„Absagen dann denkbar“

Erdbeben-GAU für Santorini-Urlaub? Wann die Absagen-Welle droht

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Santorini-Urlaub trotz der Erdbeben? Reiseanbieter haben bis jetzt kaum Stornos ausgesprochen. Aber die Zeit zum Saisonstart tickt und die Situation bleibt prekär.

Santorini – Dauerbrodeln in der Ägäis. Über 16.900 Erdbeben hat das geodynamische Institut in Griechenland zwischen dem 26. Januar und dem 14. Februar registriert. Und die Krise um Santorini hält an.

Santorini-Erdbeben dauern an: Storno-Welle für Oster-Urlaub nicht ausgeschlossen

Erste Kreuzfahrtschiffe haben die beliebte Urlaubsinsel bereits gemieden. Wie reagieren Reiseveranstalter, wenn sich die Erdbeben bis Saisonbeginn nicht legen? Droht der Branche zu Ostern der Super-GAU?

„Momentan gibt es nach unserem Kenntnisstand eigentlich keine Stornierungen, auch weil die touristische Saison erst so richtig ab April anfängt“, sagte Marcel Conrad von A3M Global Monitoring bei IPPEN.MEDIA. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sich das ändert, wenn die Situation auf Santorini angespannt bleibt. Conrad: „Absagen wären dann denkbar und eine Reaktion der Lage angemessen.“

Wer ist die A3M Global Monitoring GmbH?

Die Firma aus Hamburg betreibt Frühwarnsysteme für Krisenmanagement und berät Reise-Anbieter in Deutschland bzw. der DACH-Region. Zu ihren Kunden gehören unter anderem: TUI, die DER-Gruppe, schauinsland-reisen, Studiosus, GALERIA-Reisen, Lufthansa City Center.

Angefangen hatte das Unternehmen ursprünglich mit einem Tsunami-Frühwarnsystem – eine Reaktion auf die Katastrophe 2004 im Indischen Ozean.

Santorini-Urlaub trotz Erdbebenserie? „Reiseanbieter würden reagieren, wenn sich die Lage verschärft“

Denn: „Große Unternehmen sind üblicherweise sehr vorsichtig“, so der Fachmann. Das habe sich bei anderen Krisen bereits gezeigt. So entschied die Lufthansa beispielsweise im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt sehr frühzeitig, die Ukraine nicht zu überfliegen.

Gesichert ist eine Storno-Welle zu Ostern aber natürlich nicht. „Die Entwicklung lässt sich sehr schwer abschätzen“, sagte Conrad. Fest steht für ihn aber: „Die Reiseanbieter würden reagieren, wenn sich die Lage verschärft.“ Große Unternehmen seien auf Vorsicht aus.

Dertour nimmt bis Ende Februar beispielsweise keine neuen Buchungen mehr an. „Bis dahin werden wir die Lage sehr genau verfolgen und stets alle gebuchten Gäste auf dem Laufenden halten“, sagte ein Sprecher bei RP Online. Die ersten Gäste sind für Mitte April allerdings bereits gebucht. Der Deutsche Reiseverband erklärt: „Die Sicherheit der Gäste hat für die Reiseveranstalter oberste Priorität. Im Fall der Fälle – so auch im Fall von Naturkatastrophen – kümmern sich die Veranstalter um eine vorzeitige Abreise aus dem Zielgebiet, oder die Unterbringung in anderen Hotels.“

Krisenmanager: Santorini-Urlaub sorglos möglich, wenn große Veranstalter ihn anbieten

Conrad betont: Was bis zum Saisonstart auch passiert – wenn Veranstalter die Reisen anbieten, können Urlauber sie auch unbesorgt wahrnehmen. Die Anbieter seien im „Team Vorsicht“, auch aus Eigeninteresse.

Sehnsuchtsort Santorini: Aber auf der griechischen Urlaubsinsel ist die Erdbeben-Lage weiterhin angespannt.

Über aktuelle Erdbeben-Lage auf Santorini informieren: Fachmann rät zur Vorsicht bei privat geplanten Reisen

Vorsicht geboten sei insbesondere bei individuell zusammengestellten Reisen. Im Ernstfall sind nämlich in der Regel nur Pauschalreisen entsprechend umbuchbar oder stornierbar. Wer einzelne Bausteine gebucht hat (etwa über Airbnb, booking.de oder ähnliche Anbieter) sollte sich vor Reiseantritt auf jeden Fall informieren, rät Conrad. Hier seien Urlauber im Ernstfall auf die Kulanz des jeweiligen Anbieters angewiesen.

Aktuell rät das Auswärtige Amt, auf nicht-notwendige Reisen nach Santorini zu verzichten. Eine Empfehlung, der sich A3M anschließt – und die Reiseveranstalter höchstwahrscheinlich auch.

Tsunami-Gefahr für Santorini besteht: Aktuell zahlreiche Erdbeben-Szenarien möglich

Derzeit erreichen die stärksten Beben auf Santorini eine Magnitude von knapp über 5, Schäden verursachen sie in diesem Ausmaß nicht. Aber worin die Erbebenserie gipfeln könnte, ist völlig offen. Die Szenarien für Santorini reichen von einem allmählichen Abklingen, über ein schweres Erdbeben bis zu einem Vulkanausbruch. Vor allem die Gefahr eines Tsunamis ist real, der könnte in beinahe allen Szenarien ausgelöst werden.

„Wir können nichts ausschließen“, sagte Forschungsleiter Athanasios Ganas am Montag (17. Februar). Die Zahl der Erdbeben geht zwar offenbar zurück, aber die Gefahr ist unverändert da. Santorini bleibt im Ungewissen. Eine komplizierte Situation auch für die Reiseindustrie, für die die beliebte Urlaubsinsel so wichtig ist. (moe)

Rubriklistenbild: © imageBROKER/elov/Imago

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