„Gesund wie ein Fisch“

Virus-Ausbruch am Gardasee: Bürgermeister spricht über Seewasser-Video und schießt gegen ADAC

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Der Notstand am Gardasee scheint überwunden. Die Berichterstattung über die Gesundheitskrise könnte aber Folgen für den Tourismus haben, so die Befürchtung.

Brenzone sul Garda – Über mehrere Tage hatte der ein Ausbruch des Norovirus in der Gemeinde Torri del Benaco am Ostufer des Gardasees (Italien) die ganze Urlaubsregion in Atem gehalten. Hunderte Menschen waren erkrankt, die Gesundheitskrise schlug weit über die Region hinaus hohe Wellen. Nun gibt es seit Mittwoch (3. Juli) Entwarnung, wie der Bürgermeister der betroffenen Ortschaft in einem Facebook-Video mitteilte „Der Notstand ist vorbei“.

Glaubt man dem Tourismussektor, dürften die Auswirkungen der Gesundheitskrise am Gardasee trotzdem noch länger nachhallen. Der regionale Handels- und Tourismusverband beklagt eine „Flut von Stornierungen“ infolge des kurzzeitigen Notstandes. Paolo Formaggioni, der Bürgermeister von Brenzone del Garda, wirft dem ADAC auch deshalb „unbegründeten Alarmismus“ vor.

Unbekannte Städte, Dörfer und Landschaften: Zehn Geheimtipps für den Italien-Urlaub

