Anzeichen für nahenden Ausbruch

„Ich habe Angst und zittere“: Supervulkan-Schwarmbeben direkt unter Wohngebiet in Italien

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    Moritz Bletzinger
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Über 60 Erdbeben in Italien weisen auf eine gefährliche Aktivität im Supervulkan hin. Ein Ausbruch könnte unmittelbar bevorstehen.

Pozzuoli – Die Situation rund um den Supervulkan in den phlegräischen Feldern im Süden von Italien verschärft sich erneut. Am Donnerstagabend (8. März) setzte eine nahezu endlose Serie von Erdbeben ein. Bis zum Freitagabend um 22.51 Uhr verzeichnete das nationale Institut für Geochemie und Vulkanforschung (INGV) mehr als 60 Beben. Danach kam der Schwarm von Erdbeben abrupt zum Stillstand.

Warnzeichen am Supervulkan in Italien: Erdbeben-Serie – Boden wölbt sich nach oben

Schwefeldampfwolken steigen hinter den Wohnhäusern von Pozzuoli auf.

Das erste Beben erreichte eine Stärke von 1,5. Im Laufe der Nacht zum Freitag und auch während des Tages nahmen die Erschütterungen an Intensität zu und erreichten eine Magnitude von 2,3. Teilweise bebte der Boden bis zu dreimal pro Minute. Die Epizentren befanden sich in Tiefen zwischen drei Kilometern und 200 Metern, manchmal waren die Erschütterungen sogar an der Oberfläche spürbar.

Die roten Kreise zeigen die Beben der vergangenen 24 Stunden.

Obwohl die einzelnen Erdstöße nicht besonders stark waren, zeugen sie davon, dass sich der Boden über dem Supervulkan immer stärker wölbt. Seit November 2005 hat sich das Niveau der Hafenstadt Pozzuoli laut INGV um 1,22 Meter erhöht.

Supervulkan-Magma erhitzt Grundwasser: Dampfkessel könnte irgendwann platzen

Die Bodenwölbung wird auf eine Magmakammer in etwa drei Kilometer Tiefe zurückgeführt, die das darüber liegende Grundwasser erhitzt. Man kann sich das wie einen riesigen Dampfkessel vorstellen, aus dem immer wieder Überdruck in Form der kleinen, unaufhörlichen Beben abgelassen wird. Es besteht jedoch die Befürchtung, dass der „Deckel“ dieses gigantischen Dampfkessels irgendwann platzen könnte.

Bei der Explosion des neuseeländischen Vulkans White Island kamen 22 Menschen ums Leben.

Es ist beunruhigend, dass sich während des aktuellen Schwarmbebens, welches eine phreatische Explosion signalisieren könnte, zwei Hauptbereiche herauskristallisieren: Einer davon ist der östliche Teil der Stadt Pozzuoli, wo zahlreiche Wohngebäude stehen. Der andere ist der Hügel Monte Olibano, auf dem die Militärakademie der italienischen Luftwaffe angesiedelt ist.

Erdbebenschwerpunkt liegt unter bewohnten Bereichen

Der Monte Olibano, ein rund 3800 Jahre alter erloschener Lavadom, und das östliche Stadtgebiet von Pozzuoli liegen beide in direkter Nähe des Vulkankraters Solfatara. In diesem Krater befinden sich heiße Schwefelquellen und Fumarolen, aus denen heißes Gas austritt. Am östlichen Fuß der Solfatara brodeln die heißen Quellen und Fumarolen von Pisciarelli. An beiden Standorten werden diverse Messwerte erfasst.

INGV-Bericht schürt Sorge vor Vulkanausbruch in Italien – Einheimische bangen: „Habe Angst und zittere“

Der am Freitag publizierte Monatsbericht des INGV (nationales geographies Institut) für Februar lässt ebenfalls Befürchtungen aufkommen, dass sich die Lage im Supervulkan zuspitzt: „Die Zusammensetzung der Fumarolen und die überwachten Parameter weisen auf die Fortsetzung der mehrjährigen Trends der Erhitzung und Drucksteigerung des hygrothermischen Systems“, so der Bericht. Hierbei bezieht sich das hygrothermische System auf das erhitzte Wasser im Untergrund.

