Touristen starben in „Titan“-Tauchkapsel

U-Boot-Pilot verteidigt Titanic-Tauchfahrt: „Die fünf Männer waren keine Spinner“

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Die „Titan“ ist auf dem Weg zur Titanic verunglückt. Ein Schweizer U-Boot-Pilot sagt: Menschen, die solche Missionen wagen, bringen die Menschheit voran.

München/Engelberg – Fünf Menschen starben auf Titanic-Mission. Nachdem das Mini-U-Boot „Titan“ auf seinem Tauchgang implodiert ist, wurde schnell Kritik laut. Das Gefährt wirke improvisiert, monierten ehemalige Passagiere. Es habe schon in der Vergangenheit heikle Situationen gegeben.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Der jüngste Titanic-Taucher berichtete, das Tauchboot von OceanGate weise gravierende Sicherheitsmängel auf. Er hätte niemals einen Fuß auf die „Titan“ gesetzt. Nach dem Unglück drohen dem Betreiber jetzt gewaltige Schadensersatzforderungen.

Schweizer U-Boot-Pilot über „Titan“: „Da wäre ich schon draufgekommen, dass ich lieber nicht einsteige“

Der Schweizer U-Boot-Pilot, Philippe Epelbaum, wäre vermutlich auch lieber an Land geblieben. Als CEO der Firma SubSpirit bietet er U-Bootfahrten für Touristen in Schweizer Seen an.

Hätte er nach einem Blick in die „Titan“ einen Rückzieher gemacht? Im Gespräch mit der Kronen-Zeitung erklärt Epelbaum: „Ich kann das nicht beurteilen, weil ich das U-Boot nicht kenne. Aber hätte ich Interesse gehabt, würde ich nach ein paar Infos fragen. Da wäre ich schon draufgekommen, dass ich lieber nicht einsteige. Aber für einen Laien ist es schwer, so etwas zu beurteilen.“

U-Boot-Experte verteidigt Titanic-Touristen: „Die fünf Männer waren keine Spinner“

Epelbaum kennt sich mit U-Booten aus, anders als einige der „Titan“-Passagiere. Ein 19-Jähriger hatte Angst vor der Titanic-Reise, stieg nur seinem Vater zuliebe in die Unglücks-Kapsel. Das zumindest behauptet die Tante des Verunglückten.

Die Tauchkapsel „Titan“ verunglückte auf ihrer Reise zur Titanic.

„Wenn man sich auf so ein Abenteuer einlässt, muss man sich der Gefahr bewusst sein. Aber die fünf Männer waren keine Spinner“, sagt der Schweizer Experte. Vielmehr sieht er sie als Pioniere: „Die Neugierde für das Unbekannte hat die Menschheit vorangebracht.“

Hightech-Tauchkapsel wird mit Spiele-Controller gesteuert – für Experten kein Problem

Trotzdem soll es Warnzeichen gegeben haben. Die „Titan“ wird beispielsweise mit einem Spiele-Controller, wie man ihn von Konsolen kennt, gesteuert. Für Epelbaum nicht zwingend ein Problem: „Der Controller würde mich jetzt nicht stören. Wenn er keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, dann sollte es passen“, sagt er.

Vielmehr besteht der Schweizer auf Absicherung. „Was an Bord eines U-Bootes auf alle Fälle sein muss: Jedes Gerät muss mehrfach vorhanden sein, auch das Steuergerät“, sagt Epelbaum.

Der „Titan“ wurde vermutlich kein fehlerhaftes Steuergerät zum Verhängnis. Das Tauchboot hielt dem Wasserdruck nicht Stand und implodierte innerhalb von Millisekunden. Das Unglück dürfte Folgen für alle zukünftige Titanic-Tauchgänge haben. (moe)

Rubriklistenbild: © Oceangate Expeditions/picture alliance/dpa/PA Media

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