Derzeit laufen in der Region die Vorbereitungen für die Sommersaison auf Hochtouren, da wieder viele Gäste für einen Urlaub in Kroatien anreisen werden. Doch ein Schiffswrack wenige hundert Meter vor der Küste bereitet den Bewohnern der Gemeinden Raša, Barban und Marčana im Südosten der Halbinsel Kopfzerbrechen.
Viehtransportschiff verfährt sich bei Sturm in flache Bucht und strandet vor Kroatien
Bereits im April vergangenen Jahres war das unter tansanischer Flagge fahrende Viehtransportschiff „Deala“ auf Grund gelaufen. Es liegt etwa 40 Meter vor der Küste im zwei bis fünf Meter tiefem Wasser auf felsigem Grund. Unmittelbar nach dem Unfall wurde laut 24.sata.hr ein Schlepper an die Unglücksstelle geschickt. Aufgrund des starken Windes und des flachen Wassers konnte das Schiff nicht aus der Bucht geschleppt werden.
15 ägyptische Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord. Die Besatzung des 1976 gebauten Schiffs wurde am nächsten Tag evakuiert und glücklicherweise wurde bei dem Unfall niemand verletzt. Zu einer Meeresverschmutzung kam unmittelbar nach dem Unfall nicht. Erst im November war in der kroatischen Adria eine Fähre auf einem Felsen gestrandet und danach gesunken.
Schiff vor Kroatien gestrandet – Bürgermeister spricht Warnung aus: „Fürchte, es wird was passieren“
Nach der Strandung erteilte die Hafenbehörde von Pula dem Schiffseigner die Anordnung, das Schiff aus der vom EU-Programm Natura 2000 geschützten Bucht von Raša zu entfernen. Aber Ende April gab der Schiffseigner das Schiff einfach auf und forderte den ukrainischen Versicherer auf, bei der Lösung der Situation zu helfen. Im Rumpf klaffen Löcher, Ölsperren sollen verhindern, dass sich ausgelaufener Treib- und Schmierstoff an der Wasseroberfläche ausbreitet.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Raša, Leo Knapić, sind die Schäden jedoch noch größer, sodass die Gefahr eines Auseinanderbrechens oder Kenterns oder, schlimmer noch, einer menschlichen Tragödie bestehe. „Ich fürchte, es wird was passieren, das Schiff wird kentern und das ganze übriggebliebene Öl aus dem Maschinenraum wird ins Meer fließen“, schreibt Knapić bei Facebook. „Ich möchte, dass die Löcher auf dem Schiff so schnell wie möglich repariert werden, wie versprochen, und das Schiff zur nächsten Werft geschleppt wird.“.
Er mache sich große Sorgen, dass Touristen, Eltern mit ihren Kindern oder Einheimische, die das Wrack mit einem Boot erreichen können, zum gestrandeten Schiff kommen und Selfies machen. „Was passiert, wenn ein Kind auf ein Boot steigt und das Boot aufgrund seines Zustands auseinanderbricht, umkippt und es zu einer Tragödie kommt?“, fragt der Bürgermeister.
Schon im April haben Taucher gemerkt, dass das Wasser im Maschinenraum des Schiffes durch ein Leck bis zu drei Meter hoch steht. Das könnte eine Zeitbombe für das empfindliche Ökosystem der Bucht sein. Ende Januar wandten sich Lokalpolitiker an die Öffentlichkeit, nachdem sie beim zuständigen Ministerium auf taube Ohren gestoßen sind. Auf dem Schiff sind neue Schäden aufgetreten und jetzt droht uns eine Umweltkatastrophe und damit ein Schlag für den Tourismus.
Die Bewohner der drei Anliegergemeinden würden seit zehn Monaten auf die Reaktion der zuständigen Behörden, also des Ministeriums, warten, aber es komme keine Antwort, berichtete der Präsident des Gemeindebundes Dalibor Paus während einer Pressekonferenz. „Wir kämpfen dafür, dass dieses Schiff endlich entfernt wird und unser Meer, unsere Umwelt und unser Tourismus erhalten bleiben“, so die Bürgermeister von Marčana und Barban.
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Mitte Februar erklärten Vertreter des Ministeriums für Meer, Verkehr und Infrastruktur, dass trotz sichtbarer Schäden am Schiff derzeit keine Verschmutzung oder Gefährdung des Meeres und der Meeresumwelt bestehe. Denn dem Schiff selbst sei das ölhaltige Wasser abgepumpt und es sei mit Blöcken verankert worden, um Bewegungen zu verhindern, berichtet regionalexpress.hr Außerdem werde das Schiff überwacht, es bestehe ein Annäherungsverbot an das Schiff.
Nach der Strandung an der Bordwand aufgetauchte Strickleiter deuten aber darauf hin, dass das Schiff im Schutz der Nacht oder des Nebels geplündert wird. Nach mehreren Gesprächen habe der Versicherer erklärt, dass er die Verpflichtung übernehme, das Schiff abzutransportieren und zu entsorgen. Der Direktor der Schifffahrtssicherheitsbehörde, Siniša Orlić, teilte bei dem Treffen mit, dass die Räumungsarbeiten bis zum Beginn der Touristensaison durchgeführt werden sollen.
Neven Iveša, Biologe an der Fakultät für Naturwissenschaften in Pula, mahnt jedoch: „Das Problem muss so schnell wie möglich gelöst werden. Ich glaube, dass die Hafenbehörde und das zuständige Ministerium daran arbeiten, aber es ist zu langsam und dauert zu lange, weil die Umweltschäden jeden Tag zunehmen.“
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Kroatischer Biologe warnt: Schiff könnte bei Abschleppversuch auseinanderbrechen
Die beste Lösung wäre, das Schiff an Ort und Stelle zu zerlegen und in Einzelteilen abzutransportieren. Der Versuch, das Schiff wieder flott zu machen, um es abschleppen zu können, könnte noch größeren Schaden verursachen. „Tatsache ist, dass wahrscheinlich einige Maßnahmen ergriffen wurden, um Abwasser sowie Treibstoff zu entfernen, aber aufgrund des Verfalls des Schiffes können andere gefährliche Stoffe in die Umwelt gelangen“, warnt der Biologe.