Infizierte sollen „zu Hause bleiben“

Isolationspflicht trotz BQ.1.1 abgeschafft: Lehrerverband kritisiert „Fahrlässigkeitsmodus“

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Trotz Omikron BQ.1.1 haben fünf Bundesländer die Corona-Isolationspflicht abgeschafft. Mit dieser Entscheidung geht Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), hart ins Gericht.
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In einigen Bundesländern ist die Corona-Isolationspflicht bereits Geschichte. Trotz der Ausbreitung von Omikron BQ.1.1. Das ruft den Lehrerverband auf den Plan. Standpauke ab.

Berlin – Ob dieses Vorgehen im Alleingang wirklich so klug war? Nunmehr fünf Bundesländer haben die Corona-Isolationspflicht bereits abgeschafft. Wer hier einen positiven Corona-Schnelltest aufweist, muss sich nicht mehr in Quarantäne begeben und kann sich sogar unter Menschen begeben. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverband (DL), reagiert mit Unverständnis auf diese Entscheidung.

„Wer infiziert ist, soll zu Hause bleiben – egal, ob er Symptome hat oder nicht“, heißt es von Meidinger gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Auch vor dem Hintergrund der in Deutschland grassierenden Omikron-Variante BQ.1.1.

BQ.1.1 breitet sich in Deutschland aus – und fünf Bundesländer schaffen die Corona-Isolationspflicht ab

Die Corona-Politik der Länder Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg kritisiert der Lehrerverband harsch. Das Ende der Isolationspflicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem Deutschland sich weiterhin mit Omikron BQ.1.1 konfrontiert sieht, nennt Meidinger das „Umschalten vom Vorsichtsmodus in den Fahrlässigkeitsmodus“.

Der Präsident des Lehrerverbandes stört sich vor allem daran, dass Infizierte in den betroffenen Bundesländern nach dem Ende der Isolationspflicht einfach zur Arbeit gehen können. Doch im Gegensatz zu vielen Arbeitsplätzen gebe es in der Schule viel mehr und viel engere Kontakte von Personen im Räumen und Gängen, so Meidinger. Zudem sehe er die Gefahr, dass Eltern auch ihre infizierten Kinder nicht daheim behalten würden. „Wenn infizierte Lehrer in die Schule gehen, sinkt die Hemmschwelle der Eltern, ihr infiziertes Kind in die Schule zu schicken“.

BQ.1.1. hält Deutschland in Atem – während durchs Ende der Isolationspflicht ein Flickenteppich an Corona-Regelungen entsteht

Das Ende der Corona-Isolationspflicht, obwohl Omikron BQ.1.1. sich in Deutschland weiterhin ausbreitet, hatte für viel Kritik gesorgt. Die ersten Bundesländer hatten diesen Schritt bereits Mitte November 2022 beschlossen. Hier sind symptomlos Infizierte nur noch dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen. Besuche in der Gastronomie oder im Fitnessstudio, wo es schwerfällt, dauerhaft eine Schutzmaske gegen das Coronavirus zu tragen, sind für Infizierte weiterhin Tabu.

Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) komme das Ende der Isolationspflicht „zur Unzeit“. Laut dem Sozialdemokraten würde diese Entscheidung der Politik in Form der Landesregierungen zu einem Flickenteppich unterschiedliche Corona-Regelungen in ganz Deutschland führen. Zudem gebe auch keinen medizinischen Grund, aktuell auf die Isolationspflicht zu verzichten, so Lauterbach.

Omikron-Abkömmling BQ.1.1. könnte bis Mitte Dezember 2022 50 Prozent der Corona-Neuinfektionen ausmachen

De facto gelten in elf der 16 Bundesländer, vor allem mit Blick auf BQ.1.1, weiterhin Beschränkungen bei der Corona-Infektion. Mit Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hatten zuletzt sogar zwei Bundesländer die Isolationspflicht von fünf Tagen im Falle einer Infektion weiter verlängert. Damit waren sie den aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gefolgt.

Trotz der mittlerweile hohen Basisimmunität in der Bevölkerung von 90 Prozent, wie sie das Impfdashboard vom RKI ausweist, könnte die sich immer stärker ausbreitende Omikron-Variante BQ.1.1 im Frühjahr 2023 wieder für hohe Krankenstände in Deutschland sorgen. Die europäische Seuchenschutzbehörde, das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), rechne gar damit, dass der Abkömmling von Omikron BA.5 bis Mitte Dezember etwa 50 Prozent der Neuinfektionen ausmacht.

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