Im Engadin bei St. Moritz

Hausgroße Felsen donnern auf Panoramastraße von Nobel-Skiort Richtung Italien

+
Ein 100-Kubikmeter großer Felsen liegt auf der Engadiner Hauptstraße bei Sils.
  • schließen

Im Schweizer Engadin sind zwei riesige Felsblöcke auf die Hauptstraße durch das mondäne Feriental gekracht. Auf der Strecke waren gerade Autos unterwegs.

St. Moritz - Das Engadin im Schweizer Kanton Graubünden ist eines der schönsten Täler der Alpen - und eines der teuersten. Hier befinden sich so mondäne Feriendomizile wie St. Moritz oder Pontresina. Durch das Tal, das der grüne junge Inn durchfließt, führt eine wunderschöne Panoramastraße, die mehrere Seen begleitet und dann über den Malojapass zum Comer See in Italien führt.

Genau an dieser Straße ereignete sich am frühen Freitagmorgen ein mächtiger Felssturz, und zwar an der Stelle, wo die Engadinerstraße zwischen dem Silsersee und dem Fuß des Berges Piz Lagrev entlang führt.

Felssturz auf Schweizer Panoramastraße

„Am Freitagmorgen um 7.15 Uhr hat sich auf der Engadinerstraße zwischen der Verzweigung Sils Baselgia und Plaun da Lej ein Felssturz ereignet“, berichtet die Kantonspolizei ganz trocken.

Der riesige Block hinterließ ein großes Loch in der Fahrbahn.

„Zwei Felsblöcke haben die Fahrbahn erreicht. Ein Block stürzte über die Fahrbahn in den See“, heißt es weiter. Damit ist der Silsersee gemeint, ein Alpensee, aus dem der Inn Richtung Tirol und Bayern fließt. Dieser ist im Sommer ein beliebtes Revier für Windsurfer.

Straße in der Schweiz von Felssturz betroffen: Einer der beiden Brocken war so groß wie ein Bungalow

Und dann wird deutlich, welche Dimensionen dieser Felssturz hatte: „Der zweite, rund 100 Kubikmeter große Block blieb auf der bergseitigen Fahrbahn liegen“, heißt es im Polizeibericht weiter. Das heißt, der Felsen, der auf die Fahrbahn krachte, war so groß wie ein kleiner Bungalow! Hätte er ein Auto getroffen, wären die Folgen undenkbar gewesen. Er hinterließ dennoch ein tiefes Loch im Asphalt.

Am Silsersee herrscht derzeit noch Winter, auch wenn das Tauwetter längst eingesetzt hat. Ein Fels rollte in den See.

Der gigantische Felssturz ereignete sich im morgendlichen Berufsverkehr, wie durch ein Wunder hat es keinen Pendler oder Urlauber erwischt. Auf Fotos vom Unglücksort sieht man, wie Autos unmittelbar vor den Felsen stehen blieben. Aus Sicherheitsgründen wurde die Straße sofort komplett für den Verkehr gesperrt.

Ein Geologe soll nun prüfen, ob weitere Felsen am Schweizer Berghang abzustürzen drohen

Ein Geologe des Tiefbauamtes Graubünden soll wird mittels eines Helikopterfluges eine geologische Beurteilung vornehmen, um sicherzustellen, dass sich keine weiteren losen Blöcke oder anderes absturzgefährdetes Material im Berg befinden. „Nach Freigabe der Gefahrenstelle wird das TBA unverzüglich mit den Räumungsarbeiten beginnen“, heißt es. Die Straße werde während der Räumungsarbeiten voraussichtlich einspurig befahrbar sein. Aktuelle Verkehrsinfo gibt es unter: www.strassen.gr.ch

In den vergangenen Wochen hatte es vor allem in den südlichen Alpen eine aufsehenerregende Serie von Felsstürzen gegeben. Zuletzt wurde eine Bergstraße am Gardasee verschüttet. Am Westufer des Gardasee waren Felsen auf die Gardesana-Straße gestürzt. Am benachbarten Ledrosee würde kürzlich eine Straße von einem abgebrochenen Felsen komplett blockiert. Und auch im Valsugana wurden vor zwei Wochen Straßen, Schienen und ein Radweg von herabstürzenden Felsen getroffen.

Viele Experten machen das sich ändernde Klima für die auffallend hohe Zahl an Felsstürzen verantwortlich. Starkregen spülen die Felsen frei, Permafrost in den Gipfelregionen taut auf, weiter unten sprengt der Wechsel zwischen Frost und Auftauen Steine und Felsen weg.

Kommentare