U-Boot-Pilot verteidigt Titanic-Tauchfahrt: „Die fünf Männer waren keine Spinner“
VonMoritz Bletzinger
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Die „Titan“ ist auf dem Weg zur Titanic verunglückt. Ein Schweizer U-Boot-Pilot sagt: Menschen, die solche Missionen wagen, bringen die Menschheit voran.
München/Engelberg – Fünf Menschen starben auf Titanic-Mission. Nachdem das Mini-U-Boot „Titan“ auf seinem Tauchgang implodiert ist, wurde schnell Kritik laut. Das Gefährt wirke improvisiert, monierten ehemalige Passagiere. Es habe schon in der Vergangenheit heikle Situationen gegeben.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
Schweizer U-Boot-Pilot über „Titan“: „Da wäre ich schon draufgekommen, dass ich lieber nicht einsteige“
Der Schweizer U-Boot-Pilot, Philippe Epelbaum, wäre vermutlich auch lieber an Land geblieben. Als CEO der Firma SubSpirit bietet er U-Bootfahrten für Touristen in Schweizer Seen an.
Hätte er nach einem Blick in die „Titan“ einen Rückzieher gemacht? Im Gespräch mit der Kronen-Zeitung erklärt Epelbaum: „Ich kann das nicht beurteilen, weil ich das U-Boot nicht kenne. Aber hätte ich Interesse gehabt, würde ich nach ein paar Infos fragen. Da wäre ich schon draufgekommen, dass ich lieber nicht einsteige. Aber für einen Laien ist es schwer, so etwas zu beurteilen.“
U-Boot-Experte verteidigt Titanic-Touristen: „Die fünf Männer waren keine Spinner“
Epelbaum kennt sich mit U-Booten aus, anders als einige der „Titan“-Passagiere. Ein 19-Jähriger hatte Angst vor der Titanic-Reise, stieg nur seinem Vater zuliebe in die Unglücks-Kapsel. Das zumindest behauptet die Tante des Verunglückten.
„Wenn man sich auf so ein Abenteuer einlässt, muss man sich der Gefahr bewusst sein. Aber die fünf Männer waren keine Spinner“, sagt der Schweizer Experte. Vielmehr sieht er sie als Pioniere: „Die Neugierde für das Unbekannte hat die Menschheit vorangebracht.“
Hightech-Tauchkapsel wird mit Spiele-Controller gesteuert – für Experten kein Problem
Trotzdem soll es Warnzeichen gegeben haben. Die „Titan“ wird beispielsweise mit einem Spiele-Controller, wie man ihn von Konsolen kennt, gesteuert. Für Epelbaum nicht zwingend ein Problem: „Der Controller würde mich jetzt nicht stören. Wenn er keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, dann sollte es passen“, sagt er.
Vielmehr besteht der Schweizer auf Absicherung. „Was an Bord eines U-Bootes auf alle Fälle sein muss: Jedes Gerät muss mehrfach vorhanden sein, auch das Steuergerät“, sagt Epelbaum.
Der „Titan“ wurde vermutlich kein fehlerhaftes Steuergerät zum Verhängnis. Das Tauchboot hielt dem Wasserdruck nicht Stand und implodierte innerhalb von Millisekunden. Das Unglück dürfte Folgen für alle zukünftige Titanic-Tauchgänge haben. (moe)