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Tausende Autofahrer erlebten am Samstag (28. Dezember) einen Stillstand auf ihrer Fahrt in den Skiurlaub. Eine seit Monaten bestehende Baustelle war der Auslöser.
Salzburg – Am Ende des Jahres zieht es Deutschlands Skifahrer und die der Nachbarnationen in Scharen in die Alpen: In den Weihnachtsferien herrscht Hochsaison. Nach mageren Jahren herrschen in diesen Weihnachtsferien endlich mal wieder traumhafte Schneebedingungen. Es hat pünktlich zu Weihnachten bis in die Täler geschneit, Minusgrade sorgen dafür, dass sich der Alpenraum in ein Winterwunderland verwandelt hat, zwischen den Jahren herrscht dort auch noch makelloser Sonnenschein. Viele Wintersportorte sind ausgebucht.
Das sorgt für enormen Anreiseverkehr, auch in den Skigebieten des Salzburger Landes, Kärntens und der Steiermark. Die Anreise dorthin führt meistens im Pkw über die Tauernautobahn Salzburg-Villach. Doch am Samstag (28. Dezember) war für die Urlauber kurz vor dem Ziel eine nervige Dauerpause angesagt: Bis zu drei Stunden lang standen sie kurz hinter Salzburg zwischen Golling und Werfen im Stau, berichtet der ORF. Grund war eine Tunnelbaustelle, die seit September 2023 zur Halbierung der Fahrspuren und somit für jede Menge Ärger auf der Tauernautobahn führt.
Schon früh um 7.30 Uhr standen die Ampeln auf Österreichs Tauernautobahn auf Rot
Bereits um 7.30 Uhr morgens aktivierte der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag die Blockabfertigung vor der Tunnelbaustelle in Golling. Die Autoschlange in Fahrtrichtung Villach reichte am Vormittag laut dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC über zwölf Kilometer von Golling bis Hallein zurück, man benötigte für diesen Abschnitt bis zu drei Stunden Wartezeit.
Der Hintergrund: Bis Juni 2025 werden im 14 Kilometer langen Abschnitt zwischen Golling und Werfen fünf Tunnel gleichzeitig saniert. Die teils 50 Jahre alten Tunnelröhren sind seit September 2023 je Richtungsfahrbahn wechselweise gesperrt. Der Verkehr wird durch die freien Röhren einspurig im Gegenverkehr geführt. Saniert werden der Ofenauer- und Hieflertunnel sowie die Tunnelkette Werfen, die aus den Röhren unter Brentenberg, Zetzenberg und Helbersberg besteht. „Wir müssen die baulich ältesten Autobahntunnel Österreichs und sämtliche Sicherheitseinrichtungen auf den neuesten Stand der Technik bringen“, so Asfinag-Sprecher Christoph Pollinger zu Beginn der Arbeiten. Neben einer neuen Fahrbahn und der Sanierung von Beton-Innenschalen werden Fluchtwege mit neuen Türen, LED-Beleuchtung und Notruf-Anlagen ausgerüstet sowie drei neue Löschwasserbehälter gebaut.
Eigentlich gelten bis 30. März entlang der Tauernautobahn Abfahrtssperren für den Durchgangsverkehr. Diese sollen dafür sorgen, dass Autofahrende bei dichtem Verkehr nicht über die parallel verlaufende Salzachtalstraße B159 ausweichen. Damit sollen Orte wie Golling oder Kuchl vom Durchgangsverkehrs verschont werden. Doch am Samstag funktionierte das einmal mehr nicht: Viele Autofahrer fuhren von der Autobahn ab, auf der Salzachtalstraße (B159) ging es seit den Morgenstunden dann auch nur langsam voran. Am Abend reichte der Ausweichverkehr von Golling bis Hallein.
Autofahrer pöbeln österreichische Kontrolleure an – in Salzburger Gemeinden liegen die Nerven blank
„Das Problem ist, dass viele Autofahrer schon in Puch oder Salzburg-Süd abfahren. Niemand hält sich an die Abfahrtssperren. Kontrolleure der Asfinag werden angepöbelt, man kann sich das nicht vorstellen, was sich auf der Autobahn abspielt – das ist verrückt“, kritisiert ÖAMTC-Stauberater Gerhard Holitscher gegenüber dem ORF.
Auch der Bürgermeister von Kuchl, Thomas Freylinger (ÖVP), ist stinksauer: „Das ist eine wahnsinnige Belastung und ein Ärgernis für die gesamte Bevölkerung. Jedes Mal stehen wir vor dem Ärger mit der Blockabfertigung – die wird bereits in der Früh aktiviert und mit dem Zeitpunkt fährt alles ab und damit haben wir den Ärger auf den Nebenstraßen“, so der Gemeindechef gegenüber dem Sender. Bei der Reisewelle vor Weihnachten standen die Autofahrer an der Tauernautobahn sogar vier Stunden im Stau, dazu war eine Verkehrskontrolle der Salzburger Polizei an der bayerischen Grenze, die die Urlauberanreise zusätzlich behinderte.
Baustelle führt zu stundenlangem Stau in Österreich: Kontrolleure werden angepöbelt
Die nächsten Staus stehen bei der Rückreisewelle an: ichtung Norden rechnet die Asfinag von Freitag, 3. Januar, bis Sonntag, 5. Januar, mit sehr starken Verkehrsaufkommen und am Dreikönigstag (6. Januar) mit starkem Verkehrsaufkommen. Richtung Süden ist am Mittwoch, dem 15. Januar und am Samstag, dem 18. Januar nochmals mit einer mächtigen Reisewelle zu rechnen. Kritisch könne es Richtung Süden auch am 4., 6., 11., 16., 17. und 25. Januar werden.
Die Alternativen für die Tauernautobahn auf dem Weg nach Süden sind auch nicht besonders verlockend: An der Brennerautobahn müssen die Urlauber ebenfalls mit Staus, vor allem in der Rückreisewelle, rechnen. Denn ab 1. Januar wird die Luegbrücke nur noch jeweils einspurig befahrbar sein. Auch die Bahnstrecke durch die Tauern ist wegen einer Tunnelsanierung gesperrt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Reschenpass ebenfalls wegen Bauarbeiten nur beschränkt befahrbar ist. Wegen eines enormen Felssturzes ist der Plöckenpass ebenfalls noch auf Monate hin gesperrt.
Rubriklistenbild: © Land Salzburg/Melanie Hutter


