VonHannes Niemeyerschließen
Sorge um die Hamas-Geiseln im Israel-Krieg. Bei ihrem Angriff verschleppte die Terror-Organisation etliche Menschen gen Gaza – auch Deutsche sind darunter. Was über die Fälle bekannt ist.
Tel Aviv – Zehn Tage ist es mittlerweile her, dass die Terror-Organisation Hamas in Israel einfiel und ein Blutbad hinterließ. Die traurige Bilanz verzeichnet etliche tote Zivilisten, grausame Bilder und zahlreiche gen Gazastreifen verschleppte Menschen. Seither herrscht Krieg in Israel, auf beiden Seiten steigen die Todeszahlen Tag für Tag an. Erst am Dienstag verloren offenbar zahlreiche Menschen bei einer Explosion in einem Krankenhaus in Gaza ihr Leben. Insgesamt geht die Bundesregierung außerdem von einer einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger aus, „die dem Hamas-Terror zum Opfer gefallen sind“, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin mit.
Das Schicksal der von der Hamas als Geiseln genommenen Personen bewegt die Menschen auf der gesamten Welt. Auch Personen, die neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sind unter den Verschleppten. Das Auswärtige Amt spricht von insgesamt acht Fällen, wobei ein Fall auch mehrere Familienmitglieder umfassen kann. Die Angehörigen der Entführten bitten bereits öffentlich um Hilfe. Ein Vater etwa wandte sich gar direkt an Bundeskanzler Olaf Scholz. Die Lage, der Aufenthaltsort und auch der Gesundheitszustand der Verschleppten in Gaza ist zumeist unklar. Was über die deutschen Hamas-Geiseln bisher bekannt ist.
Yarden Romann trennte sich bei Hamas-Überfall von seiner Familie – nun ist er verschwunden
Die 35-jährige Deutsch-Israelin Yarden Roman hielt sich nach Angaben ihrer Familie während des Hamas-Überfalls gemeinsam mit ihrem Mann Alon und ihrer dreieinhalbjährigen Tochter Gefen zu einem Besuch bei ihren Schwiegereltern im Kibbuz Beeri auf. Die radikalislamischen Kämpfer drangen in den Schutzraum der Familie ein und verschleppten Yarden, Alon und Gefen aus dem Kibbuz. Auf dem Weg in den Gazastreifen gelang es dem Paar zunächst, gemeinsam mit ihrer Tochter aus dem Fahrzeug ihrer Entführer zu springen und zu fliehen, wie ihre Angehörigen deutschen Medien berichteten.
Demnach trennte sich Yarden aber von ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter, weil sie zu langsam war. Während sich Alon und Gefen erfolgreich verstecken konnten, ist Yarden seither verschwunden - und auch von ihrer Schwiegermutter und ihrer Schwägerin fehlt jede Spur. Die Familie hofft, dass alle drei Frauen als Geiseln der Hamas noch am Leben sind.
Im Israel-Krieg verschleppt: Shoshan Haran und weitere deutsche Angehörige unter Hamas-Geiseln
Bei dem Überfall auf den Kibbuz Beeri wurden auch die Wissenschaftlerin Shoshan Haran und neun ihrer Familienmitglieder verschleppt. Die Opfer sind nach Angaben von Freunden und Angehörigen drei bis 65 Jahre alt, das jüngste ist Harans Enkeltochter. Laut Jüdischer Allgemeine ist Shoshan Haran deutsche Staatsbürgerin, ebenso wie drei weitere Angehörige. Zwei Opfer haben demnach die italienische und ein weiteres die österreichische Staatsbürgerschaft.
