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Eine Unternehmerin der Gen Z rechnet mit Führungskräften ab, die Innovationen bremsen. Ein Experte sieht es auch so und kritisiert „steinalte Methoden“.
„Friedrich Merz hat recht. Wir arbeiten nicht genug – nach Gen Z-Regeln“, schreibt die Unternehmerin Yaël Meier Mitte Mai auf Linkedin. Damit reagiert die Gründerin von Zeam, einer Gen Z-Marketing- und Recruiting-Agentur, auf die Forderungen des CDU-Bundeskanzlers, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen und längere Arbeitszeiten zu ermöglichen.
„Wenn nämlich alle mehr wie die Generation Z arbeiten würden, wären wir endlich effizient“, sagt Meier. Denn die glaube an Output statt Büropflicht, ans „smarte Arbeiten“ und Wohlstand durch Innovationskraft, etwas, das deutsche Autobauer lange falsch gemacht haben. Innovationskraft „kommt nicht von Überstunden, sondern neuen Ideen“, schreibt sie.
„Während in der Politik über Arbeitszeit debattiert wird, baut die nächste Generation Unternehmen auf, führt Side Hustles, managt Remote-Teams – mit Tools, die in Parteizentralen noch niemand buchstabieren kann.“ Und behalte gleichzeitig die Work-Life-Balance im Blick. „Diese Anpassung empfinden ewiggestrige Chefs als befremdend und fehlinterpretieren es als zu bequem, unmotiviert sowie faul“, sagt der Höhle-der-Löwen Investor Carsten Maschmeyer IPPEN.MEDIA.
Gen-Z-Unternehmerin: „Problem ist Führung“, die Innovation verhindert
„Das Problem ist nicht fehlende Arbeitsmoral“, schreibt die junge Unternehmerin. „Das Problem ist Führung, die verwaltet statt gestaltet. Neue Technologien und Arbeitsweisen verhindert, Bürokratie fördert und ständig jammert.“ Der Arbeitstrendforscher und Unternehmensberater Franz Kühmayer stimmt zu. Deutschland könne sich nicht aus der Krise „heraussparen“, wie er es ausdrückt. „Wir müssen innovieren!“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Die Frage sei, ob Unternehmen bereit sind, kurzfristige Effizienzvorteile (durch eine höhere Wochenarbeitszeit beispielsweise) liegenzulassen, um langfristig gesund zu wachsen. „Wir brauchen ein innovationsfreundliches Klima, das Sicherheit gibt und Ideenreichtum fördert“, sagt er. Ein Arbeitsklima, das nur auf Effizienz und Druck setze, werde „langfristig extrem teuer“. Doch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie aktuell würden wir „ein zunehmend toxisches Klima erleben, das von Ellenbogenmentalität geprägt ist. Das ist genau die falsche Richtung.“
Arbeitstrendexperte warnt vor „enormem Schaden“ für deutsche Wirtschaft
„Es gibt ein Comeback des autoritären Führungsstils – und das ist nicht aufzuhalten, nur weil die Führungskräfte jetzt weiße Sneaker oder Hoodies tragen“, sagt Kühmayer. Vielen Führungskräften würden schlicht die Instrumente fehlen, um mit den neuen Herausforderungen umzugehen. Das Resultat seien „steinalte Methoden“, bei denen Teams in Highperformer und Schwächere unterteilt würden. Das sei „nicht nur demotivierend, sondern auch kontraproduktiv“, denn Teams, die nur aus Top-Performern bestünden, erzielten keineswegs die besten Ergebnisse.
Wie wichtig „emphatische Führung“ sei – „gerade in Zeiten der Transformation“, würden mehrere Studien belegen. „Druck und Härte sind in der aktuellen Situation vielleicht verständlich, aber mittel- und langfristig führen sie genau zum Gegenteil: Innere Kündigung, sinkende Motivation und gesundheitliche Belastungen“, sagt der Arbeitstrendexperte BuzzFeed News Deutschland. Mehr Druck und weniger Sicherheit führten zu höheren Krankenständen. „Das ist ein enormer Schaden.“
Allein bei der Arbeitszeit anzusetzen, wie Merz es plant, bringt also nichts. Gen-Z-Unternehmerin Meier hat deswegen einen „Tipp an alle Führungskräfte und Politiker: Wer von jungen Menschen mehr Leistung will, muss ihnen Perspektiven geben – keine Parolen.“
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