeit gerade der Energiemarkt wegen der Gaskrise stark anzieht.

Die Bundesregierung und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) setzen eher auf Wärmepumpen als Alternative zur Gasheizung. Ab 2024 soll der Ausbau solcher Systeme massiv vorangetrieben werden. Was dafür spricht: Wärmepumpen benötigen keine fossilen Brennstoffe. Sie nutzen die vorhandene Wärme aus der Luft oder dem Boden.

Experten raten: Gasheizungen vom Fachmann warten lassen, um Verbrauch zu senken

Wichtig ist aber auch, die vorhandenen Gasheizungen im eigenen Haushalt von einem Heizungsmonteur untersuchen zu lassen. Eine ordentlich gewartete Heizung habe eine bessere Verbrennung und heize damit effektiver, wie unter anderem der NDR berichtet. Damit könne man den Gesamtverbrauch auch schon ein wenig senken, was Gas spart. Zudem würden beim Betrieb weniger Emissionen entstehen, wenn Brenner und Kessel sauber sind.

Wer sich darüber hinaus dazu entschließe, die Heiztemperatur um nur ein oder zwei Grad abzusenken, der könnte jährlich rund hundert Euro einsparen. In Zeiten, in denen alles auf Sparen steht, ein einfaches und wohl auch kostengünstigeres Mittel als das Umsteigen auf Holz- oder Elektroöfen.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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