Supervulkan sorgt für Angst und Schrecken – diese Bilder zeigen die spektakulärsten Vulkanausbrüche Italiens

Die Stadt Centuripe westlich von Catania wird vom Ätna überragt.
Der zur Zeit etwa 3357 Meter hohe Ätna bei Catania (hier mit der Stadt Centuripe im Vordergrund) ist der größte aktive Vulkan Europas. Er bricht gewöhnlich mehrmals in einem Jahr aus. Im Jahre 2021 spuckte er fünf Mal Lava, dieses Jahr (2023) bereits zwei Mal. Meistens ergießen sich die Lavaströme aber nicht in bewohntes Gebiet. © Imago/UIG
Eine Eruption des Ätnas
Lava fließt aus dem Krater des Ätna in Richtung Tal - hier im Jahre 2012. Wenn sich neue Spalten an den Flanken des Vulkans bilden, kann es vorkommen, dass der Lavastrom Straßen sich über Seilbahnstationen und Straßen ergießt.  © imago stock&people
Ätna-Ausbruch: Lava überquert eine Straße
Am 18. Juli 2001 ströme nach einem Ausbruch des Ätna aus einer Spalte ein Lavastrom auf die Kleinstadt Nicolosi zu, in der 1983 Lava 20 Häuser verschüttet hatte. Durch das Bespritzen der Lava mit Wasser und dem Bau eines Erdwalls gelang es, dieses Restaurant zu retten. Später brannte die Bergstation der Ätna-Seilbahn aus, als sie die Lava erreicht hatte. © epa ansa Scardino-Ragonese
Ein Deckenfresko zeigt den Lavafluss vom Ätna nach Catania im Jahr 1669.
Der schwerwiegendste Ausbruch des Ätna ereignete sich 1669, als die Lava sich bis in die Hafenstadt Catania ergoss. Sie schloss das zuvor an einer Bucht gelegene Castello Ursino wurde von der Lava umströmt und liegt seitdem mehrere hundert Meter landeinwärts. Gut zehn Ortschaften, darunter Nicolosi und Belpasso, wurden von der Lava verschlungen. Es gab aber keine Tote, da die Lava langsam floss. © wikipedia Fresko von Gioacinto Platania
Eine riesige Aschwolke steigt beim Ausbruch des Vesuv 1944 empor.
Weitaus gefährlicher als der Ätna ist der Vesuv bei Neapel, der meist sehr explosiv ausbricht und bis zu 7000 Grad heiße Gas- und Aschwolken ausstößt. Der letzte Ausbruch ereignete sich am 18. März 1944. Trotz Evakuierung von 12 000 Menschen fanden 26 Einwohner den Tod, die Städtchen Massa di Somma und San Sebastiano wurden nahezu vollständig unter Lava begraben. © Giovanni Manfredonia/Facebook
„Der letzte Tag von Pompeji“, gemalt von Karl Briullov zwischen 1830 und 1833.
Am 24. August 79 n. Chr. ereignete sich der wohl bekannteste Vulkanausbruch der Geschichte: Der Vesuv explodierte unter einer riesigen Pyroklastischen Wolke aus glühend heißem Gas und verschüttete die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer meterhohen Schicht von Asche und Bimsstein. Ein Öl-Gemälde des russischen Malers Karl Briullov (1799 –1852) zeigt, wie er sich die Katastrophe vorstellte. © imago stock&people
Gipsabgüsse der Todesopfer des Vulkanausbruchs des Ätna von 79. n. Chr.
Beim Ausbruch des Vesuv 79. n. Chr. kamen schätzungsweise 5000 Menschen ums Leben. Alleine in Pompeji wurden die Überreste von 1150 Todesopfern ausgegraben. Nachdem sie durch die Gas- und Aschewolken erstickt und verbrannt waren, deckte sie der Ascheregen zu. In den Jahrhunderten danach bildeten sich Hohlräume, die in der Neuzeit durch Gips ausgefüllt wurden. © IMAGO/Vandeville Eric/ABACA
Der Stromboli ist ein Weltkulturerbe der UNESCO.
Der Vulkan Stromboli auf der gleichnamigen Insel ist der aktivste Vulkan der Welt. Im Abstand von wenigen Minuten ereignen sich im Gipfelkrater kleine Eruptionen, die durch Gasblasen verursacht werden, die nach oben steigen. Touristen können das Spektakel von einem Beobachtungspunkt aus betrachten. Doch ab und an gibt es auch aktivere Phasen und auch größere Ausbrüche. Zurzeit ist der Aussichtspunkt am Gipfel wegen einer aktiveren Phase gesperrt. © Imago Robert Francis
Die Raucwolke über dem Stromboli bei der Eruption am 3. Juli 2019
