„Sie werden sicher sein“

Vermisstes Tauchboot: Ehemaliger OceanGate-Mitarbeiter warnte vor Sicherheitsproblemen und wurde entlassen

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Um das „Titanic“ U-Boot, das vermisst wird, gab es schon in den vergangenen Jahren Sicherheitsbedenken. Ein ehemaliger Direktor soll im Zusammenhang damit gefeuert worden sein.

Boston (USA) – Der ehemalige Marine-Direktor von OceanGate, Betreiberfirma des verschollenen „Titanic“ U-Bootes, äußerte schon 2018 Sicherheitsbedenken: David Lochridge soll von OceanGate-Chef Stockton Rush damit beauftragt worden sein, eine Qualitätskontrolle an der Titan durchzuführen. Doch seine Bedenken wurden offenbar ignoriert.

Wie SkyNews berichtet, soll Lochridge der Zugang zu wichtigen Dokumenten verweigert worden sein, man sei ihm „mit Feindseligkeit“ begegnet – und habe ihn später sogar gefeuert.

Titanic-U-Boot: Ex-Mitarbeiter warnte vor Gefahr, „wenn das Tauchboot extreme Tiefen erreicht“

Aus Gerichtsunterlagen, die BBC und SkyNews vorliegen, geht hervor, Lochridge sei besorgt gewesen über Fehlen relevanter Tests und habe „die potenzielle Gefahr für die Passagiere der Titan“ betont, „wenn das Tauchboot extreme Tiefen erreicht“.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Im Jahr 2022 besuchte US-Journalist David Pogue das Wrack der „Titanic“ mit OceanGate. Wie andere Passagiere soll auch er vor dem Einstieg um eine Unterschrift gebeten worden sein: „Dieses Versuchsschiff wurde von keiner Aufsichtsbehörde genehmigt oder zertifiziert und könnte zu körperlichen Verletzungen, emotionalen Traumata oder zum Tod führen.“ Obwohl er nervös gewesen sei, sei sein einziger Gedanke gewesen: „Wo muss ich unterschreiben?“

„Und doch fiel mir auf, wie viele Teile dieses U-Boots improvisiert wirkten, mit Komponenten von der Stange. Die Steuerung des Fahrzeugs erfolgt mit einem Videospiel-Controller“, schrieb Pogue. „Es sieht so aus, als hätte dieses Tauchboot einige Elemente der MacGyver-Takelage.“ Rush habe ihm geantwortet: „Ich weiß nicht, ob ich diese Beschreibung verwenden würde. (...) Der Druckbehälter ist überhaupt nicht MacGyver, denn dort haben wir mit Boeing, der NASA und der University of Washington zusammengearbeitet. Alles andere kann ausfallen, die Triebwerke können kaputt gehen, die Lichter können ausgehen. Aber Sie werden immer noch sicher sein.“ Doch auch Rush selbst sprach schon über Sicherheitsbedenken.

Dieses undatierte Foto zeigt ein Tauchboot des Unternehmens OceanGate Expeditions, das in der Nähe des «Titanic»-Wracks im Atlantik vermisst wird.

„Titanic“-U-Boot Titan: Niederbayerischer Unternehmer erlebte Sicherheitsprobleme selbst

Seine Eindrücke beschrieb „Titanic“-Tourist und Journalist Pogue im November 2022 für CBS – eine Vertuschung möglicher Sicherheitsrisiken sähe wohl anders aus. Auch Pogue beobachtet die derzeitige Suchmission – und deutet die Zeichen als wenig hoffnungsvoll. „Es wäre verheerend, wenn das Schiff tief unter Wasser wäre, denn selbst wenn es gefunden würde, gäbe es keine Möglichkeit, die Menschen an Bord zu retten“, sagte er, da es nur wenige spezialisierte U-Boote gäbe, die auch nicht sofort zur Verfügung stehen.

Auch bis Bayern waren die Sicherheitsbedenken auf dem Titanic-Tauchboot bekannt: Der niederbayerische Unternehmer Arthur Loibl bezahlte 100.000 Euro für eine Reise mit dem U-Boot. Auch auf seiner Reise gab es demnach Sicherheitsprobleme - er hat daher wenig Hoffnung, dass das U-Boot gefunden wird. Die Suche nach den verschollenen Unternehmern, Forschern und Abenteurern läuft knapp eine Woche nach dem schweren Bootsunglück im Mittelmeer, bei dem Überlebende davon ausgehen, dass möglicherweise 100 Kinder mit ihren Müttern ertrunken sind. Die Suche nach den Schuldigen läuft. (kat)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/PA Media | Dirty Dozen Productions

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