Angst vor Umweltkatastrophe

Geisterschiff gefährdet beliebtes Baderevier in Kroatien – Bürgermeister warnt vor „Tragödie“

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Die kroatische Adria ist bei Reisenden beliebt wie nie zuvor. Doch ein vor der Küste Istriens gestrandetes Güterschiff löst große Besorgnis aus.

Pula – Schneeweiße Kiesstrände, steil ins tiefblaue Meer abfallende Kalksteinfelsen und malerische Bergdörfer im Hinterland: Die kroatische Halbinsel Istrien im Norden des Landes ist bei Urlaubern aus Deutschland und Österreich nicht nur wegen der relativ kurzen Anreise beliebt, sondern auch, weil sie touristisch viel zu bieten hat.

Derzeit laufen in der Region die Vorbereitungen für die Sommersaison auf Hochtouren, da wieder viele Gäste für einen Urlaub in Kroatien anreisen werden. Doch ein Schiffswrack wenige hundert Meter vor der Küste bereitet den Bewohnern der Gemeinden Raša, Barban und Marčana im Südosten der Halbinsel Kopfzerbrechen.

Das gestrandete Viehtransportschiff „Deala“ vor der Küste Istriens.

Viehtransportschiff verfährt sich bei Sturm in flache Bucht und strandet vor Kroatien

Bereits im April vergangenen Jahres war das unter tansanischer Flagge fahrende Viehtransportschiff „Deala“ auf Grund gelaufen. Es liegt etwa 40 Meter vor der Küste im zwei bis fünf Meter tiefem Wasser auf felsigem Grund. Unmittelbar nach dem Unfall wurde laut 24.sata.hr ein Schlepper an die Unglücksstelle geschickt. Aufgrund des starken Windes und des flachen Wassers konnte das Schiff nicht aus der Bucht geschleppt werden.

15 ägyptische Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord. Die Besatzung des 1976 gebauten Schiffs wurde am nächsten Tag evakuiert und glücklicherweise wurde bei dem Unfall niemand verletzt. Zu einer Meeresverschmutzung kam unmittelbar nach dem Unfall nicht. Erst im November war in der kroatischen Adria eine Fähre auf einem Felsen gestrandet und danach gesunken.

Schiff vor Kroatien gestrandet – Bürgermeister spricht Warnung aus: „Fürchte, es wird was passieren“

Nach der Strandung erteilte die Hafenbehörde von Pula dem Schiffseigner die Anordnung, das Schiff aus der vom EU-Programm Natura 2000 geschützten Bucht von Raša zu entfernen. Aber Ende April gab der Schiffseigner das Schiff einfach auf und forderte den ukrainischen Versicherer auf, bei der Lösung der Situation zu helfen. Im Rumpf klaffen Löcher, Ölsperren sollen verhindern, dass sich ausgelaufener Treib- und Schmierstoff an der Wasseroberfläche ausbreitet.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Raša, Leo Knapić, sind die Schäden jedoch noch größer, sodass die Gefahr eines Auseinanderbrechens oder Kenterns oder, schlimmer noch, einer menschlichen Tragödie bestehe. „Ich fürchte, es wird was passieren, das Schiff wird kentern und das ganze übriggebliebene Öl aus dem Maschinenraum wird ins Meer fließen“, schreibt Knapić bei Facebook. „Ich möchte, dass die Löcher auf dem Schiff so schnell wie möglich repariert werden, wie versprochen, und das Schiff zur nächsten Werft geschleppt wird.“.

Bürgermeister: Leckgeschlagenes Schiff droht Umweltkatastrophe auszulösen

Er mache sich große Sorgen, dass Touristen, Eltern mit ihren Kindern oder Einheimische, die das Wrack mit einem Boot erreichen können, zum gestrandeten Schiff kommen und Selfies machen. „Was passiert, wenn ein Kind auf ein Boot steigt und das Boot aufgrund seines Zustands auseinanderbricht, umkippt und es zu einer Tragödie kommt?“, fragt der Bürgermeister.