Ab und an gibt es am Stromboli auch schwerere Ausbrüche, wie am 3. Juli 2019. Dabei kam ein Tourist ums Leben, der am Gipfel oberhalb des Kraters den Vulkan beobachtete. Am 11. September 1930 starben drei Inselbewohner durch einen pyroklastischen Strom aus Aschen, Schlacken, Steinen und heißen Gasen. 2002 rutschte bei einer Eruption ein Teil des Gipfels ins Meer, ein Tsunami beschädigte einige Häuser am Ufer, Lavabomben schlugen in den Dörfern ein.  © Mapsism/Facebook
Der Krater des Vullans der Insekl Vulcano
Die Insel Vulcano ist eine Nachbarinsel des Stromboli nördlich von Sizilien. Die Römer glaubten, dass hier der Gott Vulcanus, der Gott des Feuers lebt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. hat sich wahrscheinlich ein heftiger Ausbruch ereignet, dessen Donnern in weiten Teilen Siziliens hörbar war. Im 19. Jahrhundert mussten im Krater Sträflinge Schwefel abbauen. Heute ist Vulcano ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Am Ufer gibt es heiße Quellen, in einem Mini-Krater kann man baden. © Wikipedia/Geak
Die Explosion des Vulcani im Jahr 1888.
Am 3. August 1888 begann der bislang letzte Ausbruch auf Vulcano mit einer Explosion, der rasch weitere und immer heftigere folgten. Lavabomben schlugen drei Kilometer auf den bewohnten Nordteil der Insel ein. Sie durchschlugen die Dächer der Fabrik- und Wohngebäude und setzten die Schwefelvorräte sowie einige an der Mole liegende Schiffe in Brand. Die wenigen Bewohner von Vulcano hatten sich mit Booten gerettet. Die Sträflinge, die zuvor im Krater Schwefel abbauen mussten, flüchteten in Höhlen. Die Aktivität hielt bis 1890 an. © ResearchGate
Die Insel Ferdinandea in einer zeitgenössischen Darstellung von Camillo de Vito (1790-1835).
Im Sommer 1831 tauchte mitten im Meer 60 Kilometer südlich von Sizilien plötzlich eine Vulkaninsel aus dem Meer auf. Die Insel war der Gipfel eines Unterwasservulkans, der damals ausbrach. Der deutsche Forscher Friedrich Hoffmann benannte sie nach dem sizialinischen König Ferdinand II Ferdinandea. Der britischen Kapitän Senhouse beanspruchte das rund 63 Meter hohe und 800 Meter breite Eiland als Graham Island für das britische Empire. Bis zum Winter verschwand die Insel wieder: Durch die Eruption war die Magmakammer leer und der Krater sackte ab. ©  Camillo De Vito/Wikipedia
Der Solfatara-Krater bei Pozzuoli
Der Super-Vulkan der Phlegräischen Felder bei Neapel brach in vorgeschichtlicher Zeit mindestens der Mal verheerend aus: Bei einem einzigen Ausbruch vor 39 280 Jahren löschten die Feuerströme alles Leben im Umkreis von gut 100 Kilometern aus. Rund 10 000 Quadratkilometer Land (etwa die Fläche Niederbayerns) versanken unter einer bis zu 100 Meter dicken Schicht aus Asche. Der Krater mit einem Durchmesser von 16 Kilometer brach ein. Heiße Quellen und Dampfwolken am Solfatara zeugen noch heute von dem Mega-Ausbruch. © IMAGO/Antonio Balasco
Eruption de Monte Nuovo, Illustration of the eruption of Monte Nuovo in the year 1538 from the 18th century,
Der letzte Ausbruch der Phlegräischen Felder ereignete sich 1538. Hier ein Kupferstich, der den Ausbruch zeigt. Damals erstand aus dem Nichts ein neuer Vulkan westlich der Hafenstadt Pozzuolo, der das Dorf Tripergle, die Villa des römischen Staatsmanns Cicero und antike Bäder verschüttete. Es gab 24 Tote. Es waren Schaulustige, die am Kraterrand bei einer Explosion ums Leben kamen. Die Einheimischen waren durch Erdbeben und den Rückzug des Meeres gewarnt worden. ©  via www.imago-images.de
Der Krater des Monte Nuovo ist aus der Luft am besten als erloschener Vulkan zu erkennen.
Der Monte Nuovo ist ein kleiner Vulkan nahe der Küste bei Pozzuoli. Insgesamt sind die Phlegräischen Felder von rund 40 Vulkankratern übersät, 20 davon sind deutlich erkennbar. Einige sind mit Wasser gefüllt und sind idyllische Seen. Schon in der Antike wurden die heißen Quellen als Thermalbäder genutzt, noch heute kann man in mehreren Thermen sich in vom Vulkanismus erhitzten Wasser erholen. © IMAGO/Pond5 Images