Stadt Urbino in der italienischen Region Marken
Im Italien-Urlaub verschlägt es viele Reisende zu den Touristenmagneten Rom, Venedig oder Florenz. Aber wie wäre es mit der Stadt Urbino in der italienischen Region Marken? Sie gilt als die “Wiege der Renaissance” und ist der Ort, an dem der berühmte Künstler Raffael das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus kann heute noch besichtigt werden. Aufgrund der imposanten Architektur zählt Urbino zudem zum Unesco-Weltkulturerbe. Das wohl beeindruckendste Bauwerk ist der Palazzo Ducale aus dem 15. Jahrhundert.  © Pond5 Images/Imago
Kanal Vena in der italienischen Stadt Chioggia
Wer keine Lust auf lange Schlangen und Gedränge in der Lagunenstadt Venedig hat, findet nur etwa eine Autostunde entfernt die “kleine Schwester” Chioggia – auch bekannt als “kleines Venedig”. Das malerische Fischerdorf mit seinen engen Gassen und bunten Häuschen zeigt das authentische Italien und lädt zu einem Spaziergang durch die Altstadt ein. Besonders an den insgesamt neun Brücken, die über den Canal Vena führen, fühlt man sich an die große Schwester nur 50 Kilometer entfernt erinnert.  © Pond5 Images/Imago
Civita di Bagnoregio in der italienischen Region Latium
Besonders ursprünglich ist das Dorf Civita di Bagnoregio in der Region Latium geblieben. Es wurde vor rund 2.500 Jahren von den Etruskern gegründet und drohte seither aufgrund von Erdrutschen schon mehrere Male auszusterben. Seine einzigartige Lage an der Spitze eines Gesteins macht den Ort jedoch zu einem perfekten Ausflugsziel: Er ist nur über eine 250 Meter lange Fußgängerbrücke zu erreichen, sodass Touristen und Einheimische schon immer vor Autolärm verschont geblieben sind. Eine wunderbare Gelegenheit für Besucher, entspannt durch die Gassen zu spazieren und sich in vergangene Zeiten entführen zu lassen. © Liubomir Paut/Imago
Panorama der zentralen Apenninen im Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga in den Abruzzen
Die Abruzzen zählen ebenfalls zu den eher weniger besuchten Regionen Italiens. Jedoch finden Aktivurlauber genug zu tun, denn mit dem Gebirgsmassiv Gran Sasso befindet sich hier einer der eindrucksvollsten Höhenzüge Italiens. Der Nationalpark verfügt über eine Vielzahl von gut ausgewiesenen Wanderwegen, die tolle Ausblicke auf die imposante Berglandschaft bieten. Da sich das Gebirge nur unweit der Adria-Küste befindet, lässt sich ein Wanderurlaub auch wunderbar mit einer Auszeit am Strand verbinden. © Pond5 Images/Imago
Hafen in Portovenere
Die Cinque Terre mit ihren fünf malerischen Küstendörfern gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen von Italien-Reisenden – daher wird es hier immer Sommer auch mal ganz schön voll. Wer es etwas ruhiger mag, findet nur unweit davon das vergleichsweise unbekannte Portovenere. Auch hier reihen sich bunte Fischerhäuschen aneinander, vor denen sich im Hafen kleine Boote tummeln. Einen Besuch ist außerdem die alte Ortskirche San Pietro wert, die sich vorgelagert auf einem steilen Felsen befindet, sowie die Burg Doria, welche auf einem hohen Felsmassiv thront.  © Pond5 Images/Imago
Sommerabend auf Panarea
Zu den eher unbekannteren Inseln Italiens zählt Panarea im Thyrrenischen Meer vor Sizilien. Beliebt ist sie vor allem bei Prominenten und Wohlhabenden, was sich auch an den Luxusyachten bemerkbar macht, die sich im Hafen befinden. Wer nicht auf dem Eiland übernachten möchte, kann einen Tagesausflug mit der Fähre von Milazzo aus unternehmen. Die Ostküste der Insel ist dicht besiedelt und kann somit wunderbar zu Fuß erkundet werden. Ein Highlight sind die Häuser im Ort San Pietro, die mit ihren weißen Fassaden und blauen Türen an griechische Dörfer erinnern. Wer etwas entspannen möchte, findet sich am Sandstrand Caletta di Zimmari ein.  © Alexander Rochau/Imago
Piazza del Comune Duomo di Santa Maria Assunta mit Torrazzo Baptisterium in Cremona
80 Kilometer südöstlich von Mailand liegt die Stadt Cremona, die für ihre Jahrhunderte alte Tradition des Geigenbaus bekannt ist – bekannte Meister wie Stradivari, Guaneri und Amati waren hier tätig. Einige der schönsten Instrumente werden im Rathaus, dem Palazzo del Comune, ausgestellt. Sehenswert sind zudem der eindrucksvolle Dom von Cremona sowie der benachbarte Glockenturm und das Baptisterium (siehe Bild). © Martin Jung/Imago
Hochebene von Castelluccio im Nationalpark Monti Sibillini
Die Region Marken gehört zu den am wenigsten besuchten Gebieten Italiens – dabei befindet sich hier mit dem Nationalpark Monti Sibillini ein wahres Paradies für Wanderer. Der höchste Gipfel des Gebirgsmassivs ist der Monte Vettore mit 2.476 Metern, an dessen Fuß sich der malerische Lago di Pilato befindet. Zu den beliebtesten Fotomotiven zählt jedoch die Hochebene von Castelluccio, die sich im Mai und Juni in ein buntes Blumenmeer mit Farben von ockergelb bis lila verwandelt.  © Maurizio Sartoretto/Imago
Matera in der italienischen Region Basilikata
Der Ort Matera in der italienischen Region Basilikata wurde 2019 mit dem Titel Kulturhauptstadt ausgezeichnet und im James-Bond-Film “Keine Zeit zu sterben” zur Kulisse einer rasanten Verfolgungsjagd. Dennoch halten sich die Touristenmassen in den verschlungenen Gassen, die sich an den kargen Hügeln entlang schlängeln, noch in Grenzen. Besonders beeindruckend an Matera sind die in den Fels geschlagenen Höhlenwohnungen, auch genannt Sassi, in denen bis in die 60 Jahre hinein noch Menschen lebten.  © Pond5 Images/Imago
Rocce Rosse in Arbatax auf Sardinien
Auf Sardinien konzentrieren sich viele Touristen auf die Regionen rund um Cagliari und Olbia. Dabei hat auch der Osten der Insel einiges zu bieten. Zu den atemberaubendsten Ausblicken zählt die Bucht Rocce Rosse bei Arbatax, einem Ortsteil der Stadt Tortoli. Die hohen roten Granitfelsen vor dem türkisfarbenen Meer sorgen für ein einzigartiges Schauspiel. Am Strand von Cea, wenige Kilometer entfernt, befinden sich mit “Is Scoglius Arrubius” zwei weitere beeindruckende rote Felsen.  © Vadym Lavra/Imago

Norovirus-Ausbruch am Gardasee – Bürgermeister trinkt Wasser aus See: „Mir geht es gut“

Zwischenzeitlich litten mehrere hundert Menschen unter Magen-Darm-Beschwerden. Die genaue Ursache der Kontamination ist nach wie vor unklar. Die betroffene Gemeinde Torri del Benaco hob jedoch bereits am Mittwoch (3. Juli) die Trinkwasser- und Badeverbote auf. Bürgermeister Stefano Nicotra versicherte in den sozialen Medien, dass das Leitungswasser wieder sicher sei. Aktuelle Wasserproben seien negativ auf das Norovirus getestet worden.