Familienmitglieder versuchten nach eigenen Angaben immer wieder, ihre vermissten Angehörigen über Handy zu erreichen. Ein Handy der Vermissten ließ sich demnach im Gazastreifen lokalisieren. Schließlich meldete sich einer Erklärung der Angehörigen und Freunde zufolge eine Stimme am Telefon und sagte nur drei Worte mit arabischem Akzent auf Hebräisch: „Gilad Schalit Gaza“ - eine klare Anspielung auf einen im Jahr 2006 entführten israelischen Soldaten, der erst fünf Jahre später im Zuge eines Gefangenenaustauschs wieder freikam.
Shoshan Haran ist deutsche Fullbright-Stipendiatin, Gründerin der internationalen Nichtregierungsorganisation Fair Planet und setzte sich den Angaben zufolge dafür ein, dass westliche Unternehmen ihre Patente für ertragreiches Saatgut und lebensverändernde Biotechnologie mit Ländern in Afrika teilen.
Shani Louk seit Hamas-Massaker auf Festival vermisst – Video auf Pick-Up ging von Israel aus um die Welt
Die 22-Jährige Shani Louk wird seit dem Hamas-Massaker bei einem Rave-Festival in der Negev-Wüste im Süden Israels vermisst, doch ist ihre Mutter Ricarda Louk überzeugt, dass sie noch lebt und mit schweren Kopfverletzungen in einem Krankenhaus in Gaza liegt. Ricarda Louk erkannte ihre Tochter auf einem Video, auf dem die 22-Jährige halbnackt auf einem Pick-Up zwischen mehreren Hamas-Männern offenbar im Gazastreifen zu sehen ist, mit dem Gesicht zum Boden, die Beine verdreht.
Ricarda Louk beschreibt ihre Tochter als „lebensfroh und friedliebend“, die gerne tanze und Musikfestivals besuche. Nach Angaben eines Freunds arbeitet die gelernte Tätowiererin seit zwei Jahren als Kellnerin in einem Restaurant in Tel Aviv und ist wegen ihrer „witzigen und lebhaften“ Art bei den Kollegen sehr beliebt .Shani Louk hat laut „Spiegel“ die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft und war mehrfach zu Besuch bei ihren Großeltern in Ravensburg in Baden-Württemberg. Ihre Mutter, eine Katholikin, die später zum Judentum konvertierte, war demnach nach Israel ausgewandert. Der jüdische Vater ist Israeli.
Doron Asher und ihre zwei Töchter wohl von Hamas aus Israel entführt – Mann will Familie auf Geisel-Video erkannt haben
Der Israeli Yoni Asher ist davon überzeugt, dass seine Frau Doron ebenfalls von der Hamas verschleppt wurde, gemeinsam mit ihren zwei und vier Jahre alten Töchtern und seiner Schwiegermutter. Doron und ihre Kinder hätten die Großmutter im Kibbuz Nir Oz in der Nähe des Gazastreifens besucht, als die Hamas ihren Angriff startete, sagte Asher dem Sender Channel News 12. Er habe seine Familie auf einem Geisel-Video der Hamas erkannt. Demnach haben seine Frau, die beiden Mädchen und auch die Großmutter die deutsche Staatsbürgerschaft. Yoni Asher wandte sich via Medien bereits direkt an Bundeskanzler Olaf Scholz.
Margalit und Gadi Moses: Krebskranke Großmutter und ihr Ehemann in Gazastreifen verschleppt
Auch die 77-jährige Margalit Moses und ihr 79-jähriger Mann Gadi wurden vermutlich als Geiseln aus Nir Oz in den Gazastreifen verschleppt. Nach Angaben ihres Bruders Chanan Cohan leidet Margalit Moses an Krebs und ist schwerkrank. Der 85-Jährige, der als Sohn deutscher Siedler im damals noch britischen Mandatsgebiet Palästina geboren wurde, arbeitete mehrere Jahre in Deutschland. Ihm zufolge haben alle Angehörigen einen deutschen Pass. Cohen versichert, seine Schwester, ihr Mann und die gesamte Familie hätten sich stets für den Frieden eingesetzt. (han/AFP)
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