Darüber hinaus: „Der Bericht über Kohlendioxid und Methan zeigt einen Anstieg der Werte im Vergleich zu früheren Zeiträumen und bestätigt damit den Trend der Zunahme.“ Die durch Infrarotkameras erfasste Zeitreihe der Oberflächentemperaturen in den steigenden Gebieten von Pisciarelli und Solfatara wies im Februar 2024 höhere Werte auf als im Durchschnitt der vorherigen Monate, so das INGV.

Vor Ort reagieren die Menschen mit einer Mischung aus Panik, Fatalismus und Sarkasmus: „Ich habe Angst und zittere“, postet eine Frau auf Facebook. Eine andere fordert: „Die Behörden sollen etwas unternehmen“. Die Reaktionen darauf sind vielfältig: „Willst du den Vulkan verprügeln?“ Ein anderer Nutzer schlägt vor: „Du kannst ja mal die Carabinieri fragen, ob sie ihn verhaften wollen.“ Schließlich meint ein User: „Ich denke, es ist Zeit, die Koffer zu packen. Ich sage es nicht gerne, aber so schlimm wie jetzt, war es noch nie.“

Explosion hätte katastrophale Auswirkungen: 460.000 Menschen leben in Roter Zone um Supervulkan

Die Konsequenz wäre eine sogenannte phreatische Explosion, die mitten in einem Wohngebiet katastrophale Auswirkungen hätte. In der sogenannten Roten Zone, dem am stärksten gefährdeten Gebiet, leben etwa 460.000 Menschen. Wie gefährlich eine phreatische Explosion sein kann, wurde im Dezember 2019 deutlich, als ein Ausbruch auf der unbewohnten neuseeländischen Vulkaninsel White Island 22 Menschen das Leben kostete, die die Insel im Rahmen eines Schiffsausfluges besuchten. Hätte es dort Siedlungen gegeben, wären die Folgen der glühend heißen Aschewolken verheerend gewesen.

Die Phlegräischen Felder bei Neapel zeigen erhöhte Aktiovität.

Es besteht auch die Möglichkeit einer Lavaeruption, wenn die phreatische Explosion den Lavakanal freilegt. Einige Wissenschaftler glauben, dass die Lava direkt für die Wölbung verantwortlich ist, indem sie immer weiter aufsteigt und es zu einer großen Magmaeruption kommen könnte. Eine solche „plinianische“ Eruption wäre in einem Wohngebiet verheerend, wie eine Simulation des INGV zeigte. Einige Forscher warnen sogar vor einer Supereruption, wie sie bereits vor 39.000 Jahren stattfand und alles Leben im Umkreis von 80 Kilometern auslöschte. Zudem sind jederzeit auch schwere Erdbeben möglich, die Gebäude zum Einsturz bringen könnten.

Die Redakteurin oder der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.

Rubriklistenbild: © IMAGO/napolipress

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