„Der Preis sind Menschenleben“

Verheerende Studie prognostiziert 14,5 Millionen Klima-Tote bis 2050

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Der Klimawandel wird die Gesundheit von Millionen Menschen in den nächsten Jahrzehnten erheblich gefährden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Davos – Extreme Wetterereignisse, Wasserknappheit, Ernteausfällen und steigender Meeresspiegel sind einige der weltweiten Folgen des Klimawandels. Einer aktuellen Prognose zufolge, die das Weltwirtschaftsforum in Davos und das Beratungsunternehmen Oliver Wyman vorlegten, könnte die Erderwärmung verheerende Konsequenzen für die Gesundheit von Millionen Menschen haben.

Die Folgen des Klimawandels: Überschwemmungen sind tödlichstes Risiko

Anhand von sechs Phänomenen wurden gesundheitlichen Auswirkungen betrachtet: Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, tropische Stürme, Waldbrände und der Anstieg des Meeresspiegels. Angenommen wird dabei unter anderem ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad Celsius. Das Ergebnis ist erschreckend: Bis zum Jahr 2050 könnte der Klimawandel bis zu 14,5 Millionen Todesfälle verursachen, heißt es in dem Report.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Besonders Überschwemmungen, wie einst im Ahrtal, würden mit 8,5 Millionen Toten das höchste Risiko für klimabedingte Sterblichkeit darstellen. Dürre-Perioden seien mit voraussichtlich 3,2 Millionen Todesfällen die zweithäufigste Ursache. 2023 war bereits das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Klimawandel schadet der Gesundheit: Gefahr von sich ausbreitenden Krankheiten

Besonderer Druck liegt zudem auf den ohnehin schon vielerorts überlasteten Gesundheitssystemen. Bis 2050 seien zusätzliche Kosten in Höhe von 1,1 Billionen US-Dollar erwartbar. Durch weltweit steigende Temperaturen wurde zugleich ein Anstieg von Mückenpopulationen prognostiziert. Das führe wiederum zu einer Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, Denguefieber und dem Zika-Virus. Auch bisher weniger betroffene Klimazonen wie Europa und die USA könnten davon künftig betroffen sein.

Die Folgen der Klimakrise zeigen sich am Staudamm Mumcular in der Türkei. Der einst stattliche Stausee liegt zusammengeschrumpft inmitten vertrockneter und aufgerissener Erde im Osten des Urlaubsorts Bodrum.

Bestimmte Bevölkerungsgruppen seien besonders stark von den tödlichen Auswirkungen des Klimawandels betroffen, darunter Frauen, Kinder, ältere und einkommensschwache Menschen sowie schwer zugängliche Gemeinschaften. Anfällig seien Regionen in Afrika und Südasien.

„Der Preis sind Menschenleben“: Klimawandel könnte bis 2025 Millionen Tote fordern

Anders als bei der Corona-Pandemie könnten sich Regierungen und Interessengruppen auf diese Entwicklung noch vorbereiten, betonten die Studienautorinnen und -autoren. Die Ergebnisse des Berichts sollen am Donnerstag (18. Januar) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert werden. Den Auftakt des Gipfeltreffens bildete bereits eine Konferenz zum Ukraine-Krieg

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen im November auch Forschende des University College London in Großbritannien. Demnach werde die Zahl der Hitzetote bis 2025 um 370 Prozent steigen, berichtete Forschung & Lehre, eine Zeitschrift über Hochschulpolitik und Wissenschaft. „Nichtstun wird uns teuer zu stehen kommen, der Preis dafür sind Menschenleben“, wurde damals Studienleiterin Marina Romanello zitiert.

Derweil gehen Forschende auch davon aus, dass in 30 Jahren die Hauptquelle des Rheins versiegt. In den USA spaltet der Klimawandel weiterhin Wählerschaft und Parteien. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © Mirjam Schmitt/dpa

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