Paolo Formaggioni, der Bürgermeister der wenige Kilometer weiter ördlich gelegenen Gemeinde Brenzone sul Garda, hatte mit einer symbolischen Geste auf die gesundheitliche Krise reagiert. Um die Sicherheit des Wassers zu demonstrieren, trank er vor laufenden Kameras ein Glas Wasser aus dem Gardasee.

Die Aktion erregte gemischte Reaktionen. Während einige das medienwirksame Auftreten lobten, äußerten andere in den sozialen Medien vor allem gesundheitliche Bedenken. „Es ist ekelhaft, Seewasser zu trinken“, hieß es etwa in einem Kommentar. Andere Nutzer erkundigten sich nach dem Gesundheitszustand Formaggionis. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA äußerte sich der Bürgermeister der Gardasee-Gemeinde: „Mir geht es sehr gut. Ich bin gesund wie ein Fisch.“

Gardasee-Bürgermeister kritisiert ADAC: Tourismus „droht durch Panikmache Schaden zu nehmen“

„Nach dem Vorfall in Torri del Benaco letzte Woche dachte ich, dieser spektakuläre Akt würde ein klares Zeichen setzen: Es gibt kein Problem mit der Wasserqualität oder ein Risiko für Touristen“, erklärte Formaggioni den Bewegggrund für die virale Aktion. Die Situation sei sowohl in Brenzone sul Garda als auch in Torri del Benaco und am gesamten Gardasee normal: „Die Menschen schwimmen im See, trinken Leitungswasser und genießen ihren Urlaub.“

„Der Alarmismus entbehrt jeder Grundlage“, sagte Formaggioni in Bezug auf eine Warnung des ADAC für das gesamte Ostufer des Gardasees. Er fügte hinzu: „Deshalb wollte ich ein Zeichen setzen und die Bürger und den Tourismussektor unterstützen, der durch diese Panikmache Schaden zu nehmen droht.“

Um Urlauber von der einwandfreien Qualität des Gardasee-Wassers zu überzeugen, trank der Bürgermeister von Brenzone ein Glas davon direk aus dem See. (Montage)

Die Idee für die Aktion ist jedenfalls nicht neu. Formaggioni gab an, sich an Franco Todesco, dem ehemaligen Präsidenten der Comunità del Garda, orientiert zu haben. Dieser hatte vor 24 Jahren – in Reaktion auf kritische Berichte deutscher Medien über den angeblich schlechten Zustand des Sees – ebenfalls vor Kameras Wasser direkt aus dem See getrunken, um Urlauber von der einwandfreien Qualität des Wassers zu überzeugen.

Nach Norovirus-Ausbruch am Gardasee: Tourismusvertreter zeigen sich besorgt

Die Tourismusvertreter des Handelsverbands Verona und des Hotelverbands Garda Veneto (Confcommercio Verona und Federalberghi Garda Veneto) äußerten in einem Schreiben an den Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Torri del Benaco ihre Sorge, dass die Gesundheitskrise auch nach ihrem Ende Auswirkungen auf den Tourismussektor haben könnte.

Sie kritisierten, dass die „mangelhafte Kommunikation zu einem breiten Echo und alarmistischen Artikeln in lokalen, nationalen und auch internationalen Medien, vor allem aus Deutschland“ geführt habe, wie das Portal veronaoggi.it berichtet. Für Aufruhr sorgte vor Monaten auch ein Rentner am Gardasee, der wegen Müllsammelns zu einer saftigen Strafe verdonnert wurde.

Tourismusbranche beklagt „Flut von Stornierungen“ – Bürgermeister lädt Urlauber zum Weintrinken ein

Die Branche sei „in Aufruhr“ und benötige „Zusicherungen und Beiträge, um zumindest einen Teil des beträchtlichen wirtschaftlichen Schadens zu decken, der entstanden ist und noch entstehen wird“, heißt es in dem Schreiben. Dieser äußere sich nicht zuletzt „in einer Flut von Stornierungen“. Die Vertreter der Branche befürchten zudem, „dass sich die Situation in ihrer ganzen Dramatik auch auf die Saison 2025 auswirken könnte.“ Sie fordern von Nicotra eine „großangelegte Werbekampagne.“

Bürgermeister Formaggioni hat indes eine andere Botschaft für Reisende: „Ich lade die Touristen ein, zum Gardasee zu kommen und ein gutes Glas Trinkwasser oder besser noch ein gutes Glas Wein zu genießen.“

Rubriklistenbild: © Volker Preußer/Imago Screenshot Paolo Formaggioni/facebook

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