„Zeiten sind vorbei“

Erziehungsstil sorgt unter Millennials für Diskussionen – „sehr geschadet“

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Helfen Sprüche wie „Hochmut kommt vor dem Fall“ in der Erziehung? Oder schaden sie – ganz im Gegenteil – der Psyche?

Vor einem Monat erfand eine Mutter ein Spiel, das den Unterschied in der Erziehung von Boomern und Millennials entlarvt. In dem Spiel musste die Tochter die problematischen Sprüche aus der Kindheit der Mutter vervollständigen. Bei anderen Millennial-Eltern stößt das Spiel auf Begeisterung. Sie sind sich einig, dass es toxische Erziehungssprüche wie „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst“ oder „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ nicht mehr braucht.

„Was denkt ihr darüber?“, fragt eine Person auf gutefrage.net und teilt den Artikel, den wir über das Erziehungsspiel geschrieben haben. Dort fallen die Reaktionen gemischter aus. Ein User (Mitte 20) schreibt, dass er mit Sprüchen wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder auch „Hochmut kommt vor dem Fall“ aufgewachsen sei und „daran absolut nichts verkehrt“ sei, denn später als Erwachsener spüre man den Sinn in „diesen Weisheiten“. Was daran problematisch sein solle, sei ihm „ein Rätsel“.

Eine andere Person sieht es ähnlich und bezeichnet die Kritik an der Boomer-Erziehung und ihren Sprüchen als „völlig daneben“. „Sicher fand ich auch nicht alles toll, was meine Eltern mir als Kind gesagt hatten. Aber 30 bis 40 Jahre später kommt so ziemlich jeder, der reflektiert darauf, dass es sicher nicht geschadet hat, sondern das Kind vor Verweichlichung geschützt hat“, schreibt sie über ihre Boomer-Eltern.

Schaden Kindern alte Erziehungssprüche wie „So lange du deine Beine unter meinen Tisch streckst....“? (Symbolbild)

Erziehung von Boomern hat „meiner Gesundheit sehr geschadet“

Ein Gute-Frage-Nutzer erzählt, dass ihn die Erziehungsmethoden seiner Boomer-Mutter zwar „abgehärtet haben“, aber auch seiner „Gesundheit sehr geschadet“ hätten. Erst seit er nicht mehr dort lebe, gehe es ihm mental besser. Sein ältester Halbbruder sei „cool und entspannt“, er selbst sei „eher impulsiv und angespannt“. Das sei sein Halbbruder aber nur, weil er über die Erziehung der Mutter „mittlerweile hinweg“ sei.

Babys und junge Kinder brauchen verlässliche Bezugspersonen, die ihnen die Welt erklären, in der sie sich befinden – auch ihre eigene Gefühlswelt“, sagt die Diplom-Pädagogin Susanne Mierau BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Studien würden belegen, dass Kinder, die so erzogen würden, am ehesten lernen würden, sich demokratisch in die Familie einzubringen. „Die Zeiten von ‚Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, entscheide ich!‘ sind vorbei.“

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Und das nicht nur bei Millennials: Der 67-jährige Boomer-Opa Christoph Much vom Bodensee meldet sich bei BuzzFeed News Deutschland und sagt, dass er Sprüche wie „Wenn du deine Füße unter unseren Tisch streckst, dann …“ heute kaum noch höre. Alle Großeltern, die er kenne, seien „mitgewachsen“ und würden reflektieren, was sie in ihrer eigenen Kindheit erlebt hätten.

Dieses Reflektieren bedeute, auch unerwünschte Emotionen zulassen zu können, sagt die Therapeutin Stephanie Lindeman aus den USA. Sie zeigt aus Versehen in einem TikTok-Experiment, dass sich Boomer und Millennials als Eltern genau darin unterscheiden. Die Familienberaterin Katharina Hübner stimmt zu, gibt bei BuzzFeed News Deutschland jedoch zu bedenken, dass dieses Reflektieren auch dazu führen könne, dass Millennial-Eltern bei der Erziehung einen „hohen Druck“ verspürte. Hier brauche es eine gute Balance..

Rubriklistenbild: © Westend61/IMAGO

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