Schon im April haben Taucher gemerkt, dass das Wasser im Maschinenraum des Schiffes durch ein Leck bis zu drei Meter hoch steht. Das könnte eine Zeitbombe für das empfindliche Ökosystem der Bucht sein. Ende Januar wandten sich Lokalpolitiker an die Öffentlichkeit, nachdem sie beim zuständigen Ministerium auf taube Ohren gestoßen sind. Auf dem Schiff sind neue Schäden aufgetreten und jetzt droht uns eine Umweltkatastrophe und damit ein Schlag für den Tourismus.

Die Bewohner der drei Anliegergemeinden würden seit zehn Monaten auf die Reaktion der zuständigen Behörden, also des Ministeriums, warten, aber es komme keine Antwort, berichtete der Präsident des Gemeindebundes Dalibor Paus während einer Pressekonferenz. „Wir kämpfen dafür, dass dieses Schiff endlich entfernt wird und unser Meer, unsere Umwelt und unser Tourismus erhalten bleiben“, so die Bürgermeister von Marčana und Barban.

Die Bucht von Raša ist ein naturbelassenes Ferienparadies.

Der Staat Kroatien verspricht, das Boot abzuschleppen - doch Experten geht es nicht schnell genug

Mitte Februar erklärten Vertreter des Ministeriums für Meer, Verkehr und Infrastruktur, dass trotz sichtbarer Schäden am Schiff derzeit keine Verschmutzung oder Gefährdung des Meeres und der Meeresumwelt bestehe. Denn dem Schiff selbst sei das ölhaltige Wasser abgepumpt und es sei mit Blöcken verankert worden, um Bewegungen zu verhindern, berichtet regionalexpress.hr Außerdem werde das Schiff überwacht, es bestehe ein Annäherungsverbot an das Schiff.

Nach der Strandung an der Bordwand aufgetauchte Strickleiter deuten aber darauf hin, dass das Schiff im Schutz der Nacht oder des Nebels geplündert wird. Nach mehreren Gesprächen habe der Versicherer erklärt, dass er die Verpflichtung übernehme, das Schiff abzutransportieren und zu entsorgen. Der Direktor der Schifffahrtssicherheitsbehörde, Siniša Orlić, teilte bei dem Treffen mit, dass die Räumungsarbeiten bis zum Beginn der Touristensaison durchgeführt werden sollen. 

Neven Iveša, Biologe an der Fakultät für Naturwissenschaften in Pula, mahnt jedoch: „Das Problem muss so schnell wie möglich gelöst werden. Ich glaube, dass die Hafenbehörde und das zuständige Ministerium daran arbeiten, aber es ist zu langsam und dauert zu lange, weil die Umweltschäden jeden Tag zunehmen.“

Istrien, Kvarner Bucht und das „Herz der Adria“ – die Lieblingsorte der Kroatien-Urlauber

