Massentourismus spitzt sich zu

Gleich mehrere Städte in Europa betroffen: „No List“ zeigt, welche Ziele Urlauber 2025 besser meiden sollten

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Die „No-List“ lenkt jedes Jahr den Blick auf Regionen, die stark unter den Folgen des Massentourismus leiden und die Urlauber besser nicht besuchen sollten.

München — Jedes Jahr im Dezember veröffentlicht der Reiseanbieter Fodor eine sogenannte „No-List“. Auf dieser Liste stehen Orte, die besonders unter den Folgen von übermässigem Tourismus leiden. Letztes Jahr wurden etwa Koh Samui in Thailand und Athen in Griechenland auf der Liste genannt.

Für 2025 gibt es sogar zwei Listen: Eine mit „Dauerhaften No-Reisezielen“ und eine mit Orten, an denen sich die Situation gerade zunehmend verschlechtert.

„Tourists go home“ beziehungsweise „Tourism go home“ steht an einer Wand in Barcelona.

„No-List“ 2025: Diese Reiseziele sollten Urlauber meiden

Die „No-List“ 2025 umfasst fünf Reiseziele in Europa und drei in Asien. Das ist wenig überraschend: In diesem Sommer kam es in verschiedenen europäischen Ländern zu Spannungen: In Barcelona protestierten Einwohner mit Wasserpistolen gegen Besucher. Auf Mallorca demonstrierten Menschen an den Stränden mit Schildern wie „Ein Tourist mehr = ein Nachbar weniger“. In Venedig gab es ähnliche Proteste. Diese Aktionen seien ein „Hilferuf“, erklärte Reiseexperte Moritz Lindner im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.

Die Anwohner leiden unter den negativen Folgen des Massentourismus, der ihren Alltag und ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Denn der Massentourismus führt in Europa vor allem zu steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten. In Lissabon etwa wurden viele Wohnungen in Ferienunterkünfte umgewandelt. Gleichzeitig sind viele der betroffenen Reiseziele auch stark von den Einnahmen durch Touristen abhängig. Die Tagesschau berichtet sogar, dass auf den Kanarischen Inseln Tourismus etwa 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht und beruft sich auf Daten des kanarischen Statistik-Instituts zeigen.

Orte auf der „No-List“ 2025

  • Bali, Indonesien
  • Lisabon, Portugal
  • Barcelona, Spanien
  • Kanaren, Spanien
  • Mallorca, Spanien
  • Venedig, Italien
  • Koh Samui, Thailand
  • Mount Everest., Nepal

In Asien sorgt der Massentourismus vor allem für Umweltprobleme. Auf der indonesischen Insel Bali beispielsweise fallen jedes Jahr rund 1,6 Millionen Tonnen Müll an, darunter etwa 303.000 Tonnen Plastik. Laut der Organisation Bali Partnership wird nur knapp die Hälfte des Abfalls aus der Insel korrekt entsorgt, während nur sieben Prozent der Kunststoffabfälle recycelt werden. Jährlich gelangen dadurch etwa 33.000 Tonnen Plastik in die Umwelt und bedrohen die empfindlichen Ökosysteme der Insel.

Hier schlägt der Massentourismus bald zu: Diese Orte sind in Gefahr

Manche Reiseziele stehen erst am Beginn eines Tourismus-Boom, was jedoch schon jetzt absehbare Konsequenzen hat. So könnte Agrigent auf Sizilien, das 2025 zur italienischen Kulturhauptstadt ernannt wird, mit einem drastischen Anstieg an Besucherzahlen konfrontiert werden. Die Region leidet schon jetzt unter einer schweren Wasserkrise, die sich durch den zusätzlichen Tourismus weiter verschärfen könnte. Ähnlich sieht es in Schottland aus, wo Bewohner der Nordküste zunehmend genervt sind von Touristen, die sowohl der Umwelt als auch den Gemeinden Probleme bereiten.

Orte, die zunehmend unter Massentourismus leiden

  • Agrigent, Sizilien, Italien
  • Britische Jungferninseln
  • Kerala, Indien
  • Kyoto und Tokio, Japan
  • Kerala, Indien
  • Oaxaca, Mexiko
  • Schottlands Nordküste

Für alle, die dennoch reisen möchten, gibt es eine gute Alternative: die „Go-List“, die auf Reiseziele hinweist, die weniger belastet sind und dennoch viel zu bieten haben. Schließlich leiden letztendlich auch die Touristen, wenn sie überfüllte Straßen und verärgerte Einheimische vorfinden. (jus)

Rubriklistenbild: © Marc Asensio Clupes/ZUMA Press Wire/dpa

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