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Im Zuge von Bauarbeiten im Tauerntunnel der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kollabierte die Tunneldecke. Die Bauarbeiter konnten sich in letzter Sekunde retten.
Böckstein - Der Tauerntunnel der ÖBB zwischen Böckstein bei Bad Gastein (Salzburg) und Mallnitz (Kärnten) ist neben der Brennerbahn Teil der wichtigsten Bahnverbindung in Österreich von Nord nach Süd. Auch für den Verkehr aus Deutschland nach Italien und Slowenien stellt die 8,3 Kilometer lange Röhre, die 1909 noch zur Zeit der kaiserlich-königlichen Donaumonarchie eröffnet wurde, eine wichtige Rolle. Der Tunnel ist Teil der Tauernbahn, die von Salzburg nach Villach führt. Von dort geht es entweder über Pontebba Richtung Triest und Venedig oder durch den Karawanken-Bahntunnel nach Ljubljana weiter.
Österreichischer Tunnel für Verkehr von Deutschland nach Italien und Slowenien unverzichtbar
Doch die Röhre ist in die Jahre gekommen, das letzte Mal wurde sie vor 20 Jahren ertüchtigt. Seit Mitte November wird der Tunnel aufwändig saniert. Die Strecke soll leistungsfähiger werden. So wird das Tunnelgewölbe, durch das Wasser eindringt, abgefräst und neu ausgekleidet, das Sickerwasser soll aufgefangen und abgeleitet werden. Außerdem wird die Oberleitung erneuert und eine Feste Fahrbahn eingebaut.
Beleuchtete Handläufe werden angebracht, der Tunnelfunk und die Signaltechnik modernisiert. Aus diesem Grund ist die Strecke, die auch von den Nachtzügen der ÖBB von München und Wien nach Rom, Mailand, Genua und La Spezia befahren wird, bis Mitte Juli gesperrt. Auch für Radfahrer, die auf dem Alpen-Adria-Radweg unterwegs sind, sowie für Autofahrer, die die ebenfalls durch Bauarbeiten beeinträchtigte Tauernautobahn meiden wollen, fällt die Tauernbahn weg.
Am Sonntag (29. Dezember) passierte bei den Bauarbeiten dann ein unfassbares Unglück: Auf rund sieben Meter stürzte nahe dem Tunnelportal die Decke des Tunnels ein. Es entstand ein Loch, das bis an die Oberfläche reicht, die Gesteinsbrocken füllen die ganze Tunnelröhre aus. Die 13 Bauarbeiter, die vor Ort tätig waren, konnten sich auf die Kärntner Seite des Tunnels retten: „Bei den ersten Anzeichen haben die Arbeiter den Gefahrenbereich sofort verlassen, es wurde niemand verletzt“, berichtet ÖBB-Sprecher Robert Mosser gegenüber IPPEN.MEDIA.
Die Decke brach während der Bauarbeiten ein - Felsbrocken blockieren den ganzen Tunnel
Zunächst musste geklärt werden, ob noch weitere Teile der Decke einstürzen können. Mosser: „Die unmittelbaren Nachbarbereiche sind stabil und zeigen keine Beeinträchtigungen.“ Die Abstimmungen mit den Baufirmen und Planern zur Behebung des Schadens seien bereits angelaufen. „Ersten Einschätzungen zufolge könnte der aufgetretene Verbruch bereits in einer Woche wieder behoben sein und die planmäßigen Sanierungsarbeiten im nördlichen Bereich des Tauerntunnels fortgesetzt werden“, so der ÖBB-Sprecher. Es werde alles daran gesetzt, den geplanten Wiedereröffnungstermin im Juli halten zu können. Die Arbeiten im südlichen Bereich des Tunnels auf der Kärntner Seite liefen uneingeschränkt weiter.
Es stellt sich aber die Frage: Inwieweit wurde der Deckeneinbruch durch die Bauarbeiten verursacht? Bestand zuletzt während des Betriebes bereits die Gefahr eines Deckeneinsturzes? Dazu erklärt Mosser: „Es befanden sich Hohlräume hinter dem Mauerwerk - bei den Arbeiten werden bis zu 30 Zentimeter des Bestandsmauerwerks abgefräst, um sie abzudichten. Gemeinsam hat das jetzt zur Schwächung und dem Nachgeben des Gewölbes geführt.“
Die Alternativen für Reisende sind derzeit beschränkt: Auf der Brennerautobahn steht ab Neujahr wegen Bauarbeiten an der Luegbrücke nur eine Spur pro Fahrtrichtung zur Verfügung. Auch der Reschenpass ist wegen Bauarbeiten nur beschränkt befahrbar. Wegen eines enormen Felssturzes ist der Plöckenpass ebenfalls noch auf Monate hin gesperrt.
Rubriklistenbild: © ÖBB Swietelsky