Kroatien, Urlaub Makarska Riviera
Der Sommer ist in vollem Gange. Besonders beliebt bei Urlaubern aus Deutschland ist auch Kroatien: Laut den Zahlen der Kroatische Zentrale für Tourismus fielen in den ersten sechs Monaten 2024 die meisten Übernachtungen in Kroatien auf Gäste aus Deutschland (3,7 Millionen).  © IMAGO/xbelieveinme34x
Zadar Kroatien: Hundreds of tourists enjoyed the sunset Croatia, Zadar
Laut der Statistik folgten vor der Hauptsaison des Sommers 2024 Touristen aus Slowenien, dann Österreich, Polen und Großbritannien. Ob dieser Gäste-Trend weiter anhält, bleibt abzuwarten. Reiseziele wie Zadar (Foto) an der dalmatischen Küste den Zahlen zufolge besonders beliebt.  © Luka Gerlanc/imago
Sonniges Wetter in Split im April - Menschen sonnen sich
Top Reiseziele in Kroatien: Neben Zadar, verzeichneten Dubrovnik, Rovinj, Zagreb, Poreč, Split (Foto), und Umag laut der Kroatischen Zentrale für Tourismus in den vergangenen sechs Monaten die meisten Übernachtungen.  © Zvonimir Barisin/imago
Urlaubsregion Kroatien: Rovinj, kroatische Hafenstadt an der Westküste der Halbinsel Istrien
In der ersten Jahreshälfte 2024 verzeichnete Istrien 8,4 Millionen Übernachtungen, gefolgt von Split-Dalmatien (5 Millionen) und der Kvarner Bucht (4,4 Millionen).  © IMAGO
Kroatien Urlaub Plava Laguna, Adriakueste bei Porec liegen Handtücher auf leeren Liegen
Kristallklares Wasser, Strände oder historische Städte, in denen das Leben pulsiert – Kroatien ist ein Urlaubsparadies mit völlig unterschiedlichen Facetten. Kroatien gehört wohl deswegen schon seit Jahren zu den Top-Reisezielen der Deutschen. © Frank Hoermann/imago
Kroatien Felsen auf der Insel Rab in der Kvarner Bucht Urlaub
Markanten Felsen auf der Insel Rab im Abendlicht. Die Insel mit etwa 2500 Sonnenstunden im Jahr zählt zu den sonnigsten in Europa.  © IMAGO/Zoonar.com/Ewald Fr
Malerische Häuser-Fassaden: die Altstadt von Rovinj.
In Istrien liegen Porec und Pula und Rovinj ganz vorne. Rovinj (Foto) an der Westküste Istriens gilt als einer der schönsten Orte Kroatiens. © IMAGO / CHROMORANGE
Urlaub in Kroatien : Rovinj, kroatische Hafenstadt an der Westküste der Halbinsel Istrien
Die Hafenstadt Rovinj auf der Halbinsel Istriens weist laut der kroatischen Tourismusbehörde bereits in den ersten sechs Monaten die meisten Übernachtungen ausländischer Touristen auf.  © imago
In Poreč steht die Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert. Küstenabschnitte nördlich und südlich der Stadt an der Halbinsel Istriens locken Sommerurlauber.
In Poreč steht die Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert. Küstenabschnitte nördlich und südlich der Stadt an der Halbinsel Istriens locken Sommerurlauber.  © imago
Die Altstadt von Porec in Kroatien ist ein beliebtes Ziel für Touristen, die durch enge, gepflasterte Straßen flanieren und die historische Architektur genießen. Die Menschenmengen in der Fußgängerzone zeigen die Anziehungskraft dieser malerischen Küstenstadt für Sommerurlauber.
Die Altstadt von Poreč in Kroatien ist ein beliebtes Ziel für Touristen, die durch enge, gepflasterte Straßen flanieren und die historische Architektur genießen. Die Menschenmengen in der Fußgängerzone zeigen die Anziehungskraft dieser malerischen Küstenstadt für Sommerurlauber. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Umag liegt im Norden auf der kroatischen Halbinsel Istriens. Auch die Nähe zum italienischen Triest macht die mediterrane Hafenstadt attraktiv.
Umag liegt im Norden auf der kroatischen Halbinsel Istriens. Auch die Nähe zum italienischen Triest macht die mediterrane Hafenstadt attraktiv.  © imago
Schnorcheln oder einfach nur im kristallklaren Meer plantschen – rund um die Hafenstadt Pula gibt es laut Kennern die schönsten Strände in Kroatien.
Schnorcheln oder einfach nur im kristallklaren Meer plantschen – rund um die Hafenstadt Pula gibt es laut Kennern die schönsten Strände in Kroatien.  © imago
Das römische Amphitheater in Pula (Istrien) ist ein prachtvolles Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert.
Das römische Amphitheater in Pula (Istrien) ist ein prachtvolles Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert.  © imago
