Vermisstes Tauchboot: Ehemaliger OceanGate-Mitarbeiter warnte vor Sicherheitsproblemen und wurde entlassen
VonKathrin Reikowski
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Um das „Titanic“ U-Boot, das vermisst wird, gab es schon in den vergangenen Jahren Sicherheitsbedenken. Ein ehemaliger Direktor soll im Zusammenhang damit gefeuert worden sein.
Boston (USA) – Der ehemalige Marine-Direktor von OceanGate, Betreiberfirma des verschollenen „Titanic“ U-Bootes, äußerte schon 2018 Sicherheitsbedenken: David Lochridge soll von OceanGate-Chef Stockton Rush damit beauftragt worden sein, eine Qualitätskontrolle an der Titan durchzuführen. Doch seine Bedenken wurden offenbar ignoriert.
Wie SkyNews berichtet, soll Lochridge der Zugang zu wichtigen Dokumenten verweigert worden sein, man sei ihm „mit Feindseligkeit“ begegnet – und habe ihn später sogar gefeuert.
Titanic-U-Boot: Ex-Mitarbeiter warnte vor Gefahr, „wenn das Tauchboot extreme Tiefen erreicht“
Aus Gerichtsunterlagen, die BBC und SkyNews vorliegen, geht hervor, Lochridge sei besorgt gewesen über Fehlen relevanter Tests und habe „die potenzielle Gefahr für die Passagiere der Titan“ betont, „wenn das Tauchboot extreme Tiefen erreicht“.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
Im Jahr 2022 besuchte US-Journalist David Pogue das Wrack der „Titanic“ mit OceanGate. Wie andere Passagiere soll auch er vor dem Einstieg um eine Unterschrift gebeten worden sein: „Dieses Versuchsschiff wurde von keiner Aufsichtsbehörde genehmigt oder zertifiziert und könnte zu körperlichen Verletzungen, emotionalen Traumata oder zum Tod führen.“ Obwohl er nervös gewesen sei, sei sein einziger Gedanke gewesen: „Wo muss ich unterschreiben?“
„Und doch fiel mir auf, wie viele Teile dieses U-Boots improvisiert wirkten, mit Komponenten von der Stange. Die Steuerung des Fahrzeugs erfolgt mit einem Videospiel-Controller“, schrieb Pogue. „Es sieht so aus, als hätte dieses Tauchboot einige Elemente der MacGyver-Takelage.“ Rush habe ihm geantwortet: „Ich weiß nicht, ob ich diese Beschreibung verwenden würde. (...) Der Druckbehälter ist überhaupt nicht MacGyver, denn dort haben wir mit Boeing, der NASA und der University of Washington zusammengearbeitet. Alles andere kann ausfallen, die Triebwerke können kaputt gehen, die Lichter können ausgehen. Aber Sie werden immer noch sicher sein.“ Doch auch Rush selbst sprach schon über Sicherheitsbedenken.
„Titanic“-U-Boot Titan: Niederbayerischer Unternehmer erlebte Sicherheitsprobleme selbst
Seine Eindrücke beschrieb „Titanic“-Tourist und Journalist Pogue im November 2022 für CBS – eine Vertuschung möglicher Sicherheitsrisiken sähe wohl anders aus. Auch Pogue beobachtet die derzeitige Suchmission – und deutet die Zeichen als wenig hoffnungsvoll. „Es wäre verheerend, wenn das Schiff tief unter Wasser wäre, denn selbst wenn es gefunden würde, gäbe es keine Möglichkeit, die Menschen an Bord zu retten“, sagte er, da es nur wenige spezialisierte U-Boote gäbe, die auch nicht sofort zur Verfügung stehen.
Auch bis Bayern waren die Sicherheitsbedenken auf dem Titanic-Tauchboot bekannt: Der niederbayerische Unternehmer Arthur Loibl bezahlte 100.000 Euro für eine Reise mit dem U-Boot. Auch auf seiner Reise gab es demnach Sicherheitsprobleme - er hat daher wenig Hoffnung, dass das U-Boot gefunden wird. Die Suche nach den verschollenen Unternehmern, Forschern und Abenteurern läuft knapp eine Woche nach dem schweren Bootsunglück im Mittelmeer, bei dem Überlebende davon ausgehen, dass möglicherweise 100 Kinder mit ihren Müttern ertrunken sind. Die Suche nach den Schuldigen läuft. (kat)