„Ich wusste, dass sie es da finden“: Titanic-Regisseur Cameron rastet im Video aus
VonJohannes Nuß
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Nach der Implosion des Mini-U-Boots „Titan“ während eines Tauchgangs zum Wrack der Titanic, meldet sich nun Regisseur James Cameron zu Wort – und flippt aus.
München – Auch Tage nach dem tragischen Unglück des Tauchboots „Titan“, das sich auf dem Weg zum Wrack der Titanic befand, als es vom Radar verschwand, reißen die Nachrichten nicht ab. Jetzt hat sich Regisseur James Cameron (68) in einem Video zu Wort gemeldet. Darin geht der Regisseur des Films „Titanic“ von 1997 die Verantwortlichen harsch an und macht ihnen schwere Vorwürfe.
„Ich wusste, dass sie es da finden“: Titanic-Regisseur Cameron rastet nach der „Titan“-Implosion im Video aus
„Titan, Titanic, wissen Sie, der Größenwahn, die Arroganz. Das ist alles wieder da“, so Cameron in dem Video, veröffentlicht von der internationalen Nachrichtenagentur Reuters. Es habe „ziemlich lautstarke Warnungen“ aus Expertenkreisen gegeben, die in den Wind geschlagen worden seien. „Es ist eine große Ironie, dass da jetzt ein weiteres Wrack neben der Titanic liegt, und zwar aus dem gleichen Grund“ – weil die Warnungen nicht beachtet worden seien, sagte Cameron erzürnt.
„Als ich am Montag zum ersten Mal von dem Zwischenfall gehört habe, habe ich angefangen, E-Mails zu schreiben und Anrufe zu tätigen. Innerhalb von anderthalb Stunden hatte ich die folgenden Informationen: Sie tauchten ab und sie waren in gut 1000 Meter Tiefe, als Kommunikation und Ortung ausfielen.“
US-Küstenwache soll Geräusch der „Titan“-Implosion schon am Sonntag (18. Juni) gehört haben
Letzteres sei von entscheidender Bedeutung, so der Titanic-Kenner weiter. „Denn der Transponder, mit dem ein U-Boot während des Abstiegs und auf dem Grund verfolgt wird, ist ein völlig autonomes System.“ Laut Cameron befindet sich der Transponder in einem eigenen Druckgehäuse und verfügt über eine eigene Batterie. „Mit dem gleichzeitigen Verlust von Kommunikation und Ortung war das U-Boot weg. Keine Frage, ich habe tagelang versucht, andere Szenarien durchzuspielen, die das erklären könnten, aber mir ist nichts eingefallen.“
Wie es in mehreren Berichten amerikanischer Medien heißt, soll die US-Küstenwache schon am Sonntag ein Geräusch wahrgenommen haben, das von der Implosion stammen könnte. Daraufhin sei das Suchgebiet eingegrenzt worden.
„Suche, Suche, Suche! Das U-Boot war genau da. Es war auf dem Meeresgrund und an der letzten bekannten Position“, so Cameron in dem Video weiter. „Das ist doch der erste Ort, an dem man sucht – an der letzten bekannten Position. Man rennt nicht überall herum, mit Flugzeugen, Zügen und Autos auf der Suche. Es war genau da, als es implodiert ist. Ich wusste, dass sie es da finden würden.“
Nach der „Titan“-Implosion: Titanic-Regisseur James Cameron erhebt schwere Vorwürfe
Cameron kritisiert in dem Video auch die Zusammensetzung des U-Boots mit Verbundstoffen. „Es klang von Anfang an schlecht, weil wir Druckkörper aus zusammenhängendem Material herstellen. Stahl, Titan, Keramik, Acryl – das kann man modellieren. Mit einem Verbundwertstoff ist das nicht möglich, weil es sich um zwei unterschiedliche Materialien handelt, die irgendwie miteinander verbunden sind.“
Cameron sagt in dem Video, es sei bekanntgewesen, dass das U-Boot habe versagen können: „Nicht gleich beim ersten Tauchgang, nachdem es den Drucktest bestanden hat, aber beim siebten oder der wievielte das jetzt war.“ Mit Stahl oder Titan wäre das Unglück nach Ansicht von Cameron nicht geschehen.
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Cameron, der im Jahr 1997 mit seinem Hollywood-Film über das Schicksal des Luxusdampfers „Titanic“ große Erfolge feierte, gilt selbst als erfahrener Tiefsee-Entdecker. Er tauchte selbst 33 Mal zum Wrack der „Titanic“. (jon)