Urlaub in Kroatien: Eine Luftaufnahme zeigt Medulin umgeben von grünen Inseln.
Medulin ist von kleinen grünen Inseln umgeben. Das Dorf liegt in der Region Istrien, ungefähr 10 Kilometer südöstlich von Pula.  © IMAGO
Urlaub in Kroatien: Küstenabschnitt am Mittelmeer, Dalmatien auch Herz der Adria genannt
Die Küstenregion Dalmatien wird auch „Herz der Adria“ genannt. Mit hunderten vorgelagerten Inseln zählt die Urlaubsregion Kroatien zu den schönsten Küstenlandschaften in Europa.  © Roman Märzinger/imago
Kroatien Dalmatien Makarska Riviera
Die Makarska Riviera in Mitteldalmatien ist 45 Kilometer lang und reicht von Brela bis nach Gradac.  © imago
Split ist an drei Seiten vom Meer umgeben. Die zweitgrößte Stadt Kroatiens in Dalmatien mit einer historischen Altstadt liegt an der Adriaküste.
Split ist an drei Seiten vom Meer umgeben. Die zweitgrößte Stadt Kroatiens in Dalmatien mit einer historischen Altstadt liegt an der Adriaküste.  © imago
Split Croatia Panoramic View, November 7, 2024.
Ein Panorama-Blick über die Stadt Split. Sie ist bekannt für ihre schönen Strände. © Ivo Cagalj/PIXSELL/IMAGO
Diokletianpalast, Split, Dalmatien, Kroatien.
Der Diokletianspalast ist ein antiker Baukomplex in Split und ein Highlight für Touristen. Er wurde ursprünglich 298 und 305 n. Chr. als Altersruhesitz des Kaisers Diokletian erbaut.  © Francisco Javier Gil/imageBROKER/IMAGO
Die Stadt Novalja liegt auf der beliebten Insel Pag in der kroatischen Adria.
Die Stadt Novalja liegt auf der Insel Pag in der kroatischen Adria in Norddalmatien. Die Insel ist bei Familien, aber auch bei Aktivurlaubern angesagt.  © xbrchx via imago-images.de
Die auf einer Halbinsel gelegene Altstadt von Zadar an der kroatischen Adriaküste ist bei Urlaubern beliebt.
Die auf einer Halbinsel gelegene Altstadt von Zadar an der kroatischen Adriaküste (Norddalmatien) ist ein traumhaftes Urlaubsziel. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Zadar gehört neben Dubrovnik, Rovinj, Zagreb, Split, Poreč und Umag zu den kroatischen Städten mit den meisten Gästen laut der Tourismus-Statistik.  © imago
Dubrovnik Kroatien Blick auf die Stadt Urlaubsdestination
Dubrovnik in Dalmatien ist im Sommer von Touristen überlaufen. Trotzdem gilt Dubrovnik, bekannt auch durch die Fantasy-Serie „Games of Thrones“, als die meistbesuchten Stadt am gesamten Mittelmeer.  © Ulderico Granger/imago
Dubrovnik in Kroatien ist bei Urlaubern besonders beliebt. Die spektakulären Stadtmauern sind das Wahrzeichen der Stadt.
Spektakuläre Stadtmauern sind das Wahrzeichen von Dubrovnik. Seit 1979 steht sie, wie auch die Altstadt auf der UNESCO-Liste für Weltkulturerbe. © Peter Schickert/imago
Zagreb, Croatia, Ban-Jelačić-Platz. November 03, 2019.
Viele Touristen besuchen auch die Hauptstadt Kroatiens, Zagreb. Dort werden Geschichte, kulturelle Vielfalt und moderner Lebensstil vereint. Hier der Ban-Jelačić-Platz. © Baloncici/Pond5 Images/IMAGO
Der König Tomislav Platz in Zagreb wird von der eindrucksvollen gelben Fassade des großen Kunstpavillons eingerahmt.
Der König Tomislav Platz in Zagreb lockt mit einem schönen Garten. Der Platz wird von der eindrucksvollen gelben Fassade des großen Kunstpavillons eingerahmt. © brch/Panthermedia/IMAGO

Kroatischer Biologe warnt: Schiff könnte bei Abschleppversuch auseinanderbrechen

Die beste Lösung wäre, das Schiff an Ort und Stelle zu zerlegen und in Einzelteilen abzutransportieren. Der Versuch, das Schiff wieder flott zu machen, um es abschleppen zu können, könnte noch größeren Schaden verursachen. „Tatsache ist, dass wahrscheinlich einige Maßnahmen ergriffen wurden, um Abwasser sowie Treibstoff zu entfernen, aber aufgrund des Verfalls des Schiffes können andere gefährliche Stoffe in die Umwelt gelangen“, warnt der Biologe.

Im Dezember geriet eine kroatische Fähre in einen heftigen Sturm. In Dubrovnik stürzten kürzlich Felsen auf einen Strand und in ein Auto, ein Mensch starb. Im Oktober wurden bei Unwettern an der kroatischen Adria Autos ins Meer gespült. Vor kurzem erschütterte ein Erdbeben die Küste des Urlaubslandes

Rubriklistenbild: © Leo Knapić/Facebook

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