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Eine Fähre von der Touristeninsel Capri hat beim Anlegen in Neapel den Kai gerammt. 44 Menschen wurden verletzt. Auf Capri findet gerade der G7-Gipfel statt.
Capri/Neapel – Die Mittelmeerinsel Capri gilt als Juwel Italiens im Meer vor Neapel. Die schroffen Felsen und engen Gassen der Dörfer Capri und Anacapri sind ein Pflaster der Reichen und Schönen, wer sich eine Übernachtung dort nicht leisten kann, macht als Neapel-Tourist wenigstens einen Tagesausflug dorthin.
Auf der Trauminsel Capri findet der G7-Gipfel statt
Wegen der mondänen Schönheit und der strategisch leichten Kontrolle der Insel findet dort derzeit der G7-Gipfel der Außenminister der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen statt. In Neapel gab es am Freitag deshalb auch wütende Gegendemonstrationen.
Doch bereits am Morgen ereignete sich ein Drama im Hafen der Mittelmeermetropole: Die Schnellfähre „Isola di Procida“ der Reederei Caremar, die um 9.05 Uhr in Capri abgelegt hatte, rammte beim Anlegen an der Beverello-Mole die Kaimauer. Ursache war laut fanpage.it wohl der heftige Sturm, der zu hohem Wellengang geführt hatte. Auch die Sicht war schlecht.
Sturm sorgt für ungemütliche Passage - Fahrgäste warten auf den Treppen
Nach der ungemütlichen Überfahrt konnten die 163 Passagiere an Bord, darunter viele ausländische Touristen, das Aussteigen von dem 71 Meter langen und 25 Jahre alten schwankenden Schiff kaum erwarten. Es bildeten sich Schlangen, die bis auf die steilen Stiege des Schiffes zwischen den Decks reichten. Beim Aufprall stürzten die Passagiere, fielen übereinander, einige landeten auf dem Treppenabsatz.
Mindestens 44 Personen wurden verletzt, die meisten von ihnen Italiener mit leichten Prellungen, die mit Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurden oder sich selbst in die Notaufnahme begaben. Unter den Verletzten waren aber auch acht US-Bürger. Eine Armada von Krankenwagen war vor Ort. Eine Frau galt als schwer verletzt. Der Rettungseinsatz war gegen 13 Uhr beendet.
Passagier: „Ich bekam einen heftigen Stoß ins Gesicht“
„Ich war oben auf der Treppe, in der ersten Reihe vor allen anderen Passagieren, als das Schiff sich dem Pier näherte, um anzulegen, und dann fiel ich plötzlich hin und fand mich auf dem Treppenabsatz wieder, zum Glück habe ich nicht meinen Kopf getroffen, sondern nur eine Wade und eine Schulter“, sagte Salvatore, einer der verletzten Passagiere, zu Ansa.it.
Ein Tourist aus Norditalien, der immer noch unter Schock stand, sagte den Reportern: „Ein sehr starker Schlag, ich bekam einen heftigen Stoß ins Gesicht, ich sah, wie viele Leute zu Boden fielen. Wir waren im Urlaub auf Capri. Dieses Ende unserer Reise hätte ich mir in den letzten Tagen nicht vorstellen können.“
Anhand der Daten aus der „Black Box“, dem Schiffsdatenschreiber, untersucht die Schifffahrtsbehörde nun, ob die Unfallursache, wie von der Reederei vermutet, menschliches Versagen oder eine starke Windböe war. Das Schiff hat jetzt für die Untersuchungen am Pier festgemacht. An der Backbordseite (links) des Hecks kurz oberhalb der Wasserlinie gähnt ein großes Loch. Durch die Havarie fielen einige Fahrten nach Capri aus, wo am Freitag die G7-Beratungen zu Ende gingen.
Gewerkschaft kritisiert die Reedereien
Gewerkschaftsvertreter fordern nach dem Unfall mehr Sicherheit für die Fährschiffe: „Der Unfall heute Morgen macht deutlich, dass die Sicherheit an Hafenarbeitsplätzen eine Priorität für Reedereien sein muss, die sich zur Reduzierung der Risiken für Arbeiter und Passagiere verpflichten müssen“, heißt es in einer Mitteilung des italienischen Gewerkschaftsbundes CGIL, Abteilung Neapel und Kampanien.
Erst vor wenigen Wochen waren in der Nähe zwischen der Ferieninsel Ischia und der Hafenstadt Pozzuoli zwei Fähren bei Sturm ins Schlingern geraten. Eine der beiden Schiffe lief auf Grund, da das Wasser wegen des anschwellenden Supervulkans der phlegräischen Felder seichter geworden ist. Bei einem Bootsunfall voriges Jahr starben vier Geheimagenten auf dem Lagio Maggiore.
