Experte fordert Sicherheitstrainings

Gefährlicher Trend: E-Mountainbiker stürzen in Serie ab – Etliche Schwerverletzte in Tirol

  • schließen

Eine Serie von Unfällen mit Mountainbikes hält die Rettungskräfte in Tirol in Atem. Vor allem E-Mountainbikes stellten sich als Gefahrenquelle heraus. Experte fordern Konsequenzen.

Innsbruck – Mit dem E-Mountainbike auf den Gipfel. Seit es Fahrräder mit Elektromotorenunterstützung gibt, boomt es auf den Bergen wie nie zuvor. Dank des Rückenwindes aus dem Akku kann man Pässe und Gipfel erklimmen, für die es einem sonst einfach an der Puste fehlen würde. Vor allem bei älteren Semestern ist diese Art des Bergsports sehr populär geworden. Doch der Bergsport auf zwei Rädern birgt Gefahren, wie in Österreich jetzt deutlich wird.

In Steinberg am Rofan (nahe Achensee) stürzte am Mittwoch (10. Juli) ein E-Mountainbiker (58) aus dem bayerischen Landkreis Schweinfurt 40 Meter tief, nachdem er an einer Wurzel abgerutscht war. Er war der Letzte einer achtköpfigen Gruppe und zog sich eine Platzwunde an der Stirn und eine Verletzung am Schlüsselbein zu. Der Verletzte kam per Rettungshubschrauber in die Innsbrucker Klinik.

Immer mehr E-Mountainbikefahrer erobern die Alpen. Die Zahl der Unfälle steigt.

Biker sorgen für Hochkonjunktur für die Bergwacht in den Tiroler Bergen

In Kramsach bei Kufstein stürzte ein einheimischer E-Mountainbiker, der mit einem deutschen Bekannten (53) unterwegs war, am gleichen Tag in den Wald. Er war über den Wegrand hinausgeraten und stürzte durch steiles und felsiges Waldgelände ab. Nach etwa fünf Metern blieb er verletzt liegen. Ein Krankenwagen brachte ihn in die Klinik nach Innsbruck. Der Hubschrauber konnte wegen des schlechten Wetters nicht fliegen.

Am Tag zuvor war eine Niederländerin (51) bei Ladis (Bezirk Landeck) bei einem Gruppenausflug mit dem E-Bike gestürzt und zog sich schwere Kopf- und Kieferverletzungen zu. Sie kam per Rettungshubschrauber in die Klinik, ebenfalls nach Innsbruck. In Achenkirch stürzte ein Österreicher (60) am selben Tag mit seinem E-Bike, nachdem er eine Schranke übersah und zu spät bremste. Er wurde kopfüber vom Rad katapultiert und zog sich mehrere Verletzungen im Bereich der Rippen und des Kopfes zu. Er wurde ebenfalls in die Klinik der Landeshauptstadt gebracht.

Nahe Landeck verunglückte ebenso am Dienstag ein in Österreich lebender Deutscher mit dem Mountainbike, als er mit einer Gruppe auf dem Wanderweg der Via Claudia unterwegs war. Er stürzte acht bis zehn Meter tief auf einen Forstweg und wurde schwer am Rücken verletzt und kam auch in die Klinik. In Angerberg (Bezirk Kufstein) stürzte eine Einheimische (30) mit dem Rad in einer Rechtskurve und kam ins Krankenhaus.

Ex-Radrennprofi: „Man fährt ja mit dem Auto auch nicht gleich ins Off-Road-Gelände.“

Sind E-Mountainbikes ein unkalkulierbares Risiko? Der österreichische Ex-Radrennprofi Bernhard Kohl, der mittlerweile eines der größten Fahrradfachgeschäfte in Österreich führt, sagt in einem Interview mit Die Presse: „Was sicherlich der Fall ist, ist, dass es viele durch das E-Mountainbike in ein Gelände schaffen, wo sie ohne E-Bike gar nicht hingekommen wären.“ Sicherheitstrainings wären vor dem ersten Ausritt in die Berge sinnvoll.

Der Ex-Rennradprofi Bernhard Kohl fordert Sicherheitstrainings für E-Mountainbiker.

Kohl: „Man fährt ja mit dem Auto auch nicht gleich ins Off-Road-Gelände, obwohl es die SUVs könnten. Mit dem Fahrrad macht man das aber.“ Das Tempo sei laut Kohl nicht das Problem. „Aber wenn man zu technisch schwierigen Stellen kommt, also welche mit Wurzeln und Steinen, dann ist das E-Mountainbike natürlich deutlich schwieriger zu handeln, als wenn es kein E-Bike wäre.“ Dann passiere natürlich schneller ein Sturz. Kohl: „Deswegen wäre ein Fahrtechnik-Training gut.“

In der Schweiz waren kürzlich deutsche Urlauberinnen im Wallis verunglückt, eine starb. Mehr Glück hatte eine Schülergruppe aus Niederbayern, sie mit ihren Fahrrädern auf über 2500 Metern in Tirol gestrandet war. Im ebenfalls in Tirol liegenden Sölden war Ende Juni ein Wanderer in den Tod gestürzt. Nahe des Großglockners stürzte im Juni ein junger deutscher Wanderer in den Tod. Für Aufsehen sorgte ein Skitourengeher, der bei einem Sturz im Stubaital andere Gipfelstürmer mit ins Tal gerissen hatte.

Rubriklistenbild: © IMAGO

